Bad Kissingen
Heimatabend

"Geschichtlich" und viel Musik

Mundart, Musik und jede Menge Erklärungen: Der Fränkischer Heimatabend bringt dem Publikum fränkisches Brauchtum nahe.
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Fränkische Wein- und Liebeslieder - die Vasbühler Sängerinnen hatten für jeden Geschmack ein Lied auf der Zunge.  Fotos: Peter Klopf
Fränkische Wein- und Liebeslieder - die Vasbühler Sängerinnen hatten für jeden Geschmack ein Lied auf der Zunge. Fotos: Peter Klopf
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Wenn ein "Frangge" seinen Nachbarn fragt: "Haste eeh ääh üüh?", sagt dieser entweder "Jaa" oder "Nää". Richtet man diese Frage an jemanden, der nicht des "Fränkischen" mächtig ist, erreicht man bei ihm nur Staunen und schiere Hilflosigkeit. Ein frustriertes "Wie bitte", ist meist die Antwort. Für die Franken ist diese Frage eigentlich eine ganz banale Angelegenheit des alltäglichen Lebens. Dabei wollte er eigentlich nur wissen, ob sein Nachbar ein Ei übrig habe. Derartige Sprachprobleme werden im Fränkischen Heimatabend im Rossini-Saal gelöst.

Mundart, Musik und jede Menge Erklärungen, wie der "Frangge" tickt, bekommt man dort geliefert. Organisiert von Gabi Kanz, und diesmal zusammen mit Anton Böhm aus Vasbühl moderiert, wurden von Böhm viele kurzweilige, lustige "Geschichtlich" im Dialekt vorgetragen und ins Hochdeutsche übersetzt. Böhm stellte auch die gemeine Frage: "Haste eeh ääh üüh?" Das Ergebnis wurde schon beschrieben. Doch nicht nur Mundart war der wichtigste Programmpunkt, sondern auch die Musik der Franken.

Diesmal ohne Volkstanz

Auf Volkstanz mussten die Besucher diesmal verzichten, weil sich keine Volkstanzgruppe fand, die am Ostermontag auftreten konnte. Dafür gab es viel sinnliche Musik und "hinterfotzige" (hinterhältige, hinterlistige) Volkslieder oder melancholische Liebeslieder. Wenn die Vasbühler Sängerinnen sangen: "Unter den Weiden am Bach lag ich als Kind", da konnte es einem als Zuhörer so richtig warm werden ums Herz. Lustig und teils "hinterfotzig", wenn die Vasbühler Krammertsvögel vom Postfrosch, vom Postfroschräuber mit seinen Weibern und vom Postfroschpolizisten oder "Als Adam noch im Paradies" sangen.

Der Name Krammertsvogel steht gleichbedeutend für die Singdrossel. Etwas frivol das Lied "Wenn's Feierab'nd wird". Der Text beschreibt ein Pärchen auf einer Wiese: "Was dort geschah bleibt im Dunkeln. Heut spielt ein Knäblein auf der Wiese, links daneben der Ferdinand, rechts die Luise." Besinnlich wurde es dann mit der Saitenmusik von Hans Rhau und Nicole Tille mit ihren Harfenzithern. Ganz leise war der Saal, um die zarten Zitherklänge und den melancholischen Weisen zu lauschen. Richtige fränkische Tanzmusik brachten die "Schrollamusikanten" zum Besten. In einer Besetzung von acht Musikern, mit Trompete, Bass, Tenorhorn, Bariton, Es-Klarinette und B-Klarinette bildeten sie eine ideale Blaskapelle für Blasmusik aus Franken. Schrolla bezeichnet im Volksmund die "Ackerscholle". Was ist das Besondere an fränkischer Kultur und Brauchtum? Für den siebzigjährigen Anton Böhm, der nicht nur Mundart rezitierte, sondern auch die Gesangsgruppen stimmlich unterstützte, ist die Antwort leicht: "Für mich war das immer entspannender Stress zu meinem beruflichen Alltag. Es macht einem riesigen Spaß, es ist wie ein Virus. Die fränkische Musik und Lieder sind ein Stück unserer Kultur." Und er ergänzt melancholisch: "Schade, wenn es verloren geht."

Ein Stück weit verabschiedet sich die fränkische Kultur im Jahresplan der Bad Kissinger Veranstaltungen. "Die Staatsbad GmbH hat kein großes Interesse an uns. Wir seien ein Minusgeschäft für sie. Außerdem wird es immer schwieriger, geeignete Gruppen zu finden", beklagt sich Organisatorin Gabi Kanz. Sie sei immer froh, wenn sich Mitwirkende für den Fränkischen Heimatabend fänden.

Die Frage, die sich aufdrängt: Wäre mehr Werbung für den Fränkischen Heimatabend nötig? Hätten örtliche Gesangvereine hier eine Plattform, ihr Können den Gästen der Kurstadt zu präsentieren? Fränkische Kultur, Brauchtum, Geschichte und die Plattform für Laienkünstler ist zu wichtig, als dass man sie dem Vergessen opfert. Auch wenn man den Fränkischen Heimatabend bereits zigmal besucht hat, er ist jedes Mal ein Stück Herzblut unserer Heimat.

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