Bad Kissingen
Gesundheit

Mythos Fruchtzucker: Ist er wirklich gesünder als Haushaltszucker? Fitness-Trainer aus Franken räumt mit Image auf

Ernährungsexperte Holger Klemm sagt: Vorsicht! Zu viel Fruchtzucker kann schaden. Der Fitness-Trainer erklärt, warum sich ein Blick aufs Kleingedruckte in der Zutatenliste immer lohnt.
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In unserer Serie räumt der Bad Kissinger Ernährungsexperte Holger Klemm mit Fitness-Mythen auf. Heute: "Fruchtzucker ist gesünder als Haushaltszucker".xiangdong Li, picsfive - stock.adobe
In unserer Serie räumt der Bad Kissinger Ernährungsexperte Holger Klemm mit Fitness-Mythen auf. Heute: "Fruchtzucker ist gesünder als Haushaltszucker".xiangdong Li, picsfive - stock.adobe

S elbst Ernährungswissenschaftler predigten lange Zeit den Mythos, dem ich heute auf den Grund gehen werde: "Zucker aus einer Frucht ist wertvoll und gut für den Körper. Der einfache Haushaltszucker dagegen ist ein Dickmacher und kann zu Diabetes führen." Fruchtzucker mag zwar ein gesünderes Image haben, weil er hauptsächlich im Obst enthalten ist. Die Wahrheit ist: Er enthält genauso viele Kalorien wie herkömmlicher Zucker.

Gesunder Zucker? Irrtum!

Man sollte aus diesem Grund nicht allzu unbeschwert mit Fruchtzucker süßen und denken, dass man dem Körper damit etwas Besseres tut. Im Gegenteil: Zu viel Fruchtzucker kann Übelkeit und Durchfall verursachen. Der Mythos ist schon deshalb nicht korrekt, weil Haushaltszucker ein sogenannter Zweifachzucker ist. Er besteht zu je 50 Prozent aus Fruchtzucker (Fruktose) und Traubenzucker (Glukose). Während Letzterer den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen lässt, hat Fruchtzucker darauf kaum Einfluss. Noch vor wenigen Jahrzehnten galt Fruchtzucker als gesunder Zucker - vor allem für Diabetiker. Heute wissen wir: Das ist ein Trugschluss. Doch was ist so schlimm am Fruchtzucker?

Gehirn giert nach Zucker

Unser Gehirn liebt Glukose - den einfachen Zucker. Über den Tag hinweg verschlingt das Gehirn bis zu 150 Gramm davon. Mit Fruktose kann es wenig anfangen - im Gegensatz zur Leber. Die schmeißt jedes Mal eine Party, wenn ein erneuter Fruchtzucker-Tsunami im Anmarsch ist. Da Cola oder Fruchtsaft je zur Hälfte aus Glukose und Fruktose bestehen, wird die Glukose sofort nach dem Verzehr von sämtlichen Körperzellen und vom Gehirn gierig abgegriffen, der Fruchtzucker hingegen wird nahezu ausschließlich von der Leber verarbeitet und in Fett umgewandelt.

Vorstufe von Typ2-Diabetes

Im Lauf der Jahre können selbst schlanke Menschen mit einem hohem Fruchtzucker-Konsum eine Fettleber entwickeln und eine Insulinresistenz entwickeln - die Vorstufe des Typ2-Diabetes. Traubenzucker hat diesen Effekt in dem Maße nicht.

Nahrungsmittel mit einem hohen Fruchtzuckeranteil können die Gier des Gehirns nach Einfach-Zucker, Glukose, nicht stillen. So fordert unser dominantestes Organ immer mehr zuckerhaltige Getränke und süße Lebensmittel. Um das Gehirn zufrieden zu stellen, braucht man so im Vergleich zum üblichen Einfachzucker die doppelte Menge Zucker. Lebensmittel mit wenig bzw. keiner Fruktose sind Kartoffeln, Brot, Nudeln oder Reis. Sie können die Zuckergier unseres Gehirns viel schneller befriedigen als fruktosehaltige Nahrungsmittel wie Honig, Erfrischungsgetränke oder Obstsäfte.

Billiges Süßungsmittel

Besonders verheerend wirkt sich ein fruktosehaltiger Zuckersirup aus, der aus Mais gewonnen wird. Sein Name: Fruktose-Glukose-Sirup. Seit Oktober 2017 darf er unbegrenzt in der EU verwendet werden. Dieser Sirup enthält etwa 60 Prozent Fruktose und 40 Prozent Glukose. Weil er billig ist, hat das Süßungsmittel den Zucker aus Rüben und Zuckerrohr abgelöst und ist heute in vielen Lebensmitteln zu finden. Alternativen wie Agavendicksaft - beliebt bei Veganern - bestehen fast ausschließlich aus Fruktose und sind keine Empfehlung.

Meine Empfehlung lautet: Vorsicht bei fruchtzuckerhaltigen Lebensmittel! Sie fördern eine Fettleber und können Diabetes begünstigen. Zu viele Erfrischungsgetränke, Fruchtsäfte oder Fruchtaufstriche führen langfristig nicht nur zu Übergewicht, sondern schaden auch unserer Gesundheit.

Hintergrund: Holger Klemm hat in Würzburg Sport studiert. Der 46-Jährige hat die Ausbildung zum Fitnessfachwirt gemacht und sich besonders im Bereich Ernährungswissenschaft weitergebildet. Bevor er im Jahr 2005 die Leitung der "FitnessArena" in der Kisssalis Therme in Bad Kissingen übernommen hatte, führte er in Würzburg drei Jahre lang einen klassischen Fitness-Club. Schon damals entwickelte er Abnehmkonzepte für Gruppen- und Einzelcoachings. In der "FitnessArena" in Bad Kissingen ist er zusammen mit seinem Team für die Mitglieder Ansprechpartner für Fragen rund um Gesundheit und Fitness und entwickelt nach Messungen und Analysen individuelle Trainingspläne. Seit fünf Jahren bietet er dort sein mehrwöchiges Abnehmprogramm mit Seminaren und Trainingskursen an. Bisher haben über 1000 Frauen und Männer im Fitness-Club der Kisssalis bei "Moves" mitgemacht.

Lesen Sie zusätzlich auf inFranken.de: Freispruch für Fette: Fränkischer Fitness-Trainer räumt mit Ernährungsmythos auf

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