LKR Bad Kissingen
Plage

Fußballer sind machtlos gegen Wildschweine

Ihr Besuch kommt immer ungelegen: Auf der Suche nach Nahrung zerwühlen Wildschweine gern waldnahe Sportplätze. Die Betroffenen wissen sich kaum zu helfen.
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Wildschweine haben die Bolzplätze am Heiligenhof bei Bad Kissingen größtenteils zerwühlt. Steffen Standke
Wildschweine haben die Bolzplätze am Heiligenhof bei Bad Kissingen größtenteils zerwühlt. Steffen Standke

Als Oliver Brust, Abteilungsleiter Fußball beim TSV Volkers, vor einigen Tagen den Sportplatz am Waldrand betrat, bekam er einen Schock. Wildschweine hatten große Teile verwüstet (wir berichteten). Ein Blick in den Landkreis zeigt: Nicht nur Volkers hat das Borstenvieh heimgesucht. Und alle Geschädigten scheinen machtlos zu sein.

In Premich verwüsteten Wildschweine im Herbst den Hauptplatz der DJK-SV. Den schützenden Elektrozaun rissen sie ein, berichtet Fußball-Abteilungsleiter Nico Schlesinger. Besonders ärgerlich: Der Verein hatte einiges in den Platz investiert für den Burkardrother Großgemeindepokal. Der Aufwand war nun vergebens. Für das Hinrunden-Heimspiel gegen Jahn Winkels am 4. November mussten die Mannschaften auf den Hartplatz ausweichen.

Seitdem liegt der Hauptrasen unberührt und zerpflügt da. Für das Match der Spielgemeinschaft Premich/Langenleiten gegen Wollbach II am 26. April will der Verein ihn in Eigenregie provisorisch wieder herrichten, sagt Vorstand Udo Loibersbeck. "Nach dem Spiel macht ihn eine Firma anständig", fügt er hinzu. Heißt: Der Verein wird "5000 bis 7000 Euro" aufwenden müssen, um das Spielfeld neu zu gründen und "vom Wald her einen Zaun zu ziehen". Für die DJK-SV eine beträchtliche Summe, die sie mangels Zuschüssen oder Schadenersatz allein stemmen muss.

Auch den SV Aura besuchen die Wildschweine "seit vier bis fünf Jahren ein- bis zweimal im Jahr", berichtet Abteilungsleiter Daniel Sauer. Allerdings traf es nicht den Hauptplatz mitten im Dorf, sondern das Trainingsgelände für den Winter im Wald. Der finanzielle Schaden hält sich in Grenzen. Aber der Verein muss nach jedem Schweine-Angriff Mitglieder mobilisieren, die die Grasbatzen in Handarbeit einpassen und festtreten. Ein immenser Aufwand. "Beim ersten Mal meldeten sich viele, um den Platz wiederherzustellen. Doch die Begeisterung lässt mit jedem Mal nach", sagt Sauer.

Um dem Problem Herr zu werden, sprachen Vereinsvertreter den zuständigen Jagdpächter an. Der hängte Duftproben aus, die die Wildschweine fernhalten sollten. Die störten sich nicht daran. Ob und wann die Tiere kommen, kann Sauer nicht einschätzen. "Das ist völlig willkürlich." Am derzeit meist feuchten Wetter kann es nicht liegen. Das letzte Mal suchten Wildschweine den Auraer Nebenplatz im trockenen August und September heim.

Beim FC Obereschenbach ist besonders, dass der alte Fußballplatz auf Bundeswehrgelände liegt, der neue nicht. Das Wildschwein-Problem ist dasselbe. "Zwei- bis dreimal hatten wir einen Wildschaden", berichtet Abteilungsleiter Tino Reuter. Zuletzt seien Anfang des Jahres die obere Hälfte des alten und kleine Teile des neuen Platzes in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Mitglieder flickten das Grün selbst. Es wurden Menschenhaare ausgelegt, um die Wühler zu vertreiben. Ob das half? Reuter ist sich nicht sicher.

Steffen Hörtler managt zwar keinen Sportverein. Zu seiner Bildungsstätte und Jugendherberge Heiligenhof gehören aber zwei von seinen Gästen gut genutzte Bolzplätze. "Ständig zerwühlen die Wildschweine meine Plätze, und keiner tut etwas dagegen", beschwert sich der Direktor. Seit vier Jahren stellten die Wühler ein massives Problem dar, besonders im Frühjahr und Herbst; 2016 entstand "ein Riesenschaden von mehreren Tausend Euro".

Mit 3000 Euro pro Jahr rechnet Hörtler inzwischen, um die beiden Plätze mit größerem Gerät wieder herzurichten. Geld, das er selbst erwirtschaften muss, das ihm keine Versicherung bezahlt, sagt Hörtler. Doch er brauche die Plätze.

"Das Schlimme ist, dass es für das Problem keine Lösung und rechtliche Handhabe gibt", sagt der Heiligenhof-Direktor. Er habe mit dem zuständigen Jagdpächter gesprochen. "Angeblich ist das ein Gebiet, das nicht bejagt werden darf." Auch ein Zaun nutze nichts; die Tiere seien intelligent, würden den Eingang finden. Und mit verschließbaren Toren könne er nicht arbeiten.

Helmut Fischer, Vorsitzender des Jägervereins Bad Kissingen, versteht die Verzweiflung der Platzbetreiber. Er bestätigt: "In einem befriedeten Gebiet, wie es zum Beispiel Fußball- und Golfplätze oder auch Friedhöfe darstellen, darf in den meisten Fällen nicht gejagt werden." Der Hauptgrund: Niemand solle zu Schaden kommen.

Die Jäger haben laut Fischer viel getan, um der Plage Herr zu werden. "2018 haben wir im gesamten Landkreis Bad Kissingen 5200 Sauen geschossen." Dass die Wildschweine sich so stark vermehrten, habe mehrere Gründe. Da seien die milden Winter; das Futterangebot an Bucheckern und Eicheln sei sehr gut. Die meist großen Feldeinheiten in der Landwirtschaft begünstigten die Ausbreitung der Schweine. "Vor allem aber sind die Sauen sehr fruchtbar, intelligent und anpassungsfähig."

Dem Landratsamt zufolge werde ein Sportplatz in Sachen Entschädigung anders bewertet als eine landwirtschaftliche Fläche. "Auch ist entscheidend, ob der Platz mit einem geeigneten Zaun eingezäunt und somit geschützt ist. Ist das nicht der Fall, sind Schäden nicht ersatzpflichtig." Sei das der Fall, komme die zuständige Jagdgenossenschaft beziehungsweise der Jagdpächter dafür auf.

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