Bad Kissingen
Steigenberger

Freistaat macht Weg für Hotelneubau frei

Vor mehr als drei Jahren hat das Fünf-Sterne-Haus in Bad Kissingen geschlossen. Jetzt macht Bayern Nägel mit Köpfen und beseitigt die größten Probleme, die einem Neubau im Wege stehen könnten. Das kostet 35 Millionen Euro.
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Schulterschluss (von links): Der Abgeordnete Sandro Kirchner, Landrat Thomas Bold, Finanzminister Markus Söder. OB Kay Blankenburg und Kurdirektor Frank Oette vor einem Teil des Ex-Steigenberger Hotels, das 2014 auf Kosten des Freistaats abgerissen wird. Foto: Edgar Bartl
Schulterschluss (von links): Der Abgeordnete Sandro Kirchner, Landrat Thomas Bold, Finanzminister Markus Söder. OB Kay Blankenburg und Kurdirektor Frank Oette vor einem Teil des Ex-Steigenberger Hotels, das 2014 auf Kosten des Freistaats abgerissen wird. Foto: Edgar Bartl
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Bescherung wenige Tage vor Weihnachten. Die Überbringung der für Bad Kissingen guten Nachricht war Chefsache: Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) persönlich übermittelte sie am Donnerstag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Der Freistaat Bayern macht potenziellen Investoren den Weg frei, die Zusammenarbeit mit dem Hotelentwickler Feuring ist gescheitert. Dessen Konzept sei nicht wirtschaftlich und zukunftsweisend, sagte Söder.

Der Freistaat nimmt jetzt die Sache selbst und viel Geld in die Hand. Auf seine Kosten wird das Kurhausbad generalsaniert. Dort soll ein Zentrum für Telemedizin und Medical-Wellness entstehen. Die Hotel-Teile, die nicht unter Denkmalschutz stehen, fallen der Spitzhacke zum Opfer. Die Tiefgarage wird ferner vergrößert und ertüchtigt.

Der Abriss beginnt 2014

Ein potenzieller Investor wird ein baureifes Grundstück vorfinden. Als Bauherr und Hotelbetreiber wird Bayern nicht auftreten. Das sei nicht die Aufgabe des Freistaats, so der Minister.

Auch einen klaren Zeitplan gibt es: Im März sollen die Vorarbeiten für die Sanierung des Kurhausbades beginnen, das gut zu einer neuen Nobel-Herberge passe. Haupthaus und Kurverwaltung würden im nächsten Jahr abgerissen. 2015 soll dann der Bau des Hotels beginnen.

Dieses Projekt, so Söder, werde neu ausgeschrieben. Bei der ersten Ausschreibung in Europa und Nordamerika hätten sich 286 Interessenten gemeldet. Alle seien geprüft worden. Einer, die Feuring Hotelconsulting GmbH (Mainz) blieb schließlich übrig. Dann aber sei die Sache "zwei Jahre in der Luft" gehangen. Er habe sie zur Chefsache gemacht und nehme nun alles selbst in der Hand. Auch im Kabinett sei da-rüber gesprochen worden.

Im Interesse der Steuerzahler

Söder sieht zum Abriss - "wir stellen die Fläche völlig frei" - keine Alternative: "Einfach stehen lassen und gar nichts machen ist auch keine Lösung." Und: "Das ist ein sehr seriöser Weg", den das Kabinett mittrage. Die jetzige Lösung sei "völlig synchron mit dem Interesse der Steuerzahler". Denn um deren Geld gehe es. "Ewige Hängepartien" seien nicht sinnvoll. Es sei wichtig, dass eine Entscheidung getroffen wurde mit einem sauberen Schnitt, sagte der Minister. Er sei sicher, dass sich ein Investor finden werde.

"Ungeduldig, aber nicht unglücklich"

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) zeigte sich "ungeduldig, aber nicht unglücklich". Er sprach von einem neuen Bekenntnis Bayerns zu seinem Staatsbad. Der Freistaat und Ministerpräsident Horst Seehofer hielten Wort. Erstmals, das freue ihn besonders, gebe es auch einen konkreten Zeitplan.

Landrat Thomas Bold (CSU) sprach von einem wichtigen Meilenstein und einem sehr guten Tag für Bad Kissingen. Die von Söder gefundene Lösung sei rechtlich unproblematisch und bringe die Dinge in Bewegung.
Der Abgeordnete Sandro Kirchner (CSU) hat sich nach eigenen Angeben, wie schon sein Vorgänger Robert Kiesel, für die Sache eingesetzt. Eine ganz neue Option sei entstanden. Der Freistaat habe damit die Weichen in Richtung Zukunft gestellt.

Schließung Am 31. Oktober 2010 endete in Bad Kissingen eine Ära: Das Steigenberger Hotel machte dicht. Wochen zuvor hatten der Freistaat als Eigentümer und die Hotel AG , Betreiberin seit 1959, erklärt, sie wollten den bis 2015 laufenden Vertrag auflösen. Die Verhandlungen darüber hatten im März begonnen. Streitpunkt waren die Kosten einer Ertüchtigung in Sachen Brandschutz, Im Juli 2010 versprach Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), die Staatsregierung werde sich intensiv um eine Lösung bemühen. Das war kein leeres Versprechen, bislang wurde aber nichts erreicht.

Entwicklung Als erster ernst zu nehmender Interessent trat Gert Prantners RIMC (Hamburg) in Erscheinung. Prantner wollte eine Wiedereröffnung nach Sanierung für knapp 14 Millionen Euro. Feuring strebte hingegen einen Neubau für 55 bis 60 Millionen Euro an. Er genoss Exklusivität. Dann begann das Gerangel ums Geld. Es ging um die Schließung einer Investitionslücke in Millionenhöhe. Am 20. Juni sprach Seehofer ein Machtwort. Bis 30. 6. sollten die Verträge mit Feuring unterschriftsreif sein. Sie wurden es nicht, obwohl der Freistaat bis zu 20 Millionen Euro zuschießen wollte.


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