Bad Kissingen
Symposium

Great-Spas of Europe-Fachtagung: Damit Kur eine Zukunft hat

Experten aus Deutschland, Österreich und Tschechien tagen im Rossini-Saal. Es geht um die Tradition von Heilbädern und darum, wie sich Kurmedizin fit für die Zukunft macht.
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Kissinger Fachleute zur Kurortmedizin: Wolfram Franke (von links), Ralph Brath, Peter Weidisch und Thomas Keil. Foto: Benedikt Borst
Kissinger Fachleute zur Kurortmedizin: Wolfram Franke (von links), Ralph Brath, Peter Weidisch und Thomas Keil. Foto: Benedikt Borst
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Sonia Horn beschäftigt sich sowohl als Medizinerin, als auch als Historikerin mit der Bäderheilkunde, also den medizinischen Verfahren, die in Kurorten entstanden sind. Die Geschichte von Kurorten in Europa reicht bis in die Antike zurück, damals meistens in Verbindung mit heißen Quellen. Spannend wird es für die Professorin der Uni Wien, wenn sie sich historische Schriften anschaut, die sich mit der Wirkungsweise zum Beispiel von Heilwasser beschäftigen. "Ab dem 16. Jahrhundert gibt es naturwissenschaftliche Beschreibungen, chemische Analysen, Beschreibungen wie es angewendet wird", sagt sie. Viele dieser Beschreibungen würden modernen wissenschaftlichen Kriterien standhalten. "Es macht deshalb Sinn, sich mit diesen Texten auseinanderzusetzen", sagt sie.

Horn ist eine von 14 internationalen Experten, die sich im Rossini-Saal auf einem zweitägigen Symposium mit dem Thema "Balneologie und Kurortmedizin" befassen. Im Kern beschäftigen sich die Fachleute - darunter Mediziner, Historiker, Architekten - mit drei Fragen: "Wo kommt Balneologie her, wo steht sie heute und wo entwickelt sie sich hin?"

Horn ist der Ansicht, dass die klassische Kur auch heutzutage ihre Daseinsberechtigung hat - sei es als Ergänzung zu einem Reha-Aufenthalt in einer Klinik oder als Alternative zu einer Behandlung mit Medikamenten. "Das Bewusstsein der Menschen ist da, dass sie nicht immer gleich ein Pulver schlucken wollen", sagt sie. Es brauche allerdings verstärkt wissenschaftliche Forschung, um kurmedizinische Verfahren besser einzusetzen.

Forschung für Great Spas

Die Fachtagung gehört inhaltlich zur Unesco-Weltkulturerbebewerbung Great Spas of Europe. "Bei den Great Spas of Europe geht es um den Typus ,europäischer Kurort' in seiner Spitzenausprägung", sagt Bad Kissingens Kulturreferent und Unesco-Projektleiter Peter Weidisch. Die Themen Kur und Weltbad seien sehr komplex. Entsprechend wichtig ist es deshalb auch für die Unesco-Bewerbung, sie mit wissenschaftlicher Arbeit zu untermauern. Aus diesem Grund organisiert Bad Kissingen das aktuelle Symposium, zwei weitere Tagungen in Great Spas Mitbewerberstädten, eine in Franzensbad und eine in Baden bei Wien, sind geplant.

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) betont, die elf Kurorte der Bewerbergruppe bemühen sich, die traditionelle Balneologie zeitgemäß einsetzen. Das spiele unter dem Gesichtspunkt "living-tradition" (gelebte Tradition) für die Weltkulturerbe-Bewerbung eine besondere Rolle. "Es geht nicht darum, eine Tradition zu bewahren, indem man sie einmottet, sondern indem man sie weiterentwickelt für die Gäste und Patienten", sagt er.

Neue Standbeine für Kurorte

"Viele der Diskussionen machen die Tradition der Heilbäder deutlich", findet Wolfram Franke, ärztlicher Direktor der Kliniken der Deutschen Rentenversicherung in Bad Kissingen. Das sei wichtig. Wichtig ist auch die Frage danach, wie sich Kurorte künftig entwickeln können. Man dürfe sich nicht auf die Dinge konzentrieren, die Kurorte vor zweihundert Jahren groß gemacht haben. "Wir werden nicht mehr die gesellschaftliche Avantgarde in die Kurorte bekommen", sagt er. Als ein Beispiel für ein neues Wirtschaftsstandbein nennt er Reha-Kliniken. Die steuern rund die Hälfte der Übernachtungen in Bad Kissingen bei und sorgen dafür, dass auch im Winter Gäste in der Stadt sind. "Den Bereich Tourismus und Wellness müsste man strategisch noch weiter entwickeln", sagt Franke.

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