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Bad Kissingen
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Großer Andrang auf Sonderausgabe der Bad Kissinger Tafel

Seit drei Wochen hat die Bad Kissinger Tafel wegen der Corona-Krise geschlossen. Am Samstag gab es eine Sonderausgabe für die rund 600 Bedürftigen. Die sind von der aktuellen Situation besonders betroffen.
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Mit Mundschutz und Handschuhen geben die Helfer der Tafel vorgepacke Lebensmitteltüten heraus. Foto: Bastian Reusch
Mit Mundschutz und Handschuhen geben die Helfer der Tafel vorgepacke Lebensmitteltüten heraus. Foto: Bastian Reusch
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Die Krisensituation ist unangenehm. Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen führen bei vielen zum Lagerkoller. Die Freunde, das gewohnte Umfeld, in vielen Fällen auch die Arbeit, all das fällt weg. Das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens trifft die Bedürftigen besonders stark, denn seit dem 16. März hatte auch die Bad Kissinger Tafel geschlossen. Am vergangenen Samstag aber öffnete die Tafel für eine Sonderausgabe. Wie sehr diese benötigt wurde, zeigte der Andrang, der vor der Ausgabestelle herrschte.

"Wir sind sehr dankbar, dass wir uns wieder etwas holen dürfen. In den Supermärkten sind vor allem die billigen und haltbaren Lebensmittel ausverkauft, wie sollen wir uns da bitteschön versorgen", sagt ein anstehender Mann Ende 50. Ihm stimmt die die zweite Vorsitzende der Bad Kissinger Tafel, Dagmar Ziegler, zu: "Seit heute Morgen um zehn Uhr stehen die Leute schon bei uns an, Öffnung war offiziell um ungefähr elf."

Doch ist es in Zeiten von Corona auch gar nicht so einfach, eine geordnete Ausgabe zu organisieren. Der eigentliche Abholraum ist geschlossen, die Registrierung der Ankommenden findet auf dem Platz vor dem Gebäude statt. Atemmasken tragen hier heute viele. Auf dem Boden sind mit Kreide Felder aufgemalt, die den richtigen Abstand voneinander anzeigen. "Um das Ganze ein wenig zu Entzerren haben wir die Ausgabezeiten eigentlich nach dem Alphabet gegliedert. Doch das kam leider in der Öffentlichkeit nicht so richtig an", erläutert Wolfgang Speyer die Problematik. Der Vorsitzende der Kissinger Tafel fügt an, dass die Helfer ab und an durchaus auch mal einen härteren Ton anschlagen müssten, um Ordnung zu gewährleisten. Alles in allem verlaufe der Tag aber friedlich.

Die Ausgabe erfolgt schließlich aus dem mittleren der großen Tore des Tafel-Gebäudes heraus. Die Helfer haben Tüten vorgepackt, die sie den Menschen mitgeben. Als Helfer wurden zum Schutz aller nur Personen akzeptiert, die keine Vorerkrankungen hatten. "Wir haben ungefähr 600 Bedürftige, die wir versorgen. Viele gehören auf Bedürftigen-, aber auch auf Helferseite zu den Risikogruppen", sagt Ziegler. Deshalb konnte die Tafel leider auch keine externen Hilfsangebote annehmen, beispielsweise von Schülern oder Ministranten. Die Verantwortlichen wollten das Risiko ausschließen, dass externe Helfer eventuell das Virus übertragen. Hoffnung auf das ein oder andere neue Gesicht hat die zweite Vorsitzende dennoch: "Aktuell kommen viele Hilfsangebote. Helfer sind bei uns immer gerne gesehen, vor allem jüngere."

Eine Auswahl können die Bedürftigen nicht treffen, erklärt Ziegler: "Wir haben alles vorgepackt und können aktuell nur die Lebensmittel verteilen, die wir haben." Eine große Erleichterung ist hingegen, dass es den Tafeln in der momentan schwierigen Zeit erlaubt ist, Lebensmittel zuzukaufen. Helfen werden dabei sicherlich die Gelder aus der Spendenaktion "Mir halten zamm!" vom Landkreis Bad Kissingen, Sparkasse und VR Bank Bad Kissingen sowie Saale-Zeitung. Die bisherigen Einkäufe wurden jedoch zunächst aus Rücklagen der Tafel selbst bezahlt. Spenden, ob finanziell oder in Naturalien, sind für alle Tafeln von existenzieller Bedeutung, denn "auch die laufenden Kosten müssen natürlich stets bezahlt werden", sagt Speyer.

Wann die Kissinger Tafel erneut öffnen wird, ist noch nicht klar. Zu groß sind die Unwägbarkeiten für die nächsten Wochen. "Wir müssen da erst einmal schauen, wie wir aufgestellt sind und werden das dann über einen Aushang an der Tür sowie die lokalen Medien publik machen", erklärt Ziegler. "Wir hoffen, dass es irgendwann in naher Zukunft auch bei uns wieder normal läuft", äußert der erste Vorsitzende einen Wunsch, den er sicherlich nicht exklusiv hat.

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