Bad Kissingen
Bundeswehr

Frankenstammtisch in der Wüste

Der Vorsitzende der Bad Kissinger Wölfe dient zurzeit in Nordmali. Er freut sich schon darauf, wieder nach Hause zu kommen.
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Der Vorsitzende vom EC Bad Kissinger Wölfe e. V. Michael Rosin ist zur Zeit in Rahmen einer UN-Mission in Nordmali.  Foto: Jürgen Schmitt/Archiv
Der Vorsitzende vom EC Bad Kissinger Wölfe e. V. Michael Rosin ist zur Zeit in Rahmen einer UN-Mission in Nordmali. Foto: Jürgen Schmitt/Archiv
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Er freut sich schon wieder aufs Eis. Der Vorsitzende vom EC Bad Kissinger Wölfe e. V. muss sich noch ein wenig gedulden. Denn erst Ende September ist es soweit, heimischen Boden unter den Füßen zu spüren. Bis dahin muss er sich noch mit dem Anblick von rotem Wüstensand begnügen.

Der "Frankenstammtisch" hilft ihm dabei. Wie jeden Sonntag sitzt der ehrenamtliche Vorsitzende und Trainer des Bayernliga-Vereins mit fränkischen Kameraden im Freien vor der Castor-Bar. Das muss sein, dieses bisschen Gefühl von Heimat. Das schweißt zusammen. Kameradschaft ist bei der Bundeswehr ein großes Thema, und es wird hier am Wüsten-Stammtisch auch im ganz Kleinen zelebriert. Mit heimischen Würstchen, Salami und "Opa´s Weißem". Die Feldpost hat die Schmankerl gebracht. Geschickt von den Lieben zuhause. Dazu Baguette aus der Kantine als Hommage an das französische Protektorat, zu dem Mali einst zählte.

Stabsoffizier Michael Rosin ist staatlich geprüfter Fernmelde- und Informatiktechniker, Berater für Funk- und Informationssysteme im Einsatz und diesbezüglich Hauptansprechpartner innerhalb der UN-Friedensmission MINUSMA in Nordmali. Aufgewachsen ist er in Bad Kissingen und hat dort das Jack-Steinberger-Gymnasium besucht. Zu diversen Ausbildungsgängen war er unter anderem bei der Bundeswehrfachschule in Veitshöchheim sowie bei der Fernmeldeschule der Bundeswehr in Feldafing.

Wie eine Trutzburg mit drei Kilometern Mauer und Stacheldraht ragt das deutsche Camp Castor aus dem roten Sand. Einen Steinwurf entfernt liegt die einst blühende Stadt Gao, die heute nur noch mit Patrouillen in geschützten Fahrzeugen angefahren wird. Temperaturen um die 40 Grad gehören zum Alltag. Soldatenleben im Extremen.

In unmittelbarer Nähe des deutschen Lagers liegt das so genannte Super Camp der Vereinten Nationen, in dem sich unter anderem ein chinesisches Militärkrankenhaus befindet und Truppen aus dem Senegal, China und Bangladesch stationiert sind. Insgesamt 12 000 Soldaten beteiligen sich an der UN-Friedensmission. Das Ziel dabei ist, die Stabilisierung des malischen Staats zu unterstützen und einem drohenden Bürgerkrieg entgegenzuwirken.

Michael Rosin und seine Kameraden prosten sich zu. Es gibt Weißbier. Alkoholfrei, versteht sich. Im Camp herrscht Zero Promille. Für den gesamten Einsatz. Der 48-Jährige Bad Kissinger erinnert sich an frühere Einsätze: Bulgarien, Montenegro, Estland, Lettland, bis hin zu Albanien und Aserbaidschan. Viele auf NATO-Ebene. "Ich mag es, im multinationalen Umfeld zu arbeiten", sagt der Vollblut-Eishockey-Spieler. "Genau das macht den Job so interessant. Es ist jedes Mal eine neue Herausforderung, denn die Kommunikationswege und Strukturen in diesem Umfeld ändern sich ständig." In der Tat, erfreut sei die Familie nicht gerade, wenn es wieder einmal in einen Einsatz geht. Doch mittlerweile seien sie das gewöhnt.

Früh am Morgen zum Training

Wie hält sich der Eishockeytrainer in der Wüste fit? "Sobald es die Temperaturen zulassen, also sehr früh am Morgen oder nach Sonnenuntergang trainiere ich im Sportcenter." Bald ist der vierfache Familienvater wieder zurück am Ortsrand von Bad Kissingen. Da wohne er mitten in der Landschaft, Richtung Rhön. Er freut sich schon darauf, die Freunde in seiner Lieblingskneipe "Zoom Eulenspiegel" zu treffen. Dann garantiert mit einem richtigen Kreuzberg-Bier.

Ab Oktober ist er wieder in der Saaleck-Kaserne in Hammelburg anzutreffen. Und für später hat er auch schon Pläne. "Ich will den nordbayerischen Eishockey-Nachwuchs voranbringen. In Bad Kissingen ist dies zwar durch den Eishallenverkauf in der Vergangenheit keine einfache Aufgabe, jedoch mit Hilfe der Stadt und den Sponsoren machbar. Ziel des Vereines ist es einerseits, attraktives Eishockey in der Region auf hohem Niveau zu bieten und für den eigenen Nachwuchs zu erhalten, andererseits den Eissport und damit die Eissporthalle in Bad Kissingen auch für die Öffentlichkeit weiter zur Verfügung stellen zu können. Bis heute ist uns das gelungen. Und meinen Ruhestand werde ich wohl auf dem Eis verbringen. Das war und ist meine Berufung. Wahrscheinlich wird man mich auch da beerdigen", sagt er.

Die fränkischen Wimpel über dem Stammtisch flattern im Wüstenwind. Noch ein Prost auf die Heimat und dann geht es für jeden der Kameraden zurück an den Arbeitsplatz. Auch wenn es Sonntag ist. Sabine Ludwig



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