Bad Kissingen
Porträt

Geratherm: Medizintechnik als Exportschlager aus der Kurstadt

Geratherm Respiratory entwickelt medizinische Geräte für Ärzte und Kliniken. Gerade im Ausland ist die Technik aus Bad Kissingen gefragt.
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Die Geratherm Entwicklungsleiter Manuel Heinz (links) und Florian Dassel erklären die Atemmaske eines Ergospirometers. Benedikt Borst
Die Geratherm Entwicklungsleiter Manuel Heinz (links) und Florian Dassel erklären die Atemmaske eines Ergospirometers. Benedikt Borst
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Das Bürogebäude liegt etwas versteckt in der Sparkassenpassage, im Schatten des großen Hauptgebäudes der Sparkasse und umgeben vom Zentralparkhaus sowie einem Sonnenstudio. Hinter den unscheinbaren weißen Wänden hat sich in den vergangenen Jahren mit Geratherm Respiratory eine kleine Bad Kissinger Firma für Medizintechnik zu einem global tätigen Unternehmen mit Millionenumsatz gemausert. "Wir sind eine von einer Handvoll Firmen, die weltweit das ganze Produktspektrum im kardiopulmonalen Bereich abdeckt", erklärt Manuel Heinz, Entwicklungsleiter für den Bereich Software und gleichzeitig zuständig für den Vertrieb. In der Schweiz sowie einigen osteuropäischen Ländern sei man inzwischen Marktführer, in Benelux halte man signifikante Marktanteile.

Geratherm Respiratory entwickelt medizinische Geräte, mit denen Ärzte die Funktion vor allem der Lunge aber auch des Herzens diagnostizieren. Das können Handspirometer sein, mit denen niedergelassene Ärzte das Atemvolumen ihrer Patienten messen, das können Spiroergometer sein, mit denen Kardiologen, Internisten und Sportmediziner sowohl Herz als auch Lunge unter Belastung untersuchen - ähnlich wie ein Belastungs-EKG bei dem der Patient neben den EKG-Elektroden auch eine Atemmaske trägt - und das können auch Ganzkörperplethysmographen sein, also Kabinen, mit der Pneumologen und Kliniken die Lunge bis ins kleinste Detail durchchecken.

Fokus auf Entwicklung

Sowohl die Geräte-Hardware als auch die Software werden in Bad Kissingen konstruiert. "Wir sind eine große Entwicklungseinheit mit angeschlossenem Vertrieb", erklärt Geschäftsführer Kunibert Schäfer. Gerade eine gute Software zu bieten, stehe im Fokus der Firma. Für die Produktion der Geräte ist ein weit verzweigtes Lieferantennetz zuständig, die Endfertigung und das Aufspielen der Software findet dann wieder in Bad Kissingen statt. Der weltweite Vertrieb der Geräte an Ärzte und Kliniken erfolgt dann wiederum über Händler. "Wir beliefern keine Endkunden", sagt Schäfer.

Zuletzt habe man den Vertrieb vor allem in Asien, im Nahen Osten und in Australien ausgebaut, derzeit kümmere das Unternehmen sich außerdem darum, in Russland zugelassen zu werden. Der Zugang zum US-amerikanischen Markt "wird eines unserer nächsten Ziele sein".

Jeder zweite Mitarbeiter ist in der Entwicklung beschäftigt, der Rest entfällt auf Verwaltung, Vertrieb und Produktion. "Wir leisten hier viel wissenschaftsnahe Forschungsarbeit", erklärt der Geschäftsführer. Das Unternehmen kooperiere eng mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Wurzburg/Schweinfurt, außerdem sei man aktuell an zwei öffentlich geförderten Forschungsprojekten mit Unikliniken und Universitäten in Erlangen und Jena beteiligt. Da geht es zum einen um Patientenüberwachung und zum anderem darum, bei den Messungen des Gasaustauschs der Lunge Verbindungen zur Früherkennung von Krebserkrankungen zu erforschen.

Neubau in der Kaserne

Laut Angaben von Schäfer wächst Geratherm Respiratory jährlich um 15 bis 20 Prozent, sowohl beim Personal als auch beim Umsatz. Dieser steile Zuwachs führt dazu, dass es in der Sparkassenpassage bereits zu eng geworden ist. Büros und Lagerräume sind voll, so manches Hightechgerät wird vorübergehend in den Fluren abgestellt. Schäfer: "Wir geben deshalb den Standort auf." Von der Stadt habe man ein Grundstück in der Kasernenstraße erworben, unterhalb der Polizei. Dort soll dieses Jahr für einen mittleren, einstelligen Millionenbetrag das neue Firmengebäude entstehen. 1500 Quadratmeter auf zwei Etagen sind vorgesehen. "Der Bau ist genehmigt, der Architekt hat die Arbeiten ausgeschrieben. Von unserer Seite soll spätestens Anfang März Spatenstich sein", sagt er. Der Umzug ist für Januar 2020 geplant.

Infos rund um die Geratherm Respiratory

Geschichte Geratherm Respiratory wurde 2007 in Bad Kissingen gegründet. Die GmbH ist Teil der Unternehmensgruppe Geratherm Medical AG mit Sitz in Geschwenda (Thüringen). Zunächst war die Firma in der Oberen Markstraße angesiedelt, wenige Jahre später ist sie bereits in größere Räume in die Sparkassenpassage umgezogen. Anfang 2020 soll der Neubau in der Kaserne bezogen werden.

Mitarbeiter In Bad Kissingen sind inzwischen 22 Mitarbeiter beschäftigt. Jeder Dritte ist Ingenieur, mit Bautechnikern zusammen stellen sie jeden zweiten Angestellten. 15 Prozent der Belegschaft arbeiten in Qualitätssicherung und -management.

Umsatz Die Geratherm Medical AG ist in vier Geschäftsbereichen in der Medizintechnik tätig. Die Produktpalette reicht von Fieberthermometern über Wärmesysteme für den OP- und Rettungsbereich bis hin zu Geräten, die zur Prävention von Schlaganfällen eingesetzt werden. Die Gruppe erwirtschaftet derzeit einen jährlichen Umsatz von rund 25 Millionen Euro. Die Tochter in Bad Kissingen trägt dazu mehr als fünf Millionen Euro bei.

Internationalität Geratherm Respiratory erwirtschaftet annähernd 20 Prozent seines Umsatzes in Deutschland. 60 Prozent werden in Europa umgesetzt, ansonsten sind Asien, der Nahe Osten, Südamerika und Australien wichtige Märkte.

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