Ebenhausen
Ausflug

Fränkische Blasmusik beim Seemannsfrühschoppen

Ein Exot in Ostfriesland: Die Blaskapelle Ebenhausen bereicherte die 30. Emdener Matjestagen mit fränkischer Musik.
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Zwischen den Auftritten erkundeten fünf Jungs der Blaskapelle Ebenhausen Emden per Rad. Richard Dees
Zwischen den Auftritten erkundeten fünf Jungs der Blaskapelle Ebenhausen Emden per Rad. Richard Dees
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Ebenhausen- "Das waren die schönsten Matjestage, die ich je erlebt habe!", versicherte der 92-jährige Willi aus Emden, der sicherlich in seinem langen Leben schon viele Matjestage mitgefeiert hat. Was das diesjährige Matjesfest für den gebürtigen Emdener so besonders gemacht hat, war die Anwesenheit der Blaskapelle Ebenhausen. Die Ebenhäuser waren ein musikalischer Exot bei dem größten Matjes-Festival in Norddeutschland, denn dort gibt es, außer den Partybands am Abend, nur Shanty Chöre mit traditionellen Seemannliedern zu hören. Doch gerade die "Exotik" der fränkischen Blasmusik schätzt Willi aus Emden besonders, denn er ist ein großer Fan von Märschen und konnte auswendig alle Märsche mitsingen, sogar den Frankenliedmarsch, den die Ebenhäuser aus ihrer Heimat mit in den Norden gebracht hatten.

Freundschaft wuchs heran

Doch wie kommt eine fränkische Blaskapelle dazu, in Ostfriesland Musik zu machen? Angefangen hat alles bei einem Vereinsausflug nach Mittenwald, wo Richard Dees, der Organisator der Fahrt, mit dem Emdener Horst Langhanke ins Gespräch kam. Daraus entstand nicht nur eine persönliche Freundschaft mit dem Ostfriesen, es entwickelte sich auch eine Beziehung zwischen den Emdenern und der Blaskapelle, die im Lauf der Jahre mehrere Fahrten dorthin unternahm: Erstmals im Jahr 2010, eine zweiter Ausflug 2012 und schließlich 2019 die dritte Fahrt über das verlängerte Vatertagswochenende zu den 30. Matjestagen.

Instrumente und Trachten im Gepäck

Gestartet ist die Kapelle bereits frühmorgens an Christi Himmelfahrt mit 44 Reisenden, davon 18 Musiker, und vielen Instrumenten, Trachten und fränkischem Liedgut im Gepäck. Wie meist bei den Ausflügen des Vereins übernachtete die Kapelle in einer Jugendherberge mit Mehrbettzimmern und Etagenduschen. "Das fördert die Gemeinschaft", meinte Richard Dees augenzwinkernd. Auftritte bei den Matjestagen waren am Freitagabend und am Sonntag zum Seemannsfrühschoppen geplant, sodass der Truppe noch reichlich Zeit blieb, die Stadt und das schöne Nordseeumland kennenzulernen.

Auf dem Programm standen eine Stadtführung durch Emden, Besuche des gewaltigen Emssperrwerkes bei Gandersum und des malerischen Fischerdorfes Ditzum sowie eine Schifffahrt auf der Ems mit dem Ems-Traumschiff "Warsteiner Admiral". Doch auch zwischendurch blieb noch freie Zeit für individuelle Freizeitgestaltung: "Nach einem Auftritt beim Matjesfest hat sich die Belegschaft unseres Jugendherbergszimmers, also fünf junge Männer zwischen 16 und 32 Jahren, zusammengetan und Fahrräder ausgeliehen. Dann haben wir in Tracht auf altmodischen Damenfahrrädern Emden unsicher gemacht", erzählt Sebastian Schubert schmunzelnd, der mit seinen 16 Jahren der jüngste aktive Musiker bei diesem Ausflug war und ihn ziemlich cool fand.

Auch der älteste Teilnehmer der Fahrt, der 70-jährige ehemalige Musiker Georg Sittler war begeistert von der Reise nach Ostfriesland. Er war zwar schon 2010 bei der ersten Fahrt nach Emden dabei, doch die tollen Eindrücke haben ihm gezeigt, dass die Gegend mehr als eine Reise wert ist: "Es war echt klasse und wie immer hervorragend organisiert von Richard Dees". Ganz besonders beeindruckt war er vom Besuch des großen Emssperrwerkes. "Schade, dass wir nicht eine Woche vorher da waren, denn da wurde das Kreuzfahrtschiff Aida von der Papenburger Meyer Werft durch das 60 Meter breite Emssperrwerk geschleust. Das war bestimmt spektakulär!", schwärmt Georg Sittler. "Über die vielen Schafe auf den Deichen habe ich mich sehr gewundert. Aber wir haben erfahren, dass diese nicht nur das Gras auf den Deichen abweiden, sondern gleichzeitig auch für die Befestigung und Verdichtung des Untergrundes sorgen."

Überraschung im Seniorenheim

Ein Überraschungsauftritt hat sich zufällig ergeben, als die Ebenhäuser Kapelle im Seniorenheim für die Mutter ihres Emdener Freundes Horst ein kurzes Ständchen zum Besten gab, quasi ein Warm-Up für ihren Auftritt bei den Matjestagen. Matthias Dees, der Vorsitzende der Kapelle, erzählt, dass sie bei ihrem Besuch an der Nordsee gern für ihre Gastgeber die ostfriesische Heimathymne "Mein Ostfriesland" spielen wollten. Doch leider konnte man keine Noten dazu auftreiben, so dass ihr ehemaliger Dirigent Martin Mühleck kurzerhand selbst die Noten dazu aufgeschrieben und sie auch gleich für die Kapelle mehrstimmig arrangiert hat.

Bei ihren Auftritten konnten die Unterfranken dann das Heimatlied perfekt vortragen. Kräftig unterstützt wurden sie dabei vom Gesang ihres Fanclubs. Dieser bestand aus den übrigen Teilnehmern der Fahrt, die fast alle in fränkischer oder wenigstens bayerischer Tracht aufgelaufen waren. Fazit der Fahrt: Gute Organisation, informatives Programm, bestes Wetter, interessante Begegnungen, schöne Auftritte! Und nach Aussage von Matthias Dees wurden bei den Matjestagen schon wieder neue musikalische Kontakte Richtung Fallersleben bei Wolfsburg - vielleicht dem Ziel der nächsten Musikerfahrt - geknüpft.

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