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Nüdlingen
Auszeichnung

Haard: Ein Handwerksmeister vom alten Schlag

Der Haarder Dachdeckermeister und Firmenchef Ewald Beck hat vor gut 50 Jahren seinen Meistertitel erworben. Dafür wurde er von der Handwerkskammer ausgezeichnet. Auch mit 72 Jahren ist er noch nicht im Ruhestand.
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1968 und 1969 hat Ewald Beck die Meisterschule für das Dachdeckerhandwerk in Mayen (Rheinland-Pfalz) besucht. Das Foto zeigt den jungen Meisterschüler bei einer praktischen Aufgabe während dieser Zeit. Foto: Archiv Ewald Beck
1968 und 1969 hat Ewald Beck die Meisterschule für das Dachdeckerhandwerk in Mayen (Rheinland-Pfalz) besucht. Das Foto zeigt den jungen Meisterschüler bei einer praktischen Aufgabe während dieser Zeit. Foto: Archiv Ewald Beck
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Gerade 21 Jahre alt war Ewald Beck, als er im 1968 auf die Meisterschule nach Mayen (Rheinland-Pfalz) ging. Schon ein Jahr später legte er vor der Handwerkskammer Würzburg die Prüfung ab. Ein paar Erinnerungs-Bilder gibt es aus dieser Zeit. Damals war die Dachdeckerei noch weit mehr Handarbeit als heute. Maschinen seien kaum zum Einsatz gekommen, erzählt Beck. In seinem Betrieb Beck Bedachungen koordiniert der Dachdeckermeister bis heute die Arbeit seiner Mitarbeiter. Die Handwerkskammer hat ihn mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet. Seine Frau Maria erhielt in diesen Tagen die Ehrenurkunde für 25-jährige Ausbildertätigkeit im Betrieb.

Ewald und Maria Beck sind ein eingespieltes Team im eigenen Unternehmen. Während Ewald Beck Fachmann für alles Handwerkliche ist und die Arbeit auf den Baustellen koordiniert, ist das Reich von Maria Beck in all den Jahren das Büro. Ewald Beck ist froh, dass ihm seine Frau den Rücken frei hält. Denn er ist bis heute Handwerker durch und durch.

Auf Dächer steigt Ewald Beck allerdings nicht mehr, sagt er. In seinem Alter, meint er, müsse man das nicht mehr herausfordern. Außerdem haben der Beruf und nach Feierabend der Sport Spuren an den Knien hinterlassen.

Beck-Bedachungen ist ein alteingesessener Familienbetrieb, der bereits 1925 gegründet wurde. Dass Ewald Beck einmal die Firmennachfolge antreten wird, war schon früh klar, auch wenn es vielleicht Anfangs für ihn nicht unbedingt der Traumberuf gewesen war. "Ich war der Älteste", stellt er fest. Doch er habe sich eingearbeitet und dann hat es auch Spaß gemacht.

Gelernt hat Ewald Beck den Dachdeckerberuf ab 1961 in Schweinfurt bei der Firma Handschuh. Anschließend kam er als Geselle zurück in den eigenen Betrieb. 1977 übernahm er die Firma. Damals sei vieles anders gewesen als heute, erinnert er sich. "Es war mehr Handarbeit", stellt er rückblickend fest. Früher brauchte es mehr Leute auf der Baustelle als heute, weil die Maschinen fehlten.

Und Smartphones waren Zukunftsmusik. Ein Fortschritt war die Anschaffung eines Piepsers, erinnert er sich. Seine Frau konnte ihn damit auf der Baustelle zumindest anfunken, wenn es etwa Dringendes zu klären gab. Dann habe er dort, wo er gearbeitet hat, nach der nächsten Telefonzelle suchen müssen, um im Betrieb anzurufen. Kleingeld dabei zu haben, sei wichtig gewesen.

Heute erleichtern moderne Kommunikationstechnik und vor allem Maschinen auf den Baustellen die Arbeit. Ob es deshalb besser ist? Es sei auf jeden Fall anders, stellt Ewald Beck mit seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung fest. Ein großes Manko ist für den Haarder der Fachkräftemangel im Handwerk. "Man bekommt keine Leute mehr". Zudem sei der bürokratische Aufwand höher. Manchmal, hat Beck den Eindruck, wird auch der Wert soliden Handwerks nicht mehr richtig erkannt. Seine Frau Maria findet, dass alles ein bisschen hektischer geworden ist als früher.

Klagen wollen beide aber nicht. Ewald Beck spricht von guten Jahrzehnten für seinen Betrieb. "Wir können uns nicht beschweren". Froh ist er vor allem, dass es mit den Bauherrn kaum Streit gab. Es habe ein gutes Einverständnis geherrscht. Und deshalb ist Ewald Beck noch immer gerne in seinem Betrieb aktiv, in einem Alter, in dem die meisten bereits ihren Ruhestand genießen.

Sein Sohn Marco Beck hat dem Betrieb mittlerweile noch ein zweites Standbein hinzugefügt. Er ist als Sachverständiger tätig.

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