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Lauter bei Bad Kissingen
Jubiläum

Gefeiert wird, egal wann

Der Musikverein Edelweiß Lauter feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. Das heißt, ob das Fest im Juni stattfinden kann, wissen die Verantwortlichen noch nicht. Der für April geplante Kommersabend ist verschoben.
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Die Lauterer Kapelle im Jahr 1953 "Ouf en Nikel sein Roose bei e Kroacke-Fest". Fotos: Archiv Musikverein/Repro: Leo Hartmann
Die Lauterer Kapelle im Jahr 1953 "Ouf en Nikel sein Roose bei e Kroacke-Fest". Fotos: Archiv Musikverein/Repro: Leo Hartmann
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Ein großer Festakt war für 4. April geplant. Seinen 100. Geburtstag wollte der Musikverein Edelweiß Lauter mit Musik, Ansprachen und Ehrungen in der Edelweißhalle feiern. So steht es in den 450 Festschriften, die Ehrenmitglied Leo Hartmann in seiner Freizeit neu aufgelegt hat und die bereits gedruckt sind. Aber die Veranstaltung muss nun - wie alle anderen in Zeiten der Corona-Pandemie - ausfallen. Das heißt, sie ist verschoben. Denn: "Gefeiert wird auf jeden Fall, selbst wenn wir notfalls nächstes Jahr unser 100-Jähriges nachholen; man wird schließlich nur einmal 100", sagt Vorsitzender Mario Digel.

Für 13. und 14. Juni ist zudem ein großes Fest geplant. Doch momentan kann niemand sagen, ob es tatsächlich stattfinden wird. Viele Monate im voraus haben Vorstand und Helferteam die Veranstaltungen zum Jubiläum geplant. Jetzt ist alles in der Schwebe. Auch der Sternmarsch mit Kapellen aus dem Markt Burkardroth, der beinahe sogar ein Bundesbezirks-Musikfest geworden wäre. Bisher hat es lediglich zum Auftakt im Januar ein Jubiläumskonzert gegeben.

Alles bis 1. Mai abgesagt

"Wir haben erst einmal bis 1. Mai alles abgesagt, Proben und Termine der Kapelle, und auch alle Veranstaltungen, die in unserem Vereinsheim geplant waren", informiert Digel. Das bedeutet für den Verein, der sein Domizil für Feiern und ähnliches vermietet, auch einen finanziellen Ausfall. Allein zum Weißen Sonntag sind normalerweise drei bis vier Kommunionkinder mit ihren Gästen dort.

In der Festschrift steht unter anderem ein Grußwort von Bürgermeister Waldemar Bug, denn "der wäre ja am 4. April noch Bürgermeister gewesen", erläutert Digel. Der Nachholtermin für den Kommersabend liegt jetzt nicht mehr in seiner Amtszeit, aber "dann spricht halt der neue Bürgermeister das Grußwort vor Ort", so Digel.

Plakette zum 100.

Seinen runden Geburtstag konnte der Musikverein ohne Probleme belegen, das Original-Gründungsprotokoll von 4. Januar 1920 existiert noch. "Das haben wir Philipp Metz zu verdanken", sagt Kassier Leo Hartmann. Metz war Gründungsmitglied, Ehrenvorstand und Ehrendirigent. Und er war sehr akribisch. Jedes kleinste Detail hat er aufgeschrieben. 60 Jahre lang. Eine solch detaillierte Aufzeichnung aller Vereinsaktivitäten ist wohl einmalig, steht in der Festschrift. "Da kann man sogar nachlesen, wer Most oder Bier mitbringen musste und warum welcher Helfer an welchem Tag nicht da war", erzählt Digel und schmunzelt.

Leo Hartmann hat angefangen, die "Aufschreibungen" von Philipp Metz - so nannte er es selbst - Seite für Seite einzuscannen, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Damit hat er noch eine Weile zu tun. "Da sind interessante Sachen dabei, wie der Schriftverkehr zur Entnazifizierung", erzählt Hartmann. Darüber hinaus hat Hartmann die Chronik ergänzt und die Festschrift von 2010 aktualisiert. "Das war sehr viel Arbeit", gesteht er. Und kaum waren genug Werbepartner gefunden, - wofür die beiden sehr dankbar sind, denn "ohne die Sponsoren wäre so etwas gar nicht möglich" - und die Festschrift fertig, "haben wir angefangen zu kürzen". Weil das Vereinsjubiläum ohne großen Aufwand nachweisbar war, erhält der Lauterer Musikverein die Pro-Musica-Plakette. Die verleiht der Bundespräsident. Der Termin für einige wenige wäre am 22. März gewesen, wurde aber abgesagt. "Ob unserer am 9. Mai in Erlangen stattfindet, wissen wir noch nicht", so Digel. Der Musikverein Lauter hat derzeit 220 Mitglieder. In der Ausbildung, die zum Teil Dirigent Frank Brixel selbst übernimmt, befinden sich derzeit drei Kinder. Immer wieder wirbt der Verein um neue Musiker, hält jährlich einen Informationstag und schreibt auch ehemalige Musikanten im Dorf an, ob sie nicht wieder einsteigen wollen. Mit der derzeitigen Kapelle, die viele Auftritte zum Beispiel an Rakoczy oder im Bad Bockleter Kursaal hat, seien feste Termine nicht mehr zu stemmen. So habe man sich inzwischen wegen der Gleichbehandlung entschieden nicht mehr bei Beerdigungen zu spielen.

Ein neuer Termin für den Festakt, der für 4. April geplant war, wird rechtzeitig bekanntgegeben. Die Festschrift wird vorab bereits im Rathaus ausgelegt.

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