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Bad Kissingen
Forschung

Freistaat gibt 546 000 Euro für die "Rhöner Hexenküche"

Das Zentrum für Telemedizin in Bad Kissingen bekommt dieses Jahr 564 000 Euro Förderung vom Freistaat. Dafür bekommt es aber auch neue spannende Aufgaben.
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Vor zwei Jahren besuchte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (im Bild mit Professor Hajo Hamer) das Zentrum für Telemedizin schon einmal. Kürzlich übergab sie in Bad Brückenau einen Förderbescheid über 546 000 Euro zugunsten der Bad Kissinger Einrichtung. Foto:  Rabenstein
Vor zwei Jahren besuchte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (im Bild mit Professor Hajo Hamer) das Zentrum für Telemedizin schon einmal. Kürzlich übergab sie in Bad Brückenau einen Förderbescheid über 546 000 Euro zugunsten der Bad Kissinger Einrichtung. Foto: Rabenstein

Im Wahlkampf verteilen Politiker gern Geschenke. So wunderte es nicht, das Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml bei einem Besuch in der Bad Brückenauer Prümmer-Klinik einen Förderbescheid über stattliche 546 000 Euro dabei hatte. Das Geld kommt dem Zentrum für Telemedizin (ZTM) in Bad Kissingen zugute.

564 000 Euro - es ist die größte Fördersumme, die das ZTM seit seiner Gründung 2012 vom Freistaat erhält. Das hat seine Gründe. Denn die "Hexenküche der Rhön", wie Geschäftsführer Sebastian Dresbach sie selbst nennt, übernimmt mehr Aufgaben denn je. Die Einrichtung mit bisher eher regionalem Ansatz soll die Telemedizin über Veranstaltungen in allen bayerischen Regierungsbezirken bekannt machen. Dazu gehört auch ein relativ großer Kongress, der im Herbst wahrscheinlich in Augsburg stattfinden soll. Veranstalter ist der Freistaat; das ZTM wirkt unterstützend.

Darüber hinaus sollt das Zentrum aber auch "zentrale Anlaufstelle für telemedizinische Fragen von Anwendern, Ärzten, Therapeuten, Pflegekräften und anderen" sein, berichtet Dresbach auf Anfrage. Dementsprechend fließe das Fördergeld für dieses Jahr vorwiegend in den Betrieb der Geschäftsstelle. Damit würden Personal-, Sach- und Materialkosten abgedeckt, aber eben auch die Öffentlichkeitsarbeit.

"Wir freuen uns, dass vertrauensvoll noch mehr Aufgaben auf uns zukommen", sagt Dresbach. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 lag die "institutionelle Förderung" durch den Freistaat bei rund 380 000 Euro; im Jahr darauf waren es schon 430 000 Euro. 2018 stieg der Förderbetrag auf 475 000 Euro; im vergangenen Jahr lag die Summe bei 487 000 Euro. Dazu kommen laut dem Geschäftsführer jährlich eine etwa zehnprozentige Förderung durch den Landkreis und Mitgliedsbeiträge.

Für das Geld wird einiges geboten. So wurde die Online-Sprachtherapie vorangetrieben. Es ging um die Frage, wie nicht mobile Patienten, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, mit Klinik- oder niedergelassenen Ärzten für eine Therapie in Kontakt treten können, ohne ihr heimisches Umfeld verlassen zu müssen. Dafür braucht es bestimmte Technologien und Prozessschritte, die das ZTM entwickelte und verfeinerte.

Außerdem tüftelten seine Mitarbeiter an der Verfeinerung des digitalen ZTM-Showrooms. Dort können Mitarbeiter im Gesundheitswesen neuartige Systeme aus der Telemedizin kennenlernen und selbst ausprobieren. Laut Dresbach werden im ZTM Prototypen nicht für die Schublade entwickelt, sondern dafür, sie anzuwenden und zu verbessern. Dieses Jahr wird die Arbeit am Showroom weitergehen.

Ein Extra-Projekt, "DeinHaus 4.0", soll auch noch im ersten Halbjahr dieses Jahres starten. Auch dabei soll es darum gehen, wie pflegebedürftige Menschen dank intelligenter Assistenztechnik länger zu Hause bleiben können. Dafür soll mitten in Bad Kissingen ein zentrales Erlebnis- und Beratungszentrum samt Musterwohnung entstehen. Dresbach spricht auch von einer mobilen Ausstellung und Demonstrationswagen, die an verschiedenen Orten Station machen könnten. Das Projekt befinde sich in der "Phase der finalen Abstimmung".

In einer Pressemitteilung begrüßte Landrat Thomas Bold (CSU) die großzügigen Zuschüsse durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. "Für unsere Region ist das eine konsequente Fortführung der erfolgreichen Entwicklung." Das ZTM habe sich zu einer wichtigen Säule in der medizinischen Versorgung weit über die Region hinaus entwickelt.

Ministerin Melanie Huml (CSU) wird wie folgt zitiert: "Das ZTM macht erlebbar, welche großen Chancen Digitalisierung für die Patienten und Pflegebedürftigen sowie für Ärzte und Pflegende bietet."

Das macht das Zentrum für Telemedizin:

Telemedizin bedeutet Diagnose von Krankheiten und Therapie von Patienten, bei denen diese räumlich oder auch zeitlich von Ärzten, Therapeuten, Pflegern oder auch Apothekern getrennt sind. Das Zentrum für Telemedizin (ZTM) entwickelt in Forschungsprojekten telemedizinische Lösungen und technische Assistenzsysteme. Dabei werden die Wirkung auf die Versorgungsqualität, die Effizienz der Versorgungsprozesse und die Akzeptanz bei den Patienten ständig überprüft und mit einbezogen. Oberstes Ziel ist es, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Im besten Fall kann mit Hilfe der Telemedizin eine Krankheit und unnötige Krankenhausaufenthalte vermieden werden. In ZTM-Projekten und der Modellregion können Wissenschaftlern Zugang zur Telemedizin bekommen und in diesem Feld forschen. Auch Studenten und Praktikanten werden betreut. Im ZTM sollen Akteure aus Forschung und Praxis zusammenkommen und gemeinsam mit Forschungspartnern und Technologieunternehmen neue Lösungen erarbeiten und weiterentwickeln. Dabei wird der Bedarf der Praxis immer berücksichtigt. Das ZTM bietet auch Schulungen und gibt Anleitung für die Praxis. Das betrifft sowohl allgemeine telemedizinische Grundlagen als auch fachspezifische Fragen zu einzelnen Lösungen.