Bad Kissingen
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Fraenggisch fuer Anfaenger: Wo "Wie bitte?" nur "Hä?" heißt

Integration kann nicht funktionieren ohne eine solide Kenntnis der Mundart. Deshalb wird bei den Heimatabenden auf unterhaltsame Weise fränkisch gelehrt.
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Mit fliegenden Röcken und fränkischen Figurentänzen tanzen die "Berger Plüapaare" in Bergrheinfeld bei der "Kirwa" um den Planbaum.Peter Klopf
Mit fliegenden Röcken und fränkischen Figurentänzen tanzen die "Berger Plüapaare" in Bergrheinfeld bei der "Kirwa" um den Planbaum.Peter Klopf
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"Wie soochd mers?" Fränkischen Dialekt zu sprechen und zu verstehen ist nicht so leicht für Menschen, die nicht aus Franken kommen. Was Zugezogene wie integrationswillige Migranten und Gäste der Kurstadt gleichermaßen wirklich brauchen, sind Worte zum täglichen Leben im entsprechenden Dialekt. Der Franke ist von Natur aus komprimiert, seine Sprache ist prägnant und kompakt. Er reduziert den gesprochenen Text auf das Wesentliche. Wer kein "Fränggisch-Werdderbuch" (Wörterbuch "Fränkisch-Deutsch") besitzt, der bekommt beim Fränkischen Heimatabend im Bad Kissinger Rossini-Saal auf humorvoll Weise eine Einführung in die Sprache, die Kultur und das Brauchtum der Menschen aus der Region zwischen Main und Rhön.

Laienkünstler aus nah und fern pflegen dabei ihr Kulturgut mit einem Idealismus, der bewundernswert ist. In erster Linie singen, tanzen und musizieren sie zu ihrer eigenen Freude und in zweiter Linie für die Zuhörer unterhalb der Bühne. Gerade dieses Engagement und die Lebensfreude, die daraus entspringt, entwickelt sich immer zu einer Liebeserklärung an die fränkische Heimat. Dies kam auch bei den vielen Gästen der Stadt sehr gut an - auch wenn man manchmal das Fränkische schwer verstand.

Grundsätzlich kennt der Franke "P", "K" oder "T" nur in geschriebener Form, und manchmal auch das nicht. Eine Verwechslung von "B" und "P" bzw. von "T" und "D" gilt nicht als Schreibfehler! Beim Diktieren spricht man gern von einem "harten B" oder "harten D" um sich verständlich zu machen. Beim Buchstabieren behilft sich der "Frangge" mit der zusätzlichen Erklärung "hartes B", wenn er "P" meint, oder "weiches B". Meistens wird "K" zu "G", im Gegensatz hierzu wird das Wort Garage mit einem deutlichen "K" zur "Karaasch".

Eine weitere Eigenheit des "Franggen" ist es, durch das Anhängen der Nachsilben "la", "le" oder "li" manches zu verniedlichen. Deshalb mussten die Zuhörer aus anderen deutschen Gauen manchmal kräftig die Ohren spitzen, um die Mundart in Liedern oder Gedichten zu verstehen. Trotz aller Unterschiede in der Sprache haben die Franken etwas gemeinsam: Sie bringen immer direkt zum Ausdruck, was sie wollen und meinen - und das oft recht deftig. Wenn andere sagen "Wie bitte?", sagt der "Frangge" nur "Hä".

Den Franken sagt man zwar nach, sie seien verschlossen, stur und manchmal auch etwas unfreundlich. Doch der "Frangge" ist im Grunde liebenswert, hat außen eine harte Schale, innen aber einen weichen Kern. So sind seine Volks-, Liebes- oder Weinlieder immer eine Liebeserklärung an die Region. Gerade das macht auch den "Fränkischen Heimatabend" so liebenswert. Mit Musik, Tanz, Gsang, Gedichtli und Gschichtli erfreuten diesmal die Rheinfelder Musikanten, das Duo Helmut und Daniela sowie die Hambacher Volkssänger. Traditionelle fränkische Tänze standen mit den "Berger Plüapaaren" auf dem Programm. Rheinfelder Musikanten ist die Begleitkapelle der "Berger Plüapaare" (Planpaare). Beide Gruppen kommen aus Bergrheinfeld bei Schweinfurt.

Auf die Initiative des damaligen Bürgermeisters Wendelin Fenn wurden die alten Kirchweihbräuche 1982 zu neuem Leben erweckt. Er brachte die bis dahin fast vergessene Bezeichnung "Plüa" wieder ins Gespräch. In einem Lexikon fand man die Erklärung, dass dieser mundartliche Begriff von Bergrheinfeld bis hinauf in die Rhön gebräuchlich und als "Plan" zu verstehen war. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass die "Plüapaare" nur "ehrsame, unbescholtene und ledige" Burschen und Mädchen sein durften. Heute kann man sich die Berger Kirchweih ohne die Mitwirkung der schmucken "Plüapaare" nicht mehr vorstellen. Am Kirchweihsamstag fahren die "Plüaburschen" - traditionell angeführt von einem Pferd mit Reiter - die beiden Planbäume zum Festplatz und stellen sie am Eingang auf. Zum Abschluss tanzen dort die "Plüapaare". Für Mundart war die Organisatorin und Moderatorin Gabi Kanz zuständig.
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