Bad Kissingen
Kultur

Gassenhauer und Film-Stars

Die Themen des Theaterrings sind in der neuen Saison breit gefächert: vom Drama bis zum Psycho-Thriller reicht das Angebot.
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Katharina Abt, Sebastian Herrmann und Felix Lohrengel (v.l.) spielen in dem Stück "Unter Verschluss".  Foto: Oliver Fantitsch
Katharina Abt, Sebastian Herrmann und Felix Lohrengel (v.l.) spielen in dem Stück "Unter Verschluss". Foto: Oliver Fantitsch
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Aus unmittelbarer Nähe kann man im Theater Menschen beim Leben zuschauen. Auch Menschen aus früheren Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Auch in seiner 33. Spielzeit bietet der Theaterring der Stadt Bad Kissingen dieses spannende Vergnügen mit lehrreichen Einsichten in die Conditio humana ortsnah im Kurtheater. Für die Saison 2017/18 gibt es wie gewohnt zehn Veranstaltungen von Oktober bis April.
Für die Opernfreunde gibt es gleich zu Beginn einen großen Leckerbissen: Das Theater Hof kommt mit Richard Wagners "Der fliegende Holländer" ins Kurtheater. Die Geschichte aus der Gruselkiste des Bürgertums vom über die Meere irrenden Kapitän auf der Suche nach einem Mädchen, das ihn vom Fluch seiner Rastlosigkeit erlöst, hat Wagner in mitreißende Musik verwandelt. Das Opernensemble wird am Mittwoch, 18. Oktober, von den Hofer Sinfonikern begleitet.
Ein in jeder Hinsicht neues Corps de ballet kommt am Donnerstag, 16. November, aus Dortmund. Dort hat der frühere Meininger Choreograph Xin Peng Wang 2014 das NRW Juniorballett ins Leben gerufen, das neben dem alteingesessenen Ballett am Schaasuspielhaus Dortmund eigenständige Handlungsballette erarbeitet. "Der Orientexpress" heißt die Neuproduktion, in der die jungen Tänzer auf der Grundlage von Jules Vernes Roman die Zuschauer "In 80 Tagen um die Welt" mitnehmen.
In menschliche Innenwelten entführt die Besucher Sophie Reyer, Universitätsdozentin an der Wiener Hochschule für Film-, Medien- und Theaterwissenschaft, am Freitag, 8. Dezember. Sie hat eine Bühnenversion des wohl berühmtesten Textes von Franz Kafka geschaffen, der seit seinem Erscheinen 1912 immer wieder in Filmen, Comics, Kompositionen verarbeitet wurde. In "Die Verwandlung" zeigt der Autor, wie der bislang völlig unscheinbare Gregor Samsa über Nacht in ein Insekt verwandelt wird. Ingo Pfeiffer, Regisseur für das Theater Schloss Maßbach, interessiert Samsas "stille Revolte gegen die Unmenschlichkeit", mit der er auf die Ausgrenzung durch all seine bisherigen Bezugspersonen reagiert.


Stück von Yasmina Reza

Von der momentan meistgespielten Bühnenautorin der Welt, Yasmina Reza, stammt das Stück, das am Dienstag, 23. Januar 2018 gezeigt wird. "Bella figura" ist sein Titel. Mit dieser Komödie kommt wieder Doris Kunstmann zum Theaterring, die als Yvonne von dem ehebrecherischen Liebespaar Andrea und Boris an ihrem Geburtstag beinahe totgefahren wird, aber nichts dagegen hat, dass ihr Sohn Eric die beiden dann zur Geburtstagsparty einlädt. Erics Verlobte ist allerdings die Freundin von Erics Ehefrau - und da heißt es dann Contenance wahren für die beiden Gäste.
Aus dem Schlossparktheater Berlin kommt die Erstaufführung des englischen Erfolgsstücks von Sam Peter Jackson, "Öffentliches Eigentum" am Samstag, 3. Februar 2018. Inszeniert hat der langjährige Intendant des Hamburger Schauspielhauses Peter Bogdanov. Rainer Hunold spielt einmal nicht den Saubermann wie etwa in "Ein Fall für zwei", sondern einen Prominenten, der versucht, die Reporter loszuwerden, die ihn als "öffentliches Eigentum" behandeln. Sein gerissener PR-Berater Larry de Vries (Ulrich Gebauer) hilft ihm zu vertuschen, dass er heimliche Beziehungen mit sehr jungen Männern unterhält.


Makabrer Handel

Wie versprochen, kommt die Shakespeare Company Berlin am Sonntag, 18. Februar 2018 mit William Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig". Einen makabren Rechtshandel um ein Pfund seines eigenen Fleisch, das der Kaufmann Antonio gegen dringend benötigtes Geld an den jüdischen Geldverleiher Shylock verpfändet hat, und eine Liebeshandlung um die reiche Portia, die nur den heiraten darf, der die skurrile Kästchenprobe im Testament ihres Vaters besteht, koppelt Shakespeare in diesem Stück.
Das Theater Schloss Maßbach steuert am Freitag, 9. März 2018 einen Klassiker bei: Für Regisseur Augustinus von Loë ist der Konflikt Ferdinands mit seinem standes- und machtbewussten Vater, der ihm in Friedrich Schillers "Kabale und Liebe" die Liebe zur nicht standesgemäßen Musikertochter verbietet und ihm stattdessen die mit der abgelegten Mätresse des Herzogs befiehlt, kein Problem längst vergangener Zeiten. Er sagt über Ferdinands Vater: "Korruption, Eigennutz, Lüge und Manipulation sind die Mittel seiner Politik..." Und wer wollte behaupten, das seien Probleme aus dem 18. Jahrhundert und uns heute fremd?


La Borsody

Das Erfolgspaar des 30. Theaterrings, Suzanne von Borsody und Guntbert Harms, kommt am Montag, 19. März 2018 wieder einmal in einer Produktion des Renaissance-Theaters Berlin nach Bad Kissingen. "Konstellationen" ist ein Stück des englischen Shooting-Stars Nick Payne. Dramatisch gestaltet sich die Beziehung der Quantenphysikerin Marianne mit dem Öko-Imker Roland von Haus aus schon. Aber Payne interessierte auch die Frage, wie unterschiedlich sich - Parallelwelten sind für die Quantenphysikerin eine absolut realistische Vorstellung - ihre Beziehung unter jeweils anderen Bedingungen auch hätte entwickeln können. Was wie ein simpler dramatischer Trick aussieht, wird nach Urteil der Londoner Times zu einem "tief bewegenden Theatererlebnis".
Von der Komödie Winterhuder Fährhaus Hamburg kommt ein in der knallharten Medienrealität angesiedeltes Stück am Montag, 9. April 2018. Einen Psycho-Thriller nannte man nach der Uraufführung 2013 das Stück "Unter Verschluss" des spanischen Autors Pere Riera. In seinem Zentrum steht die Enthüllungsjournalistin Silvia, die bei ihrer Jagd nach Sensationen bei m Präsidenten ihres Landes auf Missbrauchsvorwürfe stößt.
Noch einmal ein klassisches, aber über 200 Jahre jüngeres Stück kommt am Donnerstag, 26. April 2018. Das Theater Hof hat die Erfolgs-Regisseurin am Staatstheater Darmstadt, Judith Kuhnert, eingeladen, eine Inszenierung von Ödön von Horváths "Geschichten aus der Wiener Wald" mit seinem Schauspielensemble zu erarbeiten. Wie das Mädchen Marianne ausbrechen will aus der Engstirnigkeit seiner heurigen- und walzerseligen Scheinidylle und Schiffbruch erleidet, wird vor dem Panorama der Zwischenkriegszeit in Wien mit ebenso viel präziser Milieuschilderung wie scharfsichtiger Darstellung der Menschen kurz vor dem Ausbruch der Hitlerzeit dargestellt.


Info

Das Programmheft für den neuen Theaterring liegt bei Stadt und Staatsbad aus. Abonnenten sollten sicherstellen, dass ihre Abos verlängert werden und sie ihre Plätze behalten können. Der Vorverkauf für neue Abonnements wird allerdings wieder erst in den Sommer-Schulferien stattfinden, vom 1. bis 31. August 2017 in der Tourist-Information im Arkadenbau oder über kissingen-ticket@badkissingen.de.
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