Bad Kissingen
Demonstration

Gegenwind für den AfD-Stammtisch im Forsthaus Klaushof

Die AfD polarisiert - auch im Landkreis Bad Kissingen. Erstmals stellten sich Verbände gegen den Stammtisch des Kreisverbands Unterfranken-Nord im Klaushof.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mit mehreren Fahnen begrüßten die Demonstranten die Teilnehmer des AfD-Stammtisches im Klaushof. Johannes Schlereth
Mit mehreren Fahnen begrüßten die Demonstranten die Teilnehmer des AfD-Stammtisches im Klaushof. Johannes Schlereth
+5 Bilder
An der Zufahrt zum Parkplatz des Forsthauses Klaushof hängen Banner und Plakate. "Bad Kissingen ist bunt, nicht braun", "Nie wieder" oder "Nein zur Hetze gegen Muslime", lässt sich darauf lesen. Der Grund für die Aktion ist eine Demonstration von Kissinger Verbänden gegen den Stammtisch des AfD Kreisverbandes Unterfranken-Nord.


Zeichen setzen

"Wir sind hier, weil es viele von der hiesigen Politik nicht interessiert, dass in einer städtischen Liegenschaft eine demokratiefeindliche Partei tagen darf", nennt Christian Hänsch, der Organisator der Demonstration, seinen Hauptgrund für die Kundgebung. Wie ein Picknick mutete die Protestaktion am Donnerstagabend an: Decken lagen auf dem Gras neben der Zufahrt zum Parkplatz, Musik schallte aus Lautsprechern herüber, die Demonstranten standen zusammen und erzählten.

"Das ist ein friedlicher Protest", sagt Hänsch. Von 18 Uhr an wollten der St. Pauli Fanclub Bad Kissingen, Vertreter der Linken Main-Rhön, der Integrationsbeirat der Stadt Bad Kissingen und einige Politiker ein "Zeichen gegen Rechts setzen". Den um 19.40 Uhr einsetzenden Regen trotzten die Demonstranten noch eine Weile, bevor sich schließlich nach Absprache mit der Streife vor Ort die Kundgebung auflöste. Christian Pörtner, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei Bad Kissingen, kommt im Einsatzbericht auf "rund 20 Teilnehmer zu Beginn der Demonstration, zu denen im Laufe des Abends noch 20 weitere dazu gestoßen sind."


Einstimmigkeit unter den Demonstranten

"Wir unterstützen die Demo, weil wir für ein friedliches Zusammenleben sind", teilt Ana Maria Benevides-Werner mit, erste Vorsitzende des Kissinger Integrationsbeirates. "Bad Kissingen war schon eh und je international, das ist paradiesisch - und das soll so bleiben", ergänzt sie. Der Verband ist mit rund 25 Teilnehmern am Forsthaus, darunter Geflüchtete wie Amal Hannan und ihre Familie. "Ich komme aus Aleppo in Syrien. Dort habe ich einen Sohn verloren." Ihre beiden verbliebenen Söhne, ihre Tochter und ihr Mann haben eine Meinung zur AfD: "Wir halten nicht viel von der Partei, wir haben gehört, dass sie gegen Ausländer und Flüchtlinge sind."

Karin Reinshagen (SPD), die Integrationsbeauftragte des Stadtrates, ist ebenfalls vor Ort und betont, dass das gesellschaftliche Engagement in dieser Angelegenheit äußerst wichtig sei. "Es ist schön, dass auch viele junge Leute hier draußen sind und friedlich für eine Sache einstehen", betont sie. Der designierte Kreissprecher der "Linken Main-Rhön", Frank Hertel, schließt sich der Stadträtin an: "Es ist gut, dass verschiedene Verbände hier sind und gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir wollen ohne Randale ein Zeichen setzen und in Ruhe miteinander Reden." Lorenz Kuklinski vom FC St. Pauli Fanclub Bad Kissingen ist ähnlicher Meinung: "Bad Kissingen ist eine Multi-Kulti-Stadt, das sieht man überall. In der Kurstadt soll man sich erholen können, da macht es keinen Sinn andere aggressiv auszuschließen."

Anders sieht das der an diesem Abend 15-köpfige AfD-Stammtisch im Wirtshaus. "Wir nehmen die Demo hin, sie ist demokratisch legitimiert und angemeldet. Allerdings fragen wir uns schon, warum eine Demonstration notwendig ist", teilt der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbands Unterfranken-Nord, Ingbert Bauer, mit. Freia Lippold-Eggen, die Beisitzerin, ergänzt: "Wir hätten uns einen Dialog gewünscht. Die jungen Leute hätten auch zu uns rein kommen können um mit uns zu debattieren. Demokratie lebt schließlich vom Meinungsaustausch."

Der Debatte mit den Demonstranten draußen stellte sich lediglich ein Stammtischgänger. Der Mann, der anonym bleiben will, zählt sich zu den Protestwählern und ist mit der politischen Situation unzufrieden. "Man wird sofort als Blödel oder Nazi dargestellt wenn man anderer Meinung ist", ärgert er sich.


Entspannte Lage am Klaushof

Während im Forsthaus der Stammtisch tagte, blieb die Lage draußen entspannt. Die Streife vor Ort vermutete von Beginn an, dass die Demonstration eine "friedliche Geschichte" werden würde. Die Gäste im Außenbereich ließen sich von der Demonstration nicht den Appetit verderben. "Es ist so ruhig - wir wussten nicht mal, dass hier eine Demo stattfindet", betonten Gäste aus Würzburg. Auch Abendgäste aus dem Landkreis waren derselben Meinung: "Die demonstrieren ja friedlich, also fühlen wir uns nicht gestört. Da kennt man von beispielsweise Nazi-Kundgebungen ganz andere Bilder." Mancher Gast befürwortete auch die Demonstration, denn bei der AfD handele es sich "um eine demokratiefeindliche und menschenverachtende Partei".

Der Pächter Norbert Grohmer ist - verglichen mit seinen Gästen im Außenbereich - skeptischer. "Das ist gewissermaßen geschäftsschädigend. Wenn jemand einen Abendtisch will und die Demo sieht, fährt er vorbei", begründet er seine Skepsis. Gerüchte darüber, dass seine Gaststätte eine "Nazikneipe" sei, dementiert er: "Es ist ja nicht nur der AfD-Stammtisch hier. Bei uns treffen sich viele Stammtische wie die Vogelfreunde, die Segelflieger, die Freunde des Wildparks und auch Naturschützer." Auch die CSU hielt hier im 14-tägigen Rhythmus ihre Fraktionssitzungen ab, bis am Klaushof montags ein Ruhetag eingeführt wurde. "Es ist eine öffentliche Gaststätte, jede Interessengruppe kann den Raum nutzen, wenn er zur Verfügung steht."

Beim Forsthaus Klaushof handelt es sich um eine städtische Liegenschaft. Das Rathaus gab auf Anfrage der Redaktion keinen Kommentar ab, welche Position die Stadt dazu vertritt, dass die AfD ein städtisches Gebäude für Versammlungen nutzt.


Rückblickend friedlicher Verlauf

Die Bad Kissinger Polizei ist zufrieden mit der Bilanz des Abends: "Es kam zu keinen Straftaten, die Demonstranten waren friedlich und nicht bewaffnet." Es sei lediglich zu einem präventiven Eingriff während einer Diskussion gekommen. "Das lief ohne Handgreiflichkeiten oder Vollzugsmaßnahmen ab", führt Pörtner aus. Auch der Organisator der Demonstration, Christian Hänsch, ist zufrieden: "Uns war es wichtig, dass die AfD sieht, dass es in Kissingen Leute gibt, die anders denken."


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren