Bad Kissingen
Hitze

Glutsommer in Bad Kissingen: Das sind die Gewinner und Verlierer der Hitzewelle

Während sich viele derzeit nach Abkühlung sehnen, kommt anderen die Hitzewelle ganz gelegen. Denn des einen Schweiß ist des anderen Profit.
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Das hilft bei Hitze: Nicht den Kopf in den Sand, sondern die Füße ins Wasser stecken. Foto: Ralf Ruppert
Das hilft bei Hitze: Nicht den Kopf in den Sand, sondern die Füße ins Wasser stecken. Foto: Ralf Ruppert


Die Gewinner

Die Photovoltaik-Besitzer: Es klingt zunächst paradox: Die aktuelle Sommerhitze ist für Photovoltaik-Anlagen nicht optimal. Denn je stärker sich die Module in der prallen Sonne aufheizen, desto niedriger ist ihr Wirkungsgrad, erklärt Johannes Schramm, Geschäftsführer der Nüdlinger Firma "Schramm Solar". Sonnenschein bei kühlen Temperaturen liefere dagegen die höchsten Solarerträge. "Die Spitzenleistungen wären eigentlich im Februar und März möglich", meint Schramm. Da sich die Sonne in diesen Monaten tatsächlich aber seltener zeigt, als es Photovoltaik-Besitzern lieb wäre, ist der Ertrag im Sommer trotzdem am höchsten. "Die Dauer der Sonneneinstrahlung relativiert nämlich den negativen Wirkungsgrad wieder." Das heißt: Scheint die Sonne nur lange genug, liefern die Module auch in der größten Hitze noch ein gutes Ergebnis auf der Umsatzanzeige.

Die Schwimmbad-Betreiber: Dem Naturbad Aura blüht voraussichtlich das beste Umsatzjahr aller Zeiten, sagt Bürgermeister Thomas Hack (CSU). "Auch bei der Auslastung sind wir im grünen Bereich. In manchen Schwimmbädern wird es ja rammelvoll, aber trotz der kleinen Fläche verteilen sich die Besucher hier über den Tag hinweg sehr gut." Das Bad Kissinger Terrassenschwimmbad leide in diesem Jahr unter dem "Sondereffekt Baustelle", erklärt Betriebsleiter Roland Bühner. Mit rund 38 000 Besuchern bis Ende Juli hechelt das aktuelle Jahr den Zahlen von 2017 um mehr als 9000 Besucher hinterher. "Das hat natürlich mit der Baustelle zu tun", sagt Bühner. "Das Schwimmbad wird aber immer noch gerne von den Besuchern angenommen. Und dass wir mit nur zwei geöffneten Becken bessere Besucherzahlen haben als im Juli 2016, hat uns positiv überrascht."

Die Eisverkäufer: Der Eisdiele "La Fenice" am Hammelburger Marktplatz haben die heißen Tage vor allem in Kombination mit der letzten Schulwoche vor den Sommerferien ein Umsatzplus eingebracht. "Bei der extremen Hitze hätte ich eigentlich gedacht, dass die Leute nicht einmal mehr Lust haben, rauszugehen", sagt Betreiber Andrea Bettarel. "Aber es sind trotzdem viele unterwegs." Fruchteissorten wie Erdbeer und Zitrone sind derzeit die absoluten Bestseller bei den Bettarels und werden von den Kunden am meisten nachgefragt.

Die Getränke-Hersteller: Beim Bad Brückenauer Getränkehersteller "Mineralbrunnen" bringt die Hitze zweistellige Zuwachsraten für den Monat Juli. Aber selbst wochenlang anhaltende Temperaturen über 30 Grad seien irgendwann nicht mehr absatzfördernd, da sich die Kunden dann weniger draußen betätigen und dadurch auch einen geringen Flüssigkeitsbedarf haben. Mineralwasser und Saftschorlen sind die beliebtesten Durstlöscher-Exporte aus Bad Brückenau. Problematisch sei allerdings das Horten von Leergut. "Wir würden uns wünschen, dass die Kunden ihr Leergut deutlich schneller retournieren würden", sagt Vorstand Ingo Vialon. "So stehen die Flaschen teils wochenlang daheim im Keller und fehlen damit zur dringend benötigten Wiederbefüllung."


Die Verlierer

Die Landwirte: Die Hitze zwang viele Bauern zur frühzeitigen Getreideernte. Etwa 30 Prozent Verlust beim Raps und 20 Prozent beim Weizen müssen sie verzeichnen. Das größte Problem seien aber die Pflanzen, die derzeit noch auf den Feldern sind, sagt Edgar Thomas, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. "Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais sind in einem sehr schlechten Zustand." Mit 50 Prozent Ernteausfällen wird hier gerechnet, vor allem der nordöstliche Landkreis sei von der Trockenheit betroffen. In den nächsten zwei Wochen soll bereits der Mais geerntet werden, Termin dafür ist normalerweise erst im September oder Oktober. Nutztiere brauchen eine erhöhte Zwangsbelüftung. Einen Lichtblick gebe es aber für die Landwirte, meint Edgar Thomas: "Das Obst hat dieses Jahr eine sehr gute Qualität."

Die Senioren: Im St. Elisabeth Krankenhaus steigen mit den Temperaturen auch die Patientenzahlen. "Das heiße Wetter trägt dazu bei, dass sich mehr Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen in unserer Notaufnahme melden", sagt Leiter Ulf Reichenbach. "Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen." Aber auch die stationären Patienten brauchen bei der Hitzewelle gesonderte Betreuung: Viele Getränke, Infusionen, dünne Bettwäsche, Wadenwickel, nasse Tücher und Kühlflaschen sollen gegen die Hitze und Dehydrierungsgefahr helfen.

Die Kinder: Da macht selbst das Schaukeln keinen Spaß mehr: Die 65 "kleinen Strolche" des Kindergartens in Winkels spielen momentan nur in den Morgenstunden draußen, von sieben bis halb neun. "Am Nachmittag bleiben sie definitiv lieber drinnen", sagt Leiterin Andrea Böhm. Für das Herumtollen unterm Rasensprenger muss immer eine Aufsichtsperson dabei sein und sorgfältiges Eincremen hat höchste Priorität.

Die Haustiere: Wer ein dickes Fell hat, leidet besonders. Für Hundehalter gilt: Auf wildes Herumtollen verzichten und lieber in den frühen Morgenstunden oder abends Gassi gehen. "Sonst laufen sich die Tiere die Ballen auf dem heißen Teer wund", warnt Madeline Hucke, Assistenztierärztin in der Garitzer Tierklinik. Rassen mit kurzen Nasen neigen bei hohen Temperaturen schnell zum Überhecheln. "Momentan kommen vermehrt Patienten in die Klinik, die überhitzt sind", sagt die Tierärztin. "Steigt die Körpertemperatur über 40 Grad, wird es lebensgefährlich." Spezielle Kühlwesten können Abhilfe schaffen. Zudem sollten immer ausreichend Wasser und schattige Rückzugsmöglichkeiten für Meerschweinchen und Co. angeboten werden.

Die Natur: Die Regierung von Unterfranken warnt vor erhöhter Waldbrandgefahr und die Gemeinde Zeitlofs ruft den Wassernotstand aus: Gießen nur noch am Abend, Autowaschen, Rasen bewässern und private Swimmingpools nachfüllen am besten gar nicht mehr. Mit 6,5 Milligramm pro Liter habe sich der Sauerstoffgehalt im Wasser des Mains schon fast halbiert, sagt Uwe Seidl vom Wasserwirtschaftsamt. "Ab fünf Milligramm wird es für Fische gefährlich."


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