Bad Kissingen
Thema der Woche

Grenzerfahrung: Sinnkrise, Weltreise, Neuanfang

Das Leben hat keinen Sinn. Das Gefühl wurde für Steffi Fischer immer stärker: Sie zog die Notbremse und ging ins Ausland, auf der Suche nach Glück. Auch wenn die Reise teilweise schmerzhaft war, fand die 36-Jährige in buddhistischen Klöstern in Indien ihre Antwort.
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Steffi Fischer im Rosengarten: In der einen Hand ein buddhistisches Lehrbuch und in der anderen ein Blatt des im Buddhismus heiligen Bodhi-Baums aus Bodhgaya. Benedikt Borst
Steffi Fischer im Rosengarten: In der einen Hand ein buddhistisches Lehrbuch und in der anderen ein Blatt des im Buddhismus heiligen Bodhi-Baums aus Bodhgaya. Benedikt Borst

Drei Jahre können einen Menschen ziemlich verändern - zum Schlechten, zum Guten. Für Stefanie Fischer waren die letzten drei Jahre eine Reise zu mehr Glück. Auch wenn nicht immer alles glatt lief und manche Erfahrungen weh getan haben: Die 36-Jährige hat die Reise gebraucht, um sich alter Lasten zu entledigen, um sich zu erden, um sich klar zu werden, was im Leben wichtig ist. "Ich bin immer noch die Steffi wie früher. Nur in glücklich, ohne Verbitterung. Ich habe eine innere Ruhe gefunden, die ich vorher nicht hatte", sagt die Bad Kissingerin.

Leben als Zombie

Das war vor vier Jahren noch ganz anders. Da steuerte Steffi Fischer auf einen absoluten Tiefpunkt in ihrem Leben zu und das, obwohl es privat und beruflich doch eigentlich gut zu laufen schien. Aber nur auf den ersten Blick. "Es lief immer", sagt sie. "Ich habe mir immer leicht getan, mir sind viele Dinge immer zugeflogen." Da war der Job als Sales Marketing Direktorin, der Firmenwagen, ihr Freund, das gemeinsam renovierte Haus. Eigentlich alles top, oder? "Es hat mich nie erfüllt. Ich war wie ein Zombie und habe nur funktioniert." Das Gefühl, dass das Leben irgendwie bedeutungslos verläuft, nahm immer mehr zu. Es folgte die Trennung. Als Perfektionistin und Workoholic stürzte die junge Frau sich erst recht auf ihre Arbeit - und trieb sich damit bis an den Rand des Zusammenbruchs.

Der überraschende Tod einer Freundin verschärfte die Sinnkrise, half ihr aber auch zu erkennen, dass es so nicht weitergehen konnte. Sie warf alles hin, kündigte ihren Job, verkaufte bis auf einzelne Erinnerungsstücke ihren Besitz und ging auf Weltreise. Einen festen Plan hatte Steffi Fischer nicht gefasst, nicht einmal wie lange sie unterwegs sein wollte. Über Mauritius und den afrikanischen Kontinent ging es nach Asien, nach Sri Lanka, Vietnam, Kambodscha, Japan und vor allem: immer wieder nach Indien, wo sie in Kontakt mit Buddhismus und Yoga kam.

Versöhnung und Verlust

Neun Monate nach dem Abflug wurde ihre Reise jäh unterbrochen, als ihre Mutter starb. Das Verhältnis zu ihrer Mutter beschreibt Steffi Fischer als schwierig, jedoch gelang es beiden noch, sich kurz vorher auszusprechen. Obwohl sie telefonierten und tausende Kilometer zwischen ihnen lagen, habe sie sich ihrer Mutter nie so nahe gefühlt.

Nach dem Tod der Mutter kehrte sie zurück nach Deutschland, um mit dem Vater und dem Bruder zu trauern. Das Gefühl, dass sie das Ziel ihrer Reise noch nicht erreicht hatte, blieb. Zwei Monate später dann der erneute Aufbruch: nach Bodhgaya in Indien, der Ort, an dem Siddhartha Gautama erleuchtet wurde. Am Geburtsort des Buddhismus zog sie sich über Wochen in ein buddhistisches Kloster für ein Schweigeretreat zurück, also für eine spirituelle Auszeit zum Meditieren mit dem Gelübde, nicht zu sprechen. Eine einprägende Erfahrung, auch weil sich der Dalai Lama und sein Gefolge sowie der bekennende Buddhist und Hollywoodschauspieler Richard Gere zeitgleich in dem Kloster aufhielten.

Auf den weiteren Stationen ihrer Reise beschäftigte sie sich immer intensiver mit Yoga und Meditation, unter anderem auch in Dharamsala am Fuß des Himalaya, Exilwohnsitz des Dalai Lamas und Sitz der tibetischen Exilregierung. "Bodhgaya und Dharamsala waren die wichtigsten Stationen. Das war für mich ein spiritueller Katalysator." Zusätzlich zum Meditations- und Yogatraining absolvierte sie auch eine Reiki-Ausbildung. Bei Reiki handelt es sich um eine aus Japan stammende Form des Heilens durch Handauflegen.

35 Jahre lang rastlos

"Ich war früher nie spirituell und immer eher der Typ Schmerztablette statt Bachblüte", sagt sie. Logisch, sarkastisch, überheblich. So sieht sie sich im Rückblick. Jemand, der seinen eigentliches Wesen immer versteckt gehalten hatte. Die Erfahrungen der letzten beiden Jahren, haben ihr dabei geholfen, ihren Kern freizulegen. "Ich war 35 Jahre lang rastlos, jetzt habe ich mich neu gefunden." Heute ist sie Heilerin.

Inzwischen wieder in Bad Kissingen wohnhaft, baut sie sich aktuell beruflich ein neues Standbein auf und bietet Yoga sowie Reiki Workshops in Bad Kissingen, Bayern und auch im Ausland an. Ziel sei, anderen bei den Päckchen zu helfen, die sie zu tragen haben. Ganz im Sinne buddhistischer Nächstenliebe, die auf einen selbst zurückfällt: Wer sich um andere kümmert, kümmert sich um sich selbst.

Weitere Infos

Wirkung Meta-Studien belegen signifikante Wirkungen von Meditation bei psychischen Leiden wie Angstzuständen, Depressionen und Schmerzen. Positive Wirkungen gibt es außerdem bei Stress und Schlaflosigkeit. Bei Reiki ist die Wirksamkeit klinisch nicht nachgewiesen, positive Ergebnisse liegen aber bei der Behandlung von Schmerzen und Angstzuständen nahe. (Quellen: Ärzteblatt, MSD Manual)

Stefanie Fischer Infos zu aktuellen Workshops gibt es unter www.bodhilicious.org

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