Wildflecken
Nachruf

Große Trauer um Alfred Schrenk

Ende Juli kämpfte sich der stellvertretende Landrat noch zur Sitzung des Kreistags, am Samstag erlag Alfred Schrenk seiner schweren Krankheit.
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Bei all dem Engagement war die Zeit zum Lesen  knapp bemessen. Dennoch zog sich Alfred Schrenk immer wieder gerne in sein Bücherzimmer zurück. Foto: Archiv/Ulrike Müller
Bei all dem Engagement war die Zeit zum Lesen knapp bemessen. Dennoch zog sich Alfred Schrenk immer wieder gerne in sein Bücherzimmer zurück. Foto: Archiv/Ulrike Müller
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Als Alfred Schrenk 2014 mit dem besten Ergebnis aller drei stellvertretenden Landräte ins Amt gewählt wurde, war es der Höhepunkt seiner politischen Karriere. "Er war äußerst pflichtbewusst, hat jeden Termin wahrgenommen", berichtet seine Frau Rosemarie Schrenk, und: "Das war sein Leben." Dabei war der frühere Wildfleckener Bürgermeister damals bereits schwer krank: Seit 2012 kämpfte er mit dem Krebs, nach einer Untersuchung vor rund acht Wochen ging es bergab. Trotzdem war er am 30. Juli noch in der Kreistagssitzung. Am Samstag, 8. September, verstarb der amtierende Landratsstellvertreter Alfred Schrenk.

"Seine politische Arbeit hat ihm Kraft gegeben und am Leben erhalten", sagt seine Frau Rosemarie. Er habe jeden Tag am Schreibtisch gesessen, Unterlagen gewälzt und Reden vorbereitet. "Er war nie nachtragend, hat nie gehadert", sagt sie über den Menschen Alfred Schrenk. Trotzdem sei er sehr auf die Familie bedacht gewesen: Wichtig sei ihm unter anderem gewesen, sein Wissen über Land und Leute an Sohn Thomas, Tochter Melanie und die vier Enkelkinder im Alter von 9 bis 13 Jahren weiterzugeben. "Er fuhr mit den Enkeln in Städte und besuchte Museen", erzählt seine Frau, und: "Er hatte noch viele Pläne." Unter anderem hätte er einem der Enkel noch gerne Paris zeigen wollen.

Erster Landratsstellvertreter der SPD

"Für uns ist das ein schwerer Schlag, er fehlt uns sehr", sagt Wolfgang Görner, Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion. Ausgezeichnet habe Alfred Schrenk seine große Ruhe und Ausgeglichenheit: "Er hat immer versucht, Lösungen zu finden." Auch die große Koalition seiner SPD habe er pragmatisch gesehen: "Er wollte immer lieber wenig erreichen als gar nichts." Seine Wahl als erster SPD-Landratsstellvertreter habe er nicht aus persönlichem Ehrgeiz heraus angestrebt, sondern als Erfolg für die SPD verbucht.

Zur Gedenkseite von Alfred Schrenk

Auch Landrat Thomas Bold (CSU) reagiert betroffen. "Für den Landkreis und für die Lokalpolitik ist sein Tod ein schwerer Verlust." Seit vier Jahren vertrat Schrenk den Landrat - als "ein loyaler und zuverlässiger Stellvertreter", wie Bold betont. "Bedingt durch diese enge Zusammenarbeit ist sein überraschender Tod auch für mich persönlich ein schwerer, schmerzlicher Schlag."

Alfred Schrenk war unter den derzeitigen Kreisräten mit am längsten aktiv, zollt Bold dem kommunalpolitischen Wirken des nun Verstorbenen Respekt. "Durch seine Arbeit in verschiedenen Ausschüssen war er den Gremien eine große Stütze und hat viele Entscheidungen mit geprägt", sagt Bold. Um seine Verdienste im kulturellen Bereich zu würdigen, wurde ihm 2001 der Kulturehrenbrief des Landkreises verliehen.

Persönliches Vorbild verloren

Die Geschicke des Marktes Wildflecken lenkte Schrenk als Bürgermeister von 2002 bis 2014 "mit großer Sorgfalt, Weitsicht und Klarheit" . Das attestiert ihm sein Nachfolger Gerd Kleinhenz (PWW). In Wildflecken habe Schrenk das Ortsbild mit Hilfe des Förderprogramms Stadtumbau West nachhaltig zum Positiven verändert. In Oberbach sei das Ortsbild durch den Abriss der Alten Schule und der Neugestaltung des Kirchumfelds deutlich aufgewertet worden, würdigt Kleinhenz.

Nicht zuletzt habe Schrenk auch in Oberwildflecken durch den Abbruch von Kirche und Kindergarten den Grundstein für den Bau der neuen Kapelle sowie der Gestaltung des Pfarrer-Otto-Denk-Platzes gelegt. "Ich persönlich muss mich mit Hochachtung und großer Dankbarkeit von einem politischen Weggefährten und Vorbild verabschieden", sagt der Wildfleckener Bürgermeister.

von Ralf Ruppert und Ulrike Müller

Stationen im Leben von Alfred Schrenk

Heimat war für Alfred Schrenk immer die Rhön. Er wurde am 5. Februar 1948 in Brückenau geboren, stammte aber aus Oberbach. 1982 zog er nach Wildflecken um. Seine Ehe mit Rosemarie hielt ein ganzes Leben. Im nächsten Jahr hätten sie goldene Hochzeit gefeiert. Den örtlichen Vereinen war er Zeit seines Lebens verbunden.

Lehrer war Alfred Schrenk mit Leib und Seele: 1971 fing er in Bischofsheim an, drei Jahre später wechselte er nach Wildflecken, wo er bis zum Ruhestand unterrichtete. Im Alter von 50 Jahren ließ er sich noch zum Beratungslehrer ausbilden.

SPDler war Alfred Schrenk seit 43 Jahren. Seit 1984 saß er für die SPD im Kreistag. Seit 2014 vertrat er Landrat Thomas Bold.

Bürgermeister war Alfred Schrenk zwölf Jahre lang. 1972 wurde er zum Gemeinderat im damals noch selbstständigen Oberbach gewählt. Zweiter Bürgermeister war er von 1984 bis 1990 und von 1996 bis 2002. Im Jahr 2002 wurde er mit mehr als 60 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

Ein Portrait über Alfred Schrenk lesen Sie hier.



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