Bad Kissingen
Kultur

Fördervereins für die Staatsbad Philharmonie Bad Kissingen stiftet ein Harmonium

Es war nicht ganz einfach, ein Instrument zu bekommen, das gar nicht mehr gebaut wird. In Ostheim vor der Rhön wurde der Förderverein schließlich fündig.
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Christoph Staschowski am Harmonium, das beim Stammtisch des Fördervereins für die Staatsbad Philharmonie Bad Kissingen vorgestellt wurde. Thomas Ahnert
Christoph Staschowski am Harmonium, das beim Stammtisch des Fördervereins für die Staatsbad Philharmonie Bad Kissingen vorgestellt wurde. Thomas Ahnert
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Es war wohl im November letzten Jahres, als Burghard Toelke, der Chef der Staatsbad Philharmonie Bad Kissingen, laut vor sich hindachte: "Dem Orchester würde es gut tun, wenn es ein Harmonium hätte." Das war kein Luxusstreben nach instrumentaler Aufrüstung, sondern durchaus begründet. Denn ein Harmonium kann, auch wenn es sich nicht in den Vordergrund spielt, den Klang eines kleiner besetzten Orchesters sehr gut runden und verstärken. Und da er laut gedacht hatte, hörte das Kurt Rieder, der Vorsitzende des Fördervereis Kurorchester Bad Kissingen e.V., der die Idee aufgriff. Schließlich ist es der Zweck des Vereins, dem Orchester Gutes zu tun.

Nur, wie kommt man an ein Harmonium? Gebaut werden schon lange keine mehr, weil sie im heutigen groß-sinfonischen Betrieb nicht mehr gebraucht werden und als Hausmusikinstrument längst das Rennen gegen das Klavier verloren haben. Aber da das vor allem um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert anders war - um 1900 wurden mehr Harmonien als Klaviere gebaut - gibt es noch Instrumente.

Kurt Rieder und sein Verein machten sich auf die Suche. Den ersten Treffer landeten sie in Grevenbroich, aber das war zu weit weg. Auch München war nicht viel näher. Aber dann fiel dem Suchtrupp ein, dass es in Ostheim vor der Rhön nicht nur im Schloss Hanstein ein Orgelmuseum gibt, sondern auch eine Orgelbaufirma. Diese Firmen beschäftigen sich sozusagen im Nebenerwerb auch mit Harmonien.

Der Besuch bei Hoffmann & Schindler - die Firma hat in Bad Kissingen einen ausgezeichneten Ruf, denn sie hat 1988 in der Jakobuskirche eine neue Orgel in das alte Gehäuse von 1775 gebaut - erwies sich als Volltreffer: Im Magazin des Betriebes standen 80 Harmonien zur freien Auswahl. Nach reichlichem Probehören und technischen Beratungen entschied man sich für ein Instrument der Bayreuther Harmoniumfabrik Hermann Burger. Es wurde vermutlich 1893 oder 1894, kurz nach der Gründung der Firma, gebaut und verfügt über die weitverbreitete Druckwindtechnik - es gibt auch das "Gegenteil"", nämlich Saugwindanlagen. Es hat einen Tonumfang von fünf Oktaven und vier Register.

Einfach einpacken und mitnehmen war allerdings nicht. "So ein altes Harmonium bekommen Sie für ein paar Euro, aber die Restaurierung kostet dann", sagte Kurt Rieder. In diesem Fall waren es 6171 Euro, die der Verein zu bezahlen hatte. Allerdings war da eine kleine Transportpalette mit Rädern drin. Und angesichts der erstaunlich guten Tonqualität kann man diesen Kauf wirklich als Schnäppchen bezeichnen.

Jetzt wurde das neue Instrument den Mitgliedern des Fördervereins beim Stammtisch im Kurgartencafé vorgestellt. Burghard Toelke und einige seiner Kollegen hatten ein kleines Programm von Johann Sebastian Bach bis Leonard Cohen zusammengestellt, bei dem sich das Harmonium gleich gut in Szene setzen konnte. Und Kurt Rieder lieferte noch historische Details. Denn es ist nicht das erste Instrument, das in Bad Kissingen zum Einsatz kommt. Denn es gab bereits eins zwischen 1919 und 1942, als die Münchner Philharmoniker für die Kurmusik sorgten. In den 30er Jahren saß die Kissingerin Eugenie Larbig an den Tasten, die 1937 den Sohn des Kunstmalers Karl Gayde jun. heiratet - ein Name, der sich mit der Ausgestaltung der Erlöserkirche verbindet. Ihre Tochter Erika Vogel ist heute Mitglied im Förderverein.

Ein bisschen ins Träumen geriet Kurt Rieder, als er erzählte, dass Johann Strauß 1883/85 seinen "Zigeunerbaron" an einem Harmonium komponiert hat. Da wäre es durchaus möglich, dass er dabei an dem Neu-Kissingen Instrument gesessen hat. Möglich natürlich. Aber die Wahrscheinlichkeit ist geringer als die eines Sechsers im Lotto. Wo die Vereinsmitglieder ihm aber zustimmen konnten, war seine Einschätzung: "Für unsere Bewerbung als Weltkulturerbe ist es sicher hilfreich, nicht nur die Architektur in einem guten Zustand zu wissen, sondern auch in der Kurmusik die Tradition zu pflegen. In diesem Fall mit einem Instrument für die Staatsbad Philharmonie, authentisch aus der hohen Zeit der Kur, in der Bad Kissingen Weltbad war."

Kurt Rieder wies zum Abschluss darauf hin, dass der Förderverein in Zukunft - im finanziell möglichen Rahmen - Solisten zu den Kurkonzerten einladen will. Und er rührte die Werbetrommel für das große Benefizkonzert, das der Verein unter dem Motto "Jazz Meets Classic" am Samstag, 8. Juni, um 19.30 Uhr im Innenhof des Luitpoldbades veranstaltet. "Die beiden ersten Benefizkonzerte haben die Leute begeistert. Jetzt wollen wir auf eine Nummer größer gehen." Der Termin ist gut gewählt: Es ist das Wochenende der Sachs Franken Classic Rallye: "Da werden die besten Karten schnell weg sein."

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