Bad Kissingen
Geschichte

Gelungene Uraufführung in Bad Kissingen

Intensiv und aktuell, unterhaltsam und informativ war das Musical "Gefährlich: Franz Reinisch", das im Regentenbau eine umjubelte Premiere feierte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eindrücke vom Pater-Reinisch-Musical. Foto: Klaus Werner
Eindrücke vom Pater-Reinisch-Musical. Foto: Klaus Werner
+11 Bilder
Intensiv und aktuell einerseits, aber auch unterhaltsam und informativ andererseits war das Musical "Gefährlich: Franz Reinisch", das aufgrund seines regionalen Bezugs im Kissinger Regentenbau eine umjubelte Premiere feierte. Die Lebensgeschichte des Pallottiner-Paters Franz Reinisch war für Texter, Komponisten und Regisseur Wilfried Röhrig der rote Faden für Stichworte wie Freiheit, Gewissen und Zivilcourage.

Fast ausverkauft war der Max-Littmann-Saal: Das war ein Beleg dafür, dass sich der Umzug vom eigentlich geplanten Kurtheater nicht nur gelohnt hat, sondern sinnvoll war. Begrüßt wurden die Gäste von Pfarrer Armin Haas, der sich bei Franz-Josef Tremer als Impulsgeber und Wilfried Röhrig für die Umsetzung bedankte und weitere politische wie religiöse Vertreter etwa aus der Schönstatt-Bewegung willkommen hieß. Landtagspräsidentin Barbara Stamm als Schirmherrin wünschte allen "einen Abend, um innezuhalten, um uns berühren zu lassen". Und dieser Wunsch wurde auf beeindruckte Art und Weise von den fast 40 Akteuren umgesetzt, die teils engagierte Amateure, teils professionelle Darsteller aus den Regionen Mainz und Fulda und südlich davon waren. Neben den Akteuren, die handelnde Personen darstellten, sorgten sieben Tänzer für anspruchsvolle Interpretationen von Liedern, die von einem zwölfstimmigen Hintergrund-Chor unter der Leitung von Gregor Botzet dargeboten wurden. Verantwortlich für die musikalischen Arrangements der Texte war Hans-Werner Scharnowski, der in seiner Umsetzung die Atmosphäre der Situationen, die Gefühle der Personen und den damaligen Zeitgeist widerspiegelt. Dabei setzt er nicht auf die klassische Schiene, sondern nutzt melodischen Rock & Pop, um das Musical auch für jüngere Menschen attraktiv zu machen.
Pater Franz Reinisch ist in Bad Kissingen kein Unbekannter. Die Verbindung aus seinem Leben mit der Standhaftigkeit und der Zivilcourage des berufenen Priesters heben das Musical über ein frommes Bühnenwerk hinaus. Für seine Inszenierung suchte Wilfried Röhrig nach einer Möglichkeit, einerseits das Leben von Franz Reinisch darzustellen, andererseits die Entwicklung in eine musikalische Rahmenhandlung zu packen. Gefunden hat er die Lösung in einem Erzählstrang, der 1946 auf dem Hauptbahnhof in Magdeburg mit Pater Schwan und dem Paar Björn und Anne beginnt und als Überleitung für die musikalischen und tänzerischen Elemente dient. Durch die beiden Darstellungsweisen wird die Lebensgeschichte von Franz Reinisch nicht nur nachvollziehbar, sondern wird anschaulich und bleibt vor allem authentisch. Die historisch belegte Reise von Pater Schwan dient der Überführung der Asche von Franz Reinisch in den Westen und konfrontiert die Gäste in einer Art Zeitreise mit Szenen aus stürmischen Jugendjahren um 1922, aus konfliktreichen Anfangsjahren im Urheiligtum Schönstatt um 1934 oder den nachdenklichen Priester im Bundesheim Schönstatt im Jahr 1940, wo schon Redeverbot durch die Gestapo bestand, die Einberufung drohte und die Verweigerung des Fahneneids auf den Führer angedacht wurde.
Charakter und Stimme erhält Franz Reinisch in den vier Akten durch Mathias Gall, der den überzeugten Priester ebenso authentisch darstellt wie später den "Aufrechten", der am 15. April 1942 in Bad Kissinger Manteuffel-Kaserne einfand, um dem Stellungsbefehl nachzukommen und den Fahneneid zu verweigern. Weitere Stationen waren Berliner Gefängniszellen und eine beeindruckend inszenierte Verhandlung vor dem Reichskriegsgericht in Berlin - das Fallbeil beendete am 21. August 1942 das Leben von Franz Reinisch, der als einziger katholischer Priester den Fahneneid verweigerte.
Menschenfischer, Lügen hinken durch das Land, Kinder der Evolution, Seelenbrot, Und die Angst, Du bist nichts, Gefährlich - prägnante Titel hatten die 23 Lieder des Musicals und die Texte waren ebenso eindringlich wie aufrüttelnd und appellativ. Thematisiert wurden dabei nicht nur menschliche Ängste, Nöte und Sorgen, sondern auch die freie Entscheidung, das Gewissen, der Überlebenstrieb, gesellschaftlicher Anpassungsdruck, Zivilcourage, Religiosität oder die Einstellung der Kirchen zum Nazi-Regime. Texte und Musik und die Darsteller standen im Mittelpunkt der Aufführung, die durch sparsame Bühnenbilder, ausgefeilte Lichttechnik und eine Medienwand im Hintergrund unterstützt wurde. Reduziert auf die Menschen - gut oder böse, angepasst oder protestierend - entwickelte das Musical eine Intensität und eine Authentizität, die sich in die heutige Zeit übertragen lässt und die das Publikum beeindruckte - am begeisterten Applaus war dies spürbar.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren