Bad Kissingen
Streit

Großenbrach: Bau-Zoff trifft Radfahrer

Im einem 2008 gebauten Radweg zeigen sich Risse. Die Firma, die das beheben soll, liegt im Clinch mit dem Landratsamt und hat die Arbeiten gestoppt.
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Seit Wochen tut sich nichts mehr an der Baustelle an dem Radweg zwischen Großenbrach und Bad Bocklet. Foto: Benedikt Borst
Seit Wochen tut sich nichts mehr an der Baustelle an dem Radweg zwischen Großenbrach und Bad Bocklet. Foto: Benedikt Borst
Der direkte Weg von Großenbrach nach Bad Bocklet führt über eine Anhöhe. Oben auf der Kuppe hält ein Radfahrer irritiert an. Er sieht die rot-weiße Baustellenbegrenzung, die ihn davon abhält, den Radweg weiter zu benutzen. Der Asphalt ist auf einer Länge von rund 175 Metern aufgegraben. Der Mann muss deshalb auf die Kreisstraße (KG 16) ausweichen, hinaus zu den Autos, die mit rund 100 Stundenkilometern an ihm vorbeifahren. "Viele Leute fragen sich schon: Jetzt haben wir einen teuren Radweg am Hang. Wie kann es da nach kurzer Zeit schon wieder gravierende Mängel geben?", fasst Gemeinderat Mario Hümpfer die Verwunderung in Großenbrach zusammen. Es sei für viele nicht ersichtlich, wieso die Bauarbeiten überhaupt nötig waren.

Das ist aber nur eine Frage, die bei den Großenbrachern derzeit für Verwunderung sorgt. Die zweite Frage: Warum herrscht auf der Baustelle seit Wochen Stillstand? Die dritte: Warum hat das Bauunternehmen vor kurzem den Bautrupp mitsamt Maschinen abgezogen? Einzig das Dixi-Klo weist darauf hin, das hier einmal Arbeiter waren. "Darüber wird gesprochen. Das fällt mehreren auf", sagt Hümpfer. Auch im Bockleter Rathaus schlägt das Thema auf. "Wir haben damit wöchentlich, beinahe täglich zu tun", bestätigt Verwaltungsleiter Thomas Beck. Dabei habe die Gemeinde die Angelegenheit nicht in der Hand. Bauherr ist der Landkreis, zuständig ist damit das Landratsamt in Bad Kissingen. "Wir haben auch keine weiteren Informationen, wie es mit dem Fortgang ist", sagt er.


Risse im Radweg

Nachfrage in der Bauverwaltung des Landratsamtes. "2008 haben wir den bestehenden, alten Fußweg zum Radweg ausgebaut", sagt Jürgen Dobler, Leiter der Bautechnik. Der Radweg verläuft oberhalb einer bis zu vier Meter hohen Böschung. Bei einer Begehung wurden jetzt Setzungen deutlich, zu sehen anhand von Rissen und Dellen im Radweg. Das sei an sich noch nicht ungewöhnlich und bei vielen Radwegen der Fall, betont er. Um weitere Setzungen zu verhindern, entschied der Wirtschafts- und Umweltausschuss des Kreistages in der Folge, die Schäden auszubessern und den Radweg auf einer Länge von 200 Metern mit einer Bruchsteinmauer abzustützen. Kosten: 120 000 Euro. Der Leiter des Bauamts, Thomas Schoenwald, betont, dass man der Firma, die den Radweg gebaut hatte, keine Mängel nachweisen könne. Die Gewährleistung sei ohnehin abgelaufen. Der Kreis müsse den Radweg von sich aus in Ordnung bringen.

Mit der Firma, die den Radweg wieder in Ordnung bringen sollte, liegt der Landkreis nun allerdings im Clinch . "Es gibt drei Bauabschnitte, bei denen ausgebessert werden muss", erklärt Dobler. Im ersten Abschnitt nahe am Ortseingang Bad Bocklet sind die Arbeiten bereits erledigt. Auf mehreren Metern steht die Stützmauer. Auf dem zweiten Abschnitt hat die Firma zwar begonnen, aber mitten drinnen abgebrochen.


Firma hat Vertrag gekündigt

Seit Pfingsten herrscht laut der Bauverwaltung des Landratsamtes der Baustopp, seit zwei Wochen liegt die Baustelle brach. Das Unternehmen aus Schweinfurt habe den Vertrag mit dem Landkreis wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Umsetzung der vereinbarten Leistung gekündigt. "Die Firma war nicht bereit, zu den vereinbarten Konditionen die Arbeiten auszuführen", sagt Schoenwald. Sprich: Landkreis und Unternehmen wurden sich entweder über das Wie oder über die Kosten nicht einig. Schoenwald betont weiter, dass der Landkreis versuche, mit der Firma außergerichtlich einen Kompromiss zu finden.

Das Bauunternehmen hat am Dienstag nicht auf eine Anfrage dieser Redaktion reagiert.


Wie geht es nach dem Baustopp weiter?

Ausblick Laut Jürgen Dobler vom Landratsamt ist der Kreis verpflichtet, eine Nachfrist zu setzen, in der die Firma nachbessern kann. Sind die Fristen abgelaufen, "können wir uns um eine neue Firma kümmern", erklärt Dobler. Das Landratsamt könne dann auf den zweitplatzierten der Ausschreibung zugehen oder neu ausschreiben und sich Angebote von örtlichen Unternehmen einholen. Dobler rechnet nicht damit, dass auf dem Radweg vor Ende August wieder gearbeitet wird.

Umleitung Das Landratsamt will verhindern, dass Radfahrer weiterhin unvermittelt auf die Sperrung treffen und an einer unübersichtlichen Stelle auf die Straße wechseln müssen. "Wir werden uns um die entsprechende Verkehrssicherung der Baustelle kümmern und den Radweg über Aschach umleiten", sagt Jurist Thomas Schoenwald. Wer auf der kürzesten Strecke von Großenbrach nach Bad Bocklet fahren möchte, könne wie vor 2008 die Kreisstraße befahren.
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