Oerlenbach
Abschied

Früh war klar: "Ich werde Pfarrer"

Pfarrer Philipp Klein, seit über zehn Jahren evangelischer Seelsorger in Oerlenbach und umliegenden Gemeinden, geht am 31. Oktober offiziell in Pension. Er wird am Sonntag, 29. September, in einem Gottesdienst in der katholischen Kirche entpflichtet.
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In Oerlenbach greift der ökumenische Gedanken: Der evangelische Pfarrer Klein wird am Sonntag, 29. September, in einem Gottesdienst in der katholischen Kirche von Oerlenbach entpflichtet. Dieter Britz
In Oerlenbach greift der ökumenische Gedanken: Der evangelische Pfarrer Klein wird am Sonntag, 29. September, in einem Gottesdienst in der katholischen Kirche von Oerlenbach entpflichtet. Dieter Britz

Seine Vorfahren waren Landwirte und Schneider. Doch Philipp Klein, geboren 1954 in Memmelsdorf in den Haßbergen, schlug ebenso wie sein Zwillingsbruder einen ganz anderen Weg ein: Beide wurden Pfarrer. Seit dem 1. Januar 2009 ist er evangelischer Seelsorger in Oerlenbach. Doch schon in wenigen Tagen, am 29. September, wird er von Dekan Oliver Bruckmann entpflichtet und geht offiziell zum 31. Oktober in den Ruhestand. Der Festgottesdienst, der um 10 Uhr beginnt, findet nicht in der evangelischen Friedenskirche statt, weil die dafür zu wenig Platz bietet, sondern in der katholischen St. Burkard-Kirche.

Gedanken über Leben und Tod

"Wir sind auf dem Dorf aufgewachsen und da war es Sitte, im Leichenhaus die Toten anzuschauen", erzählte Pfarrer Klein im Gespräch mit unserem Mitarbeiter. Das hat ihn schon im Alter von fünf Jahren bewogen, über Tod und Leben nachzudenken und der Wunsch, Pfarrer zu werden, schlummerte deshalb früh in ihm.

Dass seine Vorfahren Landwirte und Schneider waren, hatte Folgen: "Schon früh wurde mir eine soziale Ader und ein Engagement für die Randsiedler der Gesellschaft und die einfachen Leute in die Wiege gelegt". Auch deshalb wollte er schon in jungen Jahren Pfarrer werden.

Er besuchte die Volksschule und schloss das Gymnasium mit dem Abitur ab. Ganz kurze Zeit danach liebäugelte er damit, Pharmazie zu studieren und Apotheker zu werden, da ihn chemische Formeln sehr interessierten - "aber das war ein Schnellschuss".

Von 1973 bis '78 studierte er evangelische Theologie in Erlangen und in Neuendettelsau. Ein Problem war zunächst, dass er im Gymnasium nur Französisch und Englisch gelernt hatte. Doch das für die Theologie notwendige Graecum und Hebraicum schaffte er schnell. Nach dem Vikariat in Seidmannsdorf war er Pfarrer zur Anstellung in Sulzbach-Rosenberg. Weitere Stationen waren die Pfarreien Hofheim-Lendershausen von 1982 bis 2003 und danach Bergrheinfeld bis Ende Dezember 2008. Schließlich übernahm er zum 1. Januar 2009 in der Kirchengemeinde Bad Kissingen den Sprengel Oerlenbach, zu dem auch Nüdlingen, Euerdorf, Sulzthal, Ramsthal Arnshausen und Oberthulba mit insgesamt rund 1900 Gemeindemitgliedern gehören.

Predigen und Seelsorge

Bei der Amtseinführung Anfang 2009 wünschte Dekan Oliver Bruckmann dem neuen Pfarrer von Oerlenbach und Umgebung, er möge in der Gemeinde bald heimisch werden und in die Herzen der Menschen finden. Das war für Philipp Klein mit seiner zuvorkommenden Art kein Problem. "Predigen und Seelsorge sind meine Schwerpunkte" sagt er. Sehr oft predigt er frei, ohne Manuskript.

Die Wege von Oerlenbach in die anderen Gemeinden seines Sprengels sind weit - "aber das hat mir nichts ausgemacht, ich habe einen guten CD-Player im Auto und während der Fahrten viel gehört. Wir sind halt Diaspora und weit verstreut". Er freut sich, dass der ökumenische Gedanke in Oerlenbach greift - sonst wäre nicht möglich, dass sein Abschiedsgottesdienst ausgerechnet in einer katholischen Kirche stattfindet.

Kurz nachdem er nach Oerlenbach kam, wurde ein Kirchenbauverein für die Friedenskirche gegründet, Klein ist seitdem 2. Vorsitzender. Die Filialgemeinde Oerlenbach war 1963 gegründet, 1968 wurde ein Gemeindehaus in Montagebau errichtet, das später um einen Turm erweitert wurde. Diese als Provisorium für einige Zeit gedachte Kirche steht immer noch. "Wir sparen Geld an für den Fall, dass doch einmal ein Neubau kommt", sagt Pfarrer Klein, "ich hoffe, dass ich dann zur Einweihung eingeladen werde".

Freunde bei den Orthodoxen

Seine Mutter und seine Großmutter sind Russlanddeutsche. Deshalb hat er eine Beziehung zur Orthodoxie und schätzt die orthodoxe Kirche im Bad Kissingen. Das geweihte Kreuz, das er trägt, stammt von dort. Beim Abschiedsgottesdienst am kommenden Sonntag werden auch altkirchenslawische Gesänge zu hören sein.

Der evangelische Pfarrer hat auch Freunde unter den Mönchen im Benediktinerkloster Münsterschwarz - "ich habe schon mit den Mönchen zu Abend gegessen, auch mit dem Abt". Beim Einüben der Konfirmationssprüche versucht er, die mönchische Spiritualität für das Glaubensleben der Konfirmanden fruchtbar zu machen. Die Bundespolizei wird zwar von eigenen Geistlichen betreut, aber er hat gute Beziehung dorthin und viele Besucher von dort besuchen seine Gottesdienste.

Nur noch wenige Tage, dann kehrt der bisherige Pfarrer von Oerlenbach zurück nach Oberhaid bei Bamberg, wo er große Teile seiner Kindheit und Jugend verbracht hat. Damit ist er auch näher bei seiner Tochter, die in einem Gymnasium in Nürnberg unter anderem evangelische Religion unterrichtet, und bei den beiden Enkeln. In Oberhaid haben seine Eltern 1958 ein Haus gebaut, das in den letzten Jahren umgebaut und saniert wurde. In das ziehen Philipp Klein und seine Frau Sabine ein, "denn wir wollten auf dem Dorf sein und Ruhe haben".

Termin Pfarrer Philipp Klein wird zum 31. Oktober in den Ruhestand versetzt. Mit einem feierlichen Gottesdienst verabschiedet sich die evang.-luth. Kirchengemeinde Bad Kissingen am Sonntag, 29. September, um 10 Uhr in der katholischen Kirche St. Burkard in Oerlenbach.Beim anschließenden Empfang ist Zeit für Gespräche und Begegnung. Im Gottesdienst singt der MGV Liederhort Ebenhausen. Die Sänger treffen sich bereits um 9 Uhr im katholischen Pfarrheim in Oerlenbach zum Einsingen.

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