Zeitlofs
Umwelt

Geologen untersuchen Böden rund um den Dreistelz

Roland Felgentraeger nimmt im Auftrag des Landesamtes für Umwelt den Boden im Bereich Bad Brückenau/Zeitlofs unter die Lupe. Dazu müssen er und Praktikant Jan Wagner rund 600 Bohrkerne entnehmen.
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Geologie ist nicht nur Wissenschaft, sondern harte Arbeit: Diplom-Geologe Roland Felgentraeger aus Nürnberg ist derzeit in der Rhön unterwegs. Rund um den Dreistelz erfasst er die Böden. Das bedeutet, dass er zusammen mit Praktikant Jan Wagner rund 600 Mal einen ein Meter langen Bohrstock in den Untergrund treiben muss. Jeder einzelne Bohrkern wird untersucht, in eine der mehr als 1000 Boden-Kategorien eingeteilt und auf eine Karte übertragen. Das Ergebnis wird bis Jahresende ein bunter Fleckerl-Teppich auf dem Blatt Zeitlofs sein.

Eingespieltes Team
Es geht Schlag auf Schlag, wenn Geologe Felgentraeger und Geographie-Student Wagner draufhauen. Die beiden sind ein eingespieltes Team, schließlich haben sie jede Menge Übung: Dutzende Bohrstöcke versenken sie jeden Tag mit ihren Kunststoff-Hämmern. Danach wird der Metallstab mehrfach gedreht und herausgezogen. Als Drehpunkt für den Hebel dient der Hammer-Stiel.
Einfach und praktisch. Während die Bohrkerne wie eh und je entnommen werden, geht das Einmessen der einzelnen Entnahmestellen per GPS-Gerät heute ganz einfach. Nächster Schritt ist das Untersuchen: "Das hier ist ein Basaltstückchen", zeigt Felgentraeger auf ein kleines Steinchen. "Substrat" wird das Gestein genannt, aus dem sich der Boden bildet. Um zu untersuchen, ob (Muschel-)Kalk in der Erde ist, tropft er einen Tropen Salzsäure drauf und hält sie sich ans Ohr. Ergebnis: Es bleibt still.

Nach etwas Kratzen mit der Spachtel steht fest: "Das ist ein Stauwasserboden aus einem Basalt- und Buntsandstein-Substrat." Für den Geologen nicht weiter verwunderlich, schließlich liegt die Messstelle in einer Wiese unterhalb des Dreistelzes: In der rund 250 Millionen Jahre alten Fläche aus Buntsandstein haben sich vor etwa 20 Millionen Jahren Vulkane gebildet. Der Dreistelz ist einer dieser alten Vulkane, Teile des Basalts verteilten sich bis auf die Wiese bei Modlos.

Welcher Boden sich auf welchem Gestein bildet, lässt sich nicht so leicht vorhersagen: "Die Bodenbildung läuft immer vor Ort ab", erklärt Felgentraeger. Der Boden sei wie eine dünne Haut der Erdkugel: "Wir befinden uns sozusagen zwischen Gestein und Atmosphäre", sagt der Geologe, während er auf den ein Meter langen Bohrkern zeigt. Deshalb ist die Bodenkunde auch eine Wissenschaft für sich, bei der Erfahrung wichtig sei. Im Bereich Zeitlofs gebe es vor allem Braunerden, Regosole (Rohböden) und Pseudogleye (Stauwasserböden).

Zahlreiche Anwendungen
Wozu das alles gut ist? "Die ersten, die sich auf die Karten stürzen, sind die Bodenschützer", berichtet Felgentraeger. So könne etwa bei einem Ölunfall schnell geklärt werden, ob und wie der jeweilige Boden Schadstoffe aufnimmt. Laut Stefan Zoller, Pressesprecher der Landesamtes für Umwelt, gibt es aber noch weitere Anwendungen: So können sich Grundstückeigentümer aus den Karten über oberflächennahe Geothermie informieren, also die Grundlage für eine Wärmepunpe im Haus. Außerdem lassen sich auf den Karten zum Beispiel mit einem Klick sämtliche Moore in Bayern anzeigen.

Vorgehen Für die Bodenkarten im Maßstab 1 : 25 000 wurde die Fläche Bayerns in über 600 annähernd quadratische Schnipsel (Blätter) aufgeteilt. Jedes Blatt und damit jede Karte umfasst ein Gebiet von etwa zwölf auf zwölf Kilometer, also 144 Quadratkilometer.

Region Im Landkreis Bad Kissingen hat Roland Felgentraeger bereits das Blatt Bad Kissingen Nord erfasst. Allerdings gibt es auf der Übersichtskarte gerade im Nordwesten Bayerns noch etliche weiße Flecken: Das Blatt Wildflecken soll heuer noch gemacht werden, auch Gräfendorf, Rieneck und Maßbach stehen noch für 2013 in der Liste des Landesamtes. 2014 sind dann unter anderem Bad Brückenau, Altengronau und Burgsinn an der Reihe.

Kontakt Bereits fertige Karten gibt es gedruckt im Publikationsshop des Bayerischen Umweltministeriums (www.bestellen.bayern.de). In digitaler Form können die Karten über die Datenstelle des Landesamtes für Umwelt (www.lfu.bayern.de/umweltdaten/datenstelle/index.htm) bezogen werden. Nach und nach werden die Karten im Internet zudem im Bodeninformationssystem Bayern (www.lfu.bayern.de/umweltdaten/datenstelle/index.htm) verfügbar sein.



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