Bad Kissingen

Graffitis in Bad Kissingen: Bunte Farbe an grauen Wänden

Graffitis finden sich an vielen Stellen in der Kurstadt. Sind das nur illegale Schmierereien? Was macht den künstlerischen Wert eines Graffitos aus?
Artikel drucken Artikel einbetten
Street-Art bezeichnet  Kunst im öffentlichen Raum. Graffitis, wie dieser stilisierte Schriftzug des Wortes "Chance" in der Nähe des Bad Kissinger Bahnhofs, sind oft illegal an öffentlichen oder privaten Gebäuden angebracht. Benedikt Borst
Street-Art bezeichnet Kunst im öffentlichen Raum. Graffitis, wie dieser stilisierte Schriftzug des Wortes "Chance" in der Nähe des Bad Kissinger Bahnhofs, sind oft illegal an öffentlichen oder privaten Gebäuden angebracht. Benedikt Borst
+4 Bilder

Was für den einen Kunst ist, kann in den Augen des anderen weg. Das gilt gerade auch für Street-Art, also für Kunst im öffentlichen Raum. Eine der bekanntesten Formen von Street-Art sind Graffitis, die die Künstler auf Mauern, Fassaden, Brücken oder auch an Eisenbahnwaggons sprühen. "Sprayer haben in der Gesellschaft oft keinen guten Ruf, da sie meist illegal arbeiten und dies meistens unter einem Pseudonym", erklärt Alexander Ruppert, selbst Maler, Grafiker und Sprecher der Bad Kissinger Künstlergemeinschaft ART 97688. Grundsätzlich handelt es sich bei Graffitis um eine anerkannte Kunstform. Nur: "In der Qualität gibt es massive Unterschiede", sagt er.

Als positives Beispiel nennt er die "East Side Gallery" in Berlin. Die künstlerisch hochwertigen Graffitis dort haben eine Aussage, die Betrachtung macht Spaß, regt aber auch zur kritischen Auseinandersetzung an. Gemessen daran kommt die Masse an Graffitis als Schmiererei daher, bildlich in schlechter Qualität, oft mit Schriftzügen mit vulgärer Sprache oder politisch extremen Symbolen vom Hakenkreuz bis zu Symbolen der antifaschistischen Bewegung. "Das alles reicht bei Weitem nicht aus, um es als Kunst zu bezeichnen", betont Ruppert.

Ein vulgäres "Fuck You" hat seiner Meinung nach auch in der Kunst seine Daseinsberechtigung. Allerdings braucht es dazu einen inhaltlichen Bezug. Der Künstler muss den Ausspruch mit einem Thema in Zusammenhang bringen. Und: "Letztendlich zählt, wie im gesamten Kunstbetrieb, die Qualität der Aussage und wie das Werk umgesetzt ist." Ohne handwerkliches Können geht es nicht. "Und wenn man es nicht kann, sollte man es lassen", findet Ruppert. Der Maler empfindet es als ärgerlich, wenn Sprayer private oder öffentliche Flächen zum illegalen Sprühen benutzen. Andererseits sollte sich die Gesellschaft auch modernen Kunstformen öffnen. "Vielleicht könnte man etwas Abhilfe schaffen, indem man jungen Menschen in Städten Flächen für legales Sprühen zur Verfügung stellt." Gerade junge Sprayer könnten sich ausprobieren und könnten künstlerisch gefördert werden.

Ob etwas Kunst ist oder Schmiererei liegt natürlich im Auge des Betrachters. Diese Redaktion hat Alexander Ruppert für die Mottowoche Kunst und Kultur Fotos von Graffitis aus Bad Kissingen vorgelegt, mit der Bitte, sie auf ihren künstlerischen Gehalt zu beurteilen. Die meisten kommen - wenn überhaupt - über gute Ansätze allerdings nicht hinaus.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren