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Bad Kissingen
Arbeitsmarkt

Frost und Konjunktur kosten Jobs

Damit war zu rechnen: Im Januar ist die Zahl der Stellungslosen im Bereich der Agentur für Arbeit in Schweinfurt kräftig gestiegen. Sie ist wieder fünfstellig. Experten erwarten Besserung aber schon im März.
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Alle Bagger stehen still, wenn die Witterung es will: Wegen der frostigen Temperaturen sind die Arbeitslosenzahlen gestiegen.
Alle Bagger stehen still, wenn die Witterung es will: Wegen der frostigen Temperaturen sind die Arbeitslosenzahlen gestiegen.
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10 019 Frauen und Männer sind offiziell als stellenlos gemeldet. Letztmals im Februar 2011 waren es mehr gewesen. Eine so deutliche Steigerung sei für einen Januar nicht unüblich, sagte Thomas Stelzer, Chef der Agentur für Arbeit in Schweinfurt, unter Hinweis auf die Vorjahre.

Stelzer machte die frostige Witterung und die Konjunkturdelle für die Entwicklung verantwortlich. Vor einem Jahr habe die Stellenlosigkeit sogar um 19 Prozent zugenommen. 15,1 Prozent waren es jetzt. Ein großer Teil der "neuen" Arbeitslosen kam aus dem saisonabhängigen Bereich wie der Gastronomie oder den Außenberufen. Nach dem Weihnachtsgeschäft habe auch der Handel entlassen. Außerdem wurden viele befristet Verträge nicht verlängert.
Das sei, sagte Stelzer, eine direkte Folge der geringen Nachfrage, habe aber auch Auswirkungen auf den Bereich Logistik.

2101 Menschen mussten sich erstmals oder erneut arbeitslos melden, nachdem sie ihre Stelle verloren hatten. Das waren 712 mehr als noch im Dezember. Allerdings hätten auch 730 einen neuen Job gefunden; so viele wie im Januar 2012 und 19 Prozent mehr als im Dezember.

Die Arbeitslosigkeit für den Bereich Main-Rhön ist um 0,6 auf 4,2 Prozent gestiegen (Vorjahr: 4,0/ Vormonat: 3,6 Prozent). Schlusslicht ist - wie immer - mit 4,7 Prozent (4,6/4,1) der Kreis Bad Kissingen. Das Rhön-Grabfeld vermeldete 3,8 Prozent (3,7/3,1), der Kreis Haßberge 4,1 Prozent (3,7/ 3,4). Für den Raum Schweinfurt ergaben sich 4,1 Prozent (4,0/ 3,7). Während sich für die Industriestadt selbst eine Quote von 4,1 Prozent (6,5/ 6,2) errechnete, glänzt ihr Umland mit 3,0 Prozent (2,9/ 2,6). Das gilt bereits als Vollbeschäftigung.

Gesunken ist im Vergleich zum Vorjahr auch die Zahl der Hartz IV-Empfänger auf 3963 (4191). Die meisten von ihnen leben im Landkreis Bad Kissingen (1071) und in der Stadt Schweinfurt (1044). Das war vor einem Jahr genauso.

Weiter rückläufig ist nach Angaben von Stelzer die Kräftenachfrage. 472 Angebote wurden neu gemeldet, 56 weniger als im Vormonat und 61 weniger als 2012. Aktuell sind 1868 Stellen noch unbesetzt. Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2011.

Von den Produktionsbetrieben, so Stelzer, gebe es wohl "für einige Zeit keine nennenswerte Nachfrage". Die Unternehmen seien momentan eher bemüht, ihr Stammpersonal trotz der recht dünnen Auftragsdecke zu halten. Er rät Stellenlosen, sich vor allem im Handwerk umzusehen. Das habe Bedarf an Fachkräften und biete oft Stabilität bei vielseitigen Anforderungen.

Büroberufe und Ungelernte tun sich weiterhin schwer, einen neuen Job zu finden. Bedarf an Fachkräften haben hingegen Hotels, Gaststätten, Gesundheits- und Pflegebereich. Hier sorge eine relativ hohe Fluktuation für eine rege Nachfrage.

Immer mehr Firmen, so Stelzer, seien gezwungen, kurz zu arbeiten. Einen sprunghaften Anstieg habe es aber nicht gegeben. Die Zahl der Anmeldungen sei zwar auf 48 (Dezember: 36) mit 3073 (2177) Beschäftigten gestiegen. Das heiße allerdings nicht gleichzeitig, dass alle auch das Instrument nutzen werden.

Stelzer blickt nicht ohne Optimismus in die Zukunft. Ab März werde die saisonale Arbeitslosigkeit "wieder deutlich sinken". Viele der Betroffenen hätten bereit eine Wiedereinstellungszusage ihrer Arbeitgeber. Der Februar hingegen werde sich kaum vom Januar unterscheiden. Stelzer befürchtet, dass weiterhin viele befristete Verträge nicht verlängert werden. Ansonsten geht er davon aus, "dass die Produktionsbetriebe ihr fest eingestelltes Personal (...) halten werden." Der Arbeitsmarkt werde so bis zu einer hoffentlich rasch eintretenden konjunkturellen Erhöhung nicht allzu sehr belastet, sagte Stelzer.

Die aktuellen Zahlen aus dem Landkreis Bad Kissingen:

4036
Menschen (Dezember: 4011) sind im Landkreis Bad Kissingen arbeitsuchend gemeldet. Von den 2637 Arbeitslosen (2284) sind 1389 Männer (52,7 Prozent), 250 (221) sind 25 Jahre oder jünger, 1105 (968 ) sind 50 oder älter,
616 (583) sind seit einem Jahr oder länger ohne Job. 216 (201) sind schwerbehindert.

842 (735) Personen mussten sich arbeitslos melden. 533 (408) kamen aus einer Erwerbstätigkeit, 492 (463) haben die Arbeitslosigkeit im Januar wieder verlassen können.

203 (136) haben einen Job gefunden, 64 (59) begannen eine Ausbildung oder andere Maßnahme. 85 (80) sind 55 Jahre oder älter, 67 (62) sind 25 Jahre oder jünger.

151 (160) Stellen wurden zur Besetzung gemeldet. 513 (509) Angebote sind noch frei.

4,76 Prozent (4,4) beträgt die Arbeitslosigkeit bei Frauen. Bei den Männern sind es 4,6 Prozent (3,8). Bei den Jungen bis 25 sind es 3,7 Prozent (3,3), bei den Älteren ab 55 Jahren sind es 7,4 Prozent (6,7). ed

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