Bad Kissingen
Unfall

Flugunfall Bad Kissingen: Pilot starb durch Aufprall

Die Polizei schließt schwere Erkrankungen als Unfallursache aus. Auf den Bestand des Sonderlandeplatzes in der Au hat der tödliche Unfall keine Auswirkung.
Artikel drucken Artikel einbetten

In den Ermittlungen rund um den tödlichen Flugzeugabsturz am 5. Oktober bei Hausen hat die Polizei nun eine schwere Erkrankung des 82-jährigen Piloten als Ursache ausgeschlossen: "Nach den vorläufigen Obduktionsergebnissen ist der Pilot durch den Aufprall ums Leben gekommen", teilte Björn Schmitt vom Polizeipräsidium Unterfranken auf Nachfrage mit, und: "Es gibt keine Hinweise auf Erkrankungen, die zu dem Unfall geführt haben."

Das deckt sich auch mit einer Stellungnahme aus der Familie des 82-jährigen Piloten: "Der tödlich Verunglückte verfügte über 66 Jahre Flugerfahrung und war Zeit seines Lebens überaus gewissenhaft", reagierte der Sohn auf Spekulationen zu einem Bericht der Main-Post. "Er ist gerne nach Bad Kissingen geflogen, um im Kurpark Kaffee und Kuchen zu genießen. Für gewöhnlich war er dann gegen 17.30 Uhr zurück", schreibt der Sohn im Internet-Auftritt der Zeitung und verweist auf jährliche Gesundheitschecks. Auch Matthias Albert von der Bad Kissinger Segelflug-Gemeinschaft beschreibt den Piloten als besonnenen, netten sowie körperlich und geistig fitten Menschen. Als Reaktion auf einen anderen Kommentar schreibt der Sohn des Verstorbenen: "Einen technischen Defekt haben Sie als ,Fachmann' ja ausgeschlossen! Ich für meinen Teil habe im Gegensatz zu Ihnen einen wunderbaren Menschen verloren! Ich glaube, mein Vater hätte es gut gefunden, dass ich hierauf antworte!"

"Ermittlungen laufen"

Die Polizei hat damit eine schwere Erkrankung als mögliche Ursache ausgeschlossen, macht ansonsten aber keine Angaben: "Die Ermittlungen laufen, die Ursache ist unklar", fasst ein Sprecher den aktuellen Stand zusammen. Die Untersuchung der sterblichen Überreste habe auch ihre Grenzen: Einen Herz-Infarkt etwa könnten die Mediziner ausschließen, leichtere Beschwerden wie einen Hustenanfall aber nicht. Das Polizeipräsidium bestätigt, dass es mehrere Zeugen sowohl für den Landeanflug, als auch für den Absturz selbst gibt. Ob die Aussagen übereinstimmen und welche Schlüsse sich daraus ableiten lassen, sagt die Polizei nicht.

"Der Unfallhergang wird durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BfU) ermittelt", teilt das Luftamt Nordbayern an der Regierung von Mittelfranken auf Nachfrage mit. Die Bezirksregierung habe bei Flugunfällen keine eigene Zuständigkeit. "Nur wenn sich im Rahmen der Ermittlungen Sachverhalte ergeben, die auf ein Fehlverhalten oder Verschulden des Flugplatzbetreibers hindeuten, wären hinsichtlich des Flugplatzes Maßnahmen veranlasst", heißt es aus Ansbach, und konkret zu Bad Kissingen: "Dafür gibt es derzeit aber keinerlei Anhaltspunkte."

Genehmigung unbefristet

Beim Flugplatz in der Au handelt es sich um einen so genannten Sonderlandeplatz: "Die Genehmigung des Flugplatzes ist unbefristet", stellt das Luftamt Nordbayern mit. Spezielle Auflagen zu Überschwemmungs- und Heilquellenschutz seien durch die Fachbehörden nicht gefordert worden und daher auch nicht in der Flugplatzgenehmigung enthalten.

Nach dem Absturz waren auch Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Bad Kissingen vor Ort. "Es war aber nichts zu veranlassen, beim Brand sind keine Betriebsstoffe übrig geblieben", fasst WWA-Leiter Leonhard Rosentritt das Ergebnis zusammen. Bei kleineren Maschinen halte sich die Gefahr für das Grundwasser in Grenzen, zumal es bei den meisten Abstürzen zu einem Brand komme. Deshalb gebe es aus Sicht des Wasserwirtschaftsamtes auch keine Veranlassung, den Sonderlandeplatz in Frage zu stellen. "Alles im grünen Bereich", fasst Rosentritt die Situation für die Flieger zusammen.

An den Fliegerclub verkauft

Die Stadt Bad Kissingen hatte im Jahr 2012 die beiden Hangars, das Vorfeld und die Landebahn an den Fliegerclub verkauft. Der Tower - als Bestandteil des Turniergebäudes - ist langfristig verpachtet. Nach dem Wechsel der Motorsegler nach Haßfurt und der Auflösung des Fliegerclubs ging das Eigentum am Flugplatz laut dem Vorsitzenden Matthias Albert auf die Segelflug-Gemeinschaft über. Die bestehe seit 96 Jahren. In dieser Zeit habe es bis vor zwei Jahren höchstens mal einen Start-Abbruch oder einen Seilriss in der Winde gegeben. Vor zwei Jahren stürzte dann ein Ultraleichtflugzeug ab und zwei Menschen wurden verletzt. Der tödliche Absturz am 5. Oktober sei der schwerste Unfall in der Vereinsgeschichte.

Laut Luftamt unterscheidet das Luftverkehrsgesetz bei der Genehmigung von Landeplätzen lediglich zwischen Verkehrs- und Sonderlandeplätzen. Beim Verkehrslandeplatz bestehe eine Betriebspflicht ähnlich wie bei einer öffentlich gewidmeten Straße. Jeder Pilot muss dort also landen können. "Der Betreiber eines Sonderlandeplatzes kann hingegen entscheiden, wer seinen Flugplatz benutzen darf", stellt das Luftamt klar.

Zum Bericht über den Unfall geht es hier.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren