Schondra
Tradition

Gemeinschaft mit Sinn fürs Dorfleben

Am 23. April 1913 gründete eine Gruppe junger Männer mit Unterstützung des damaligen Pfarrers Ferdinand Friedel den katholischen Burschenverein "Immergrün". Am Samstag wird das Jubiläum gefeiert.
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Das Vorstands-Team des BurschenvereinsFoto: Horst Conze
Das Vorstands-Team des BurschenvereinsFoto: Horst Conze
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von unserem Mitarbeiter Horst Conze

Schondra — "Unser Verein kann auf eine bewegte Geschichte mit Höhen und Tiefen zurückblicken", sagt Sebastian Knüttel, der Vorsitzende des katholischen Burschenvereins Immergrün. "Unsere sechs Vereinsmottos sind und waren den Burschen zu allen Zeiten Orientierung: Glaube, Sitte, Berufstüchtigkeit, Heimatliebe, Freundschaft und Frohsinn." Bis heute werden junge Männer ab dem 16.
Lebensjahr in den Burschenverein aufgenommen. Die Mitgliedschaft dauert in der Regel bis zur Eheschließung. "Traditionell singen wir dann dem jungen Bräutigam ein Ständchen und zur Verabschiedung das Lied ,Leb wohl, du goldne Burschenzeit'", sagt Knüttel.
Die gemeinnützige Arbeit in der Marktgemeinde Schondra und das soziale Engagement im Dorf seien die Hauptziele des Vereins: "Wir machen die jährliche Flurreinigung, reparieren Dorfplätze, bauen Bänke auf oder leisten unseren finanziellen Beitrag für Investitionen im Dorf", sagt Marko Schaab, stellvertretender Vorsitzender der Schondraer Burschen. Zum Beispiel wurden die Schondraer Orgel, der Kindergarten und die Sebastianusglocke im Kirchturm durch den Verein mitfinanziert. Auch ein Krankenhaus in Peru wurde mit rund 2800 Euro unterstützt.
Dass sich die Schondraer Burschen als katholischer Verein verstehen, wird klar, wenn man sich die Vereinstermine in der Pfarrei anschaut. Am Gründonnerstag treten traditionell zwölf Burschen an, um sich von Pfarrer Armin Haas die Füße waschen zu lassen. Die Burschen sind fester Bestandteil der Fronleichnamsprozession. Auch die Mitgliederversammlungen am Sebastianstag (20. Januar) und am Wendelinustag (20. Oktober) beginnen stets mit einem gemeinsamen Gottesdienst. Und am Herz-Jesu-Fest wird das Stiftungsfest gefeiert - manchmal auch auf dem Rudelberg, dem Hausberg der Burschen. Immerhin haben die Burschen das Kreuz auf dem Berg errichtet.
Als katholischer Verein hatten es die Burschen allerdings in den vergangenen 100 Jahren nicht immer leicht. 1933 wurde der Verein unter Hitlers NS-Regime verboten. Fahne, Protokollbuch, Aufnahmeurkunde und Vereinswappen wurden von Franz Jörg auf dem Kirchendachboden versteckt. Erst 1948 fand die Wiedergründungsversammlung unter dem Vorsitzenden Franz Markert statt. Neben Franz Markert und Franz Jörg wurden später noch Bernhard Müller, Karl Morper und Anton Morshäuser für ihre herausragenden Verdienste zum 1. Ehrenvorstand ernannt.
Den Burschenverein mit seiner Geschichte und seiner Tradition in das 21. Jahrhundert zu führen, ist eine große Herausforderung für den Vorstand. Dass Sebastian Knüttel sich als Vorsitzender bei den Schondraer Burschen für diese Aufgabe engagiert, hat mehrere Gründe: "Ich habe mich direkt am Anfang als Bursche in der Gemeinschaft wohl gefühlt und gespürt: Das ist mein Verein." Und Marko Schaab ergänzt: "Die Gemeinschaft untereinander - das ist uns wichtig. Und wir machen was fürs Dorf. Wir bewegen was." Außerdem wolle der Burschenverein junge Leute dabei fördern, sich in den Vereinen des Dorfes zu unterstützen. "Im Dorf muss man gemeinsam anpacken, die Vereine sind der wesentliche Motor der Dorfentwicklung", sagt Sebastian Knüttel.
Doch was bewegt heute noch junge Leute, sich an einen Burschenverein zu binden. Dem 16-jährigem Fabian Scheller aus Einraffshof, der vor wenigen Wochen als Bursche aufgenommen wurde, "ist es wichtig, mit anderen was zu unternehmen". Hinzu komme, "dass wir in unserer Freizeit was Sinnvolles für die Allgemeinheit tun. Das Wichtigste ist für mich die gute Gemeinschaft untereinander."
Damit diese Gemeinschaft weiter gefördert wird, werden Ausflüge organisiert. Im Jubiläumsjahr soll es vom 28. bis 30. Juni ins Berchtesgadener Land gehen. Eine Neuerung in diesem Jahr: Auch ehemalige, bereits verheiratete Burschen werden zur Fahrt eingeladen. "Wir wollen dadurch den Kontakt zu unseren Vorgängern pflegen", sagt Knüttel. Ein weiterer Höhepunkt ist das Backofenfest vom 7. bis 9. September, das von den Schondraer Burschen veranstaltet wird; es hat sich sich seit Jahren weit über Schondra hinaus einen Namen gemacht.

Der Burschenverein

23.04.1913 : Gründung des Burschenvereins "Immergrün". Pfarrer Ferdinand Friedel treibt die Gründung voran. Vorsitzender des Vereins ist Josef Beck. - 16.04.1931: Patenschaft mit dem Burschenverein Breitenbach. - 1933: Verbot der Vereinstätigkeiten durch das NS-Regime. - 23.05.1948: Wiedergründungsversammlung mit der Wahl von Franz Markert zum Vorsitzenden. -19.04.1950: Einführung der alten Tradition: Abschiedsständchen bei Hochzeiten von Vereinsmitgliedern.- 30.06.1956: Herz-Jesu-Stiftungsfest, Restaurierung der Vereinsfahne mit Einweihungsgottesdienst. - 06.07.1985:
Einweihung des renovierten Kruzifixes in der Dorfmitte mit Straßenfest. - 01.03.1987: Erstmalige Organisation des Faschingszuges in Schondra. - 1992: Bau des Kinderspielplatzes. - 02.03.1996: Freilegung des "Teufelsteines" am Rudelberg. - 08.05.2002: Spende in Höhe von rund 2800 Euro an das "Hospitales Andino" in Peru. - 11.05.2002: Einweihung des Kreuzes mit Korpus am Rudelberg. - 27.04.2013: 100- Jahr-Feier

1. Ehrenvorstand: Franz Jörg, Franz Markert, Bernhard Müller,
Karl Morper, Anton Morshäuser. - 2. Ehrenvorstand: Adelbert Schroll, Karl Kronewald, Anton Ebert, Erwin Schuhmann. - Ehrenmitglied: Karl Kronewald. - Ehrenpräses: Pfarrer Ferdinand Friedel , Kaplan Gangolf Stephan, Pfarrer Karl Stenger.

Am Samstag, 27. April, wird der Burschenverein sein 100-jähriges Bestehen feiern. Der Gottesdienst in der Pfarrkirche beginnt um 18 Uhr. Anschließend findet ein Festabend in der Schondratalhalle statt, für den der Vorstand hofft: "Schön wäre es, wenn viele mit uns unsere 100-jährige Geschichte feiern"

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