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Bad Kissingen
Spielbank

Freier Chefsessel im Casino

Im Juni hat Heidrun Vorndran die Spielbank als Direktorin verlassen. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.
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Foto: Benedikt Borst
Foto: Benedikt Borst

Seit Anfang Juli ist der Chefsessel im Luitpold-Casino leer. Bislang hat der Freistaat noch keinen Nachfolger für Heidrun Vorndran gefunden. "Wir befinden uns momentan im Ausschreibungsverfahren", teilt Oliver Fisch von der staatlichen Lotterieverwaltung auf Anfrage mit. Nähere Informationen zum Sachstand und zur Bewerberlage nennt die Behörde derzeit jedoch noch nicht.

Die Direktionsstelle in Bad Kissingen wird aktuell kommissarisch von Lindau aus mitbetreut. "Es ist generell so, dass jede Spielbank von einem Direktor einer anderen Spielbank vertreten wird", erklärt Fisch.

Die Regelung greift beispielsweise in Urlaubszeiten, bei Krankheitsfällen und Vakanzen. Der Freistaat betreibt bayernweit insgesamt neun Casinos. Der Direktor der Einrichtung aus Lindau, Nikolaus Bartl, komme derzeit zur Vertretung regelmäßig vom Bodensee an die fränkische Saale.

Ausschreibung mit Verspätung

Aber auch die Zentrale der Lotterieverwaltung in München unterstützt das Luitpold-Casino, etwa bei rechtlichen Fragen und im Marketing. Fisch: "Aktuell haben wir gemeinsam mit der Spielbank an der Eventplanung für das neue Jahr gearbeitet."

Heidrun Vorndran hatte Ende April bekanntgegeben, dass sie die Spielbank nach fünf Jahren als Direktorin zum 30. Juni verlässt. Dennoch hat die Lotterieverwaltung die Direktionsstelle erst gut eine Woche nach ihrem Ausscheiden öffentlich ausgeschrieben. Die Behörde erklärt die Verzögerung damit, dass die zuständige Abteilung in der Zeit personell knapp besetzt war. Deshalb habe sich die interne Abstimmung einige Wochen hingezogen.

Der künftige Direktor ist vor allem verantwortlich für die rund 60 Mitarbeiter des Luitpold-Casinos, das Spielgeschäft und den Eventbereich. "Wir verstehen die Spielbanken als Gesamtangebot", erklärt Fisch, und: "Das ist ein umfangreiches Aufgabenfeld." Vom Spielbankgesetz, der Spielbankerlaubnis bis zur Troncverordnung - ein Direktor hat sich in einem speziellen rechtlichen Umfeld zu bewegen. In Frage für die Besetzung kommen ausschließlich Beamte, die im Bereich Verwaltung und Finanzen qualifiziert sind. Quereinsteiger aus der Wirtschaft haben hingegen kaum Chancen.

Kritik an defizitären Casinos

Zum Aufgabenprofil eines Spielbankdirektors gehören neben den Veranstaltungen auch Werbemaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit. Letzteres hat es bisweilen in sich: Im Sommer standen die Bayerischen Casinos in den überregionalen Medien (wieder einmal) in der Kritik, weil sie 2017 mit einem Defizit abgeschlossen hatten. Die Gewinne der Häuser in Bad Wiessee, Feuchtwangen und Garmisch-Partenkirchen reichten nicht aus, um die Defizite der übrigen auszugleichen. Dabei handelt es sich um einen rechnerischen Streit. Bei dem Blick auf das reine Defizit wird nicht berücksichtigt, dass die Betriebe bereits Spielbankabgaben und Umsatzsteuern abführen, bevor die Personal- und Sachkosten abgezogen werden.

Teil der Kissinger Highlights

Das Luitpold-Casino ist Teil der "Kissinger Highlights", bestehend aus dem Klassikfestival Kissinger Sommer, der KissSalis-Therme, dem Golfclub und eben der Spielbank. Bei den Kissinger Highlights handelt es sich um eine Marketing-Idee, die vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Die bekannten Attraktionen sollen jeweils gegenseitig bei ihren Gästen auf die anderen aufmerksam machen. Wie Kissinger Sommer Organisatorin Erna Buscham berichtet, war das Thema zwischenzeitlich bei allen Beteiligten eingeschlafen, mittlerweile gebe es aber erste Bestrebungen es wiederaufzugreifen. "Wenn es einen neuen Direktor gibt, wird es vielleicht auch für die Spielbank wieder aktuell", sagt sie.

Die Spielbank Bad Kissingen im Überblick

Geschichte Glücksspiel erfreute sich in Bad Kissingen schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Um 1800 gab es das sogenannte Hazardspiel (ein Würfelspiel). Das wurde jedoch 1849 von König Max II. von Bayern verboten. Die Bürger befürchteten den Verfall der Sitten. Erst im Juli 1955 wurde die Spielbank, damals noch privat, gegründet. 1961 ging sie in Staatsbetrieb über. Nach Umbau und Restaurierung wurde die Spielbank im Oktober 1968 als Luitpold-Casino mit Restaurant und Café neu eröffnet. (Quelle: Spielbanken Bayern).

Gebäude Die Spielbank inklusive Restaurant ist im Nordflügel des Luitpoldbades untergebracht. Der Gebäudeteil wurde von 1878 bis 1880 nach Plänen von Heinrich von Hügel als Kursaal errichtet.

Gewinn Die wichtigste Kennziffer für eine Spielbank ist der Bruttospielertrag, also die Differenz zwischen eingenommenen Einsätzen der Spieler und ausgezahlten Gewinnen. 30 Prozent des Bruttospielertrags führt die Spielbank ab, zu je gleichen Teilen an die Kommune und den Freistaat. Seit 2000 hat die Stadt Bad Kissingen laut Lotterieverwaltung rund 19,5 Millionen Euro Spielbankabgabe kassiert. lbo

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