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Betrug

Gauner, die nur einmal klingeln

Polizei und Bundesnetzagentur warnen vor Ping-Calls: Die Anrufer sitzen im Ausland. Wer zurückruft, wird mit großen Beträgen zur Kasse gebeten.
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Tauchen solche Anruf-Infos auf dem Handy auf, sollte man vorsichtig sein. Illustration: Carolin Höfler
Tauchen solche Anruf-Infos auf dem Handy auf, sollte man vorsichtig sein. Illustration: Carolin Höfler

Wenige Tage, nachdem uns eine Mail unserer firmeneigenen IT-Abteilung mit einer eindringlichen Warnung erreicht hat, klingelt um die Mittagszeit das Redaktionshandy. Die Nummer: uns unbekannt. Das Land, aus dem angerufen wird: Polen.

Für uns Grund genug, den Anruf nicht anzunehmen. Es könnte ein sogenannter Ping-Call sein. Eine Betrugsmasche. Genau die, vor der uns die IT-Experten aus dem eigenen Haus gewarnt hatten. Ping-Calls. Das klingt harmlos. Tatsächlich steckt dahinter ein groß angelegter Versuch, arglose Telefonbesitzer abzuzocken. Der Ablauf ist immer ähnlich: Das Telefon klingelt. Einmal, zweimal. Öfter nicht. Unmöglich, in so kurzer Zeit den Anruf anzunehmen. Aber wer dann zurückruft, läuft Gefahr, zum Opfer der Gauner zu werden und den Rückruf teuer bezahlen zu müssen. Die Gebühren, die bei solchen Anrufen auflaufen, sind beträchtlich, summieren sich oft auf mehrere Euro je Minute.

Wie das funktioniert, haben wir uns von der Bundesnetzagentur erklären lassen, die seit Jahren immer wieder regelrechte Anrufwellen registriert. Die Anrufer agierten von verschiedenen Ländern aus, deren Ländervorwahl oft zu leicht zu verwechseln sei mit Vorwahlen im deutschen Ortsnetz. "So lässt sich die Vorwahl von Koblenz 0261 leicht mit der Vorwahl von Madagaskar 00261 verwechseln; das Gleiche gilt für die Vorwahlen von Rostock 0381 und Dortmund 0231, die an die Vorwahlen von Serbien 00381 und Liberia 00231 erinnern", so eine Sprecherin.

Die Betrüger profitierten von den Verbindungsentgelten, die bei einem Rückruf fällig werden. "Zwar zieht zunächst der Anbieter des betroffenen Endkunden die Forderung ein", so die Bundesnetzagentur weiter. "Entsprechende Anrufe durchlaufen regelmäßig zahlreiche Netze. Regelmäßig partizipieren sämtliche an einer Verbindung beteiligte Netzbetreiber sowie der jeweilige Diensteanbieter an einer Verbindung."

Es sei nicht auszuschließen, dass Menschen, die auf solche Anrufe reagiert und zurückgerufen haben, in der Folge vermehrt mit Ping-Anrufen konfrontiert werden. Gesicherte Erkenntnisse, wer die Täter sind, gibt es weder bei der Bundesnetzagentur noch bei der Polizei. Auch Polizeikommissar Andreas Laacke von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Unterfranken kennt das Phänomen. Wesentlich mehr beschäftigen die Polizei in Unterfranken aber Schockanrufe. Dazu gehören Engeltrickbetrüger, Anrufe von falschen Polizisten, die behaupten es habe einen Diebstahl in der Nähe gegeben, die Angerufenen ausfragen und Geld und Wertsachen wenig später "sicherheitshalber" abholen sowie CEO-Fraud (eine Betrugsmasche, bei der Firmen unter Verwendung falscher Identitäten zur Überweisung von Geld manipuliert werden). "Im letzten halben Jahr hatten wir unterfrankenweit massiv mit Schockanrufen zu tun", berichtet Laacke. Schwerpunkt sei der Raum Aschaffenburg gewesen, aber auch im Kissinger Landkreis heißt es aufgepasst. "Da wurden schon große Summen an angebliche Polizisten oder Freunden von Enkeln übergeben."

Immer wieder wird die Polizei auf Fälle aufmerksam, in denen versucht wird, Menschen zu prellen. Allein in Bayern sind 2017 rund zehn Millionen Euro Schaden durch betrügerische Telefonanrufe entstanden. Die Bundesnetzagentur rät, jede Telefonrechnung sorgfältig zu prüfen und Geldfluss notfalls durch Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbote zu stoppen.

Wie kann man sich schützen?

Woher kommen die Ping-Calls? Aus folgenden Ländern wurden Anrufe bekannt: Albanien (00355); Algerien (00213); Benin (00229); Bosnien-Herzegowina (00387); Burundi (00257); Elfenbeinküste (00225); Global Mobile Satellite System (00881); Guinea (00224); Guinea-Bissau (00245); Guyana (00592); Haiti (00509); Jemen (00967); Komoren und Majotte (00269); Liberia (00231); Madagaskar (00261); Malediven (00960); Mali (00223); Marokko (00212); Mazedonien (00389); Mikronesien (00691); Nauru (00674); Samoa (00685); Senegal (00221); Serbien (00381); Seychellen (00248);Tunesien (00216); Sierra Leone (00232); Simbabwe (00263); Somalia (00252); Sudan (00249); Tansania (00255); Tonga (00676); Tschad (00235); Uganda (00256).

Wie sollte man reagieren? Auf keinen Fall den Anruf annehmen und nicht zurückrufen. Notfalls die Nummer sperren. Allerdings wechseln die Anrufer ihre Nummern gelegentlich. Anrufe unter www.bundesnetzagentur.de/PingAnruf der Bundesnetzagentur melden. Rechnung sorgfältig prüfen.red



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