Nüdlingen
Fasching

Gipfeltreffen fränkischer Narren

Als "Best of" feiert der Verband Unterfranken der "Föderation Europäischer Narren" (FEN) seine Auftaktsitzung in Nüdlingen. 19 Faschingsgesellschaften schicken ihre besten Akteure und die verwandeln die Schlossberghalle in ein Tollhaus.
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Die Spieldose der "Spagos" aus Oberthulba: Drei lebende Puppen spielen Trompete, Orgel und Harmonika, bis die Feder abgelaufen ist und sie wieder in blecherne Starre fallen. Foto: Werner Vogel
Die Spieldose der "Spagos" aus Oberthulba: Drei lebende Puppen spielen Trompete, Orgel und Harmonika, bis die Feder abgelaufen ist und sie wieder in blecherne Starre fallen. Foto: Werner Vogel
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Florian Silbereisen macht es mit seiner Show "Das Fest der Besten" nicht anders, lädt herausragende Akteure der Szene zu einer festlichen Gala. Auch die im FEN zusammengeschlossenen Faschingsvereine präsentieren ihre besten Nummern zu Beginn der neuen Session. Was bei der 27. Auftaktsitzung in Nüdlingen auf die Bühne gebracht wurde, war ein farbenfroher Querschnitt durch den unterfränkischen Frohsinn, ein sprühendes Feuerwerk guter Laune, ein Augen- und Ohrenschmaus, der eine schier unglaubliche Kreativität der Vereine zeigte. Der Nüdlinger Carneval Club stemmte mit viel Einsatz die Großveranstaltung mit 2020 Aktiven und 500 Besuchern mit Bravour.


Mekka des Frohsinns

Da schickt die Öwerdöllwer Fosenochtsgemeinschaft e.V. aus Oberthulba Michael von Prümmer als Lehrer Lämpel auf die Bühne, der das Weltgeschehen in gesetzten Reimen glossierte. Wilhelm Busch hätte seine Freude daran gehabt, wie er mit dem Lämpelschen Zeichenstock auf den "Tango korrupti" der FIFA, die Dieselmafia von VW und die dumpfen Pegida Aufmärsche zeigt. Sein Fazit: Ein Land, so weltoffen und bunt wie der Fasching, " Auf dieses Deutschland bin ich stolz", lässt die Narren jubeln, und schon nach dieser ersten Bütt steht der ganze Saal. Wenn es beim Faschingsball im Seniorenheim so lustig zugeht, wie es die Tänzerinnen der Stadtgarde Bad Neustadt in Omas Nachthemd und Opas Schlafrock in ihrem Showtanz "Heaven can wait" zeigen, dann kann der Himmel getrost noch eine Weile warten.

Das närrische Publikum hat sich kaum wieder gesetzt, daheizen die Kummersänger die Stimmung wieder an. Das Aushängeschild des Nüdlinger NCC nahm die "Mama Angie" als "Mutti der Nation" musikalisch auf die Schippe und übt mit dem Publikum in Erinnerung an die Griechenlandkrise Sirtaki. Da legt dann Bürgermeister Harald Hofmann seinen Arm auf die Schulter der Prinzessin Alexandra vom Weingenießerclub Nordheim, und Queen Elisabeth trippelt mit dem Gigolo Wa-Ka-Ge aus Wargolshausen beim Crashkurs à la Grexit.

Nur zuschauen und gemütlich Schoppen trinken ist gänzlich unmöglich. Der Applaus für den Marschtanz der Untererthaler Karnevals-Gesellschaft ist noch nicht verklungen da schiebt Uwe Baumgart von den "Spagos" aus Oberthulba eine mechanische Spieldose auf die Bühne und erweckt sie mit einem Fußtritt zum Leben und die lebenden Puppen spielen Trompete, Orgel und Harmonika, bis die Feder abgelaufen ist und sie wieder in ihre blecherne Starre fallen.


Wurschtbrod und Horror

Bei der Astrologin Katja Möhring von der "Kräuter 11" aus Schwebheim muss das Publikum mitwirken. Klar, dass die Waage-Frau eher glimpflich davonkommt, während der Schütze-Mann ordentlich durch den Kakao gezogen wird. Die Damen kreischen dann auch ausgelassen, als die spärlich gekleideten "Damen" der "Rocky Horror Picture Show" den Saal zu Toben bringen. Dem Original sehr nahe, überzeugen die Transvestiten des Männerballets in Miedern, Strapsen und hochhackigen Schuhen. Eine weitere Glanznummer der Stadtgarde Neustadt.

Wer glaubt, lauter, fetziger geht nicht, wird nach der Pause eines Besseren belehrt. Da dröhnen Trommeln, wirbeln Schlagstöcke, trillert die Pfeife, wummert das Didgeridoo. Der Einmarsch in die Schlossberghalle gleicht einem Auftakt zur Corrida in einer spanischen Arena. Spanisch rot die Hemden und Turnschuhe, spanisch die Rhythmen, spanisch der Name: "Sambista de Bocadillo". Sambista, das sind Sambamusiker und Bocadillos die landestypischen belegten Baguettes. Der "Leberkäsweck" der Spanier sozusagen. Die 12 Drummer mit Sängerin aus Grafenrheinfeld nennen sich tatsächlich "Wurschdbrod" , sind Zugnummer des Karnevalsclub Rafelder-Krautskoepf und geben den Zuhöreren ordentlich was auf die Ohren. Ein Jubelsturm hallt zurück.

Schlag auf Schlag geht's weiter. Die Jammersänger aus Schwebheim werden abgelöst von der Aubstädter Garde, dann irrt der unverwüstliche Otmar Schraud aus Binsfeld als Bäuerin Olga durch den Saal: "Ich süch mei Mou, hod jemand mei Mou gsehn?" und witzelt sich mit nur ganz wenigen Kalauern durch 25 traumatische Ehejahre. Dann hält die Zarin Hof in der Schlossberghalle. Moskau tanzt mit phantasievollen Kostümen, passender Choreographie und atemberaubender Akrobatik. Eine mitreißende Show des Karnevalverein Blau-Weiss, Elfershausen.


Den Kummer ertränkt

Irgendwie ist dann der Sitzungspräsident abhanden gekommen: Maurice Breitkopf, ein Erzkommödiant, der junge Mann von der "Antöner Narrenelf" aus Schweinfurt, gibt den betrunkenen Moderator, der seinen Kummer über die unmöglichen Zustände bei der FEN an der Bar ersäuft. Fredi Breunig und Martin Wagenbrönner von den "Abschter Fosenöchtern" setzen zum Ende als Goddhold (mit drei "d") und Euschtach noch mal einen drauf. Ihr Sketch mit dem Sprachcomputer treibt Tränen in die Augen. Als Rausschmeißer nehmen dann die Mädels aus Oberthulba mit dem Hippie-Bus so richtig Fahrt auf in Richtung närrische Zeit. Motto: "Es wird Zeit, dass sich was dreht".

Merke: Fasching mit Herz & Anspruch gibt es auch jenseits von "Närrischer Weinprobe" und "Fastnacht in Franken".








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