Bad Kissingen
Engagement

Für Andere da sein

Die Initiative "Eine Stunde Zeit" wird von der Caritas Bad Kissingen begleitet und beraten. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zu unterstützen.
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Die Ehrenamtlichen gehen mit den Senioren spazieren oder auch mal einkaufen.  Symbolfoto: Peter Steffen/dpa
Die Ehrenamtlichen gehen mit den Senioren spazieren oder auch mal einkaufen. Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

"Wie schön, dass sie da sind." Diese Begrüßung hören die Ehrenamtlichen der Initiative "Eine Stunde Zeit" häufig bei ihren Besuchen, erzählt Gabriele Makowka, eine der Koordinatorinnen des Projektes. Ziel ist es, wie der Name schon sagt, einer Person oder auch mehreren einmal in der Woche mindestens eine Stunde seiner Zeit zu schenken.

Aber was genau sind die Aufgaben der etwa 65 ehrenamtlichen Mitarbeiter? Im Altenheim vorlesen, mit den Senioren singen oder Brettspiele spielen. Mit älteren Menschen, die alleine wohnen und wo die Angehörigen teilweise zu weit weg leben, Behördengänge erledigen oder die Post durchsehen. Senioren aus ihrem Alltag im Altenheim herausholen und mit ihnen einen Spaziergang machen. Oder auch einfach mal für Menschen da sein, die jemanden zum Reden brauchen. Das ist ein Ausschnitt aus den Tätigkeitsfeldern der Ehrenamtlichen.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative vor acht Jahren von Diakon Christoph Glaser von der Pfarrei Herz Jesu in Bad Kissingen. Gerade weil er selbst oft in Altenheimen unterwegs ist, fiel ihm der große Bedarf für ehrenamtliche Mitarbeiter auf, meint Gabriele Makowka. "Dort haben die Pflegekräfte am Tag im Schnitt zehn Minuten für jeden Senioren Zeit", sagt sie. Das Stichwort lautet Fachkräftemangel. Da seien viele Seniorenheime froh, wenn sich ein ehrenamtlicher Mitarbeiter mal eine Stunde mit einer Gruppe Senioren beschäftigt. Um das ganze Stadtgebiet abdecken zu können, gründete der Diakon also die Initiative.

Wer sind die Ehrenamtlichen?

Und es kommen auch immer mehr Anfragen von Dörfern außerhalb, wie Oerlenbach, Euerdorf oder Nüdlingen. Auch diesen versucht das "Eine Stunde Zeit"-Team durch Ehrenamtliche, die im besten Fall dort wohnen, nachzukommen.

Zumeist sind die Ehrenamtlichen selbst schon pensioniert, weil für solche Dinge bei ihnen mehr Zeit bleibt, als bei Berufstätigen.

Teilweise sind es aber auch Studenten, die den Besuchsdienst wie ein Praktikum ein paar Wochen lang machen. Generell sind die Organisatoren der Initiative, Theresia Schodorf-Friedrich von der Caritas Bad Kissingen sowie die Koordinatorinnen Elisabeth Wagner und Gabriele Makowka, immer auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen. Interessierte können über das Pfarrbüro Herz Jesu ein Vorstellungsgespräch vereinbaren und durchaus auch eigene Wünsche mit einbringen.

Der Eine hegt vielleicht den Wunsch einer Gruppe Senioren vorzulesen. Ein Anderer möchte sich lieber nur um eine Person kümmern und mit ihr einkaufen gehen. Für noch Unentschlossene besteht auch die Möglichkeit, zu einem der Austauschtreffen oder einer der Fortbildungen, die die Initiative für die Ehrenamtlichen ein paar Mal im Jahr organisiert, zu kommen. Elisabeth Wagner und Gabriele Makowka versuchen dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine passende Stelle für den Freiwilligen zu finden.

Das "Eine Stunde Zeit"-Team ist bemüht, die bestmögliche Lösung für beide Seiten zu finden - für den Hilfesuchenden und den Ehrenamtlichen. "Wenn wir merken, dass jemand eigentlich professionelle Hilfe bräuchte, haben wir auch schon das Ehrenamt beendet", erklärt Theresia Schodorf-Friedrich. Die Initiative ist für einen Besuch pro Woche ausgelegt, aber keiner der Mitarbeiter kann und soll eine Vollzeit-Pflegekraft ersetzen. Da sei das Problem eben auch oft, dass nicht genügend Geld für eine solche Pflegekraft vorhanden sei.

Ein schönes Beispiel

Ein Beispiel, das die Botschaft der Initiative sehr gut vermittelt, ist das einer älteren Dame, die selbst jahrelang ehrenamtliche Mitarbeiterin der Initiative war. Jetzt bekommt sie selber einmal in der Woche Besuch von einer Mitarbeiterin. "Es ist ein schönes Beispiel", meint Theresia Schodorf-Friedrich. "Man gibt etwas und bekommt dafür auch etwas zurück."

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