Bad Kissingen
Hallenstreit

Finaler Faustschlag: Kissinger Eishockey-Wölfe geben auf

Nach langem Kampf müssen die Kissinger Wölfe aufgeben und stellen den Spielbetrieb in der Bayernliga ein. Die Chronologie des Scheiterns und welche Folgen das hat.
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Feierabend bei den Kissinger Wölfen.  Bildnachweis: Screenshot Facebook-Seite Kissinger Wölfe
Feierabend bei den Kissinger Wölfen. Bildnachweis: Screenshot Facebook-Seite Kissinger Wölfe

Der Auftritt im Internet entbehrt nicht einer gewissen Polemik: Dem bissigen Logo auf ihrer Facebook-Seite haben die Kissinger Wölfe kürzlich eine Faust hinzugefügt, die mitten im Wolfsgesicht landet. In der Tat hat der Eishockey-Verein den endgültigen Knockout erhalten. Und stellt den Spielbetrieb der 1. Mannschaft ab sofort ein.

Wölfe-Vorsitzender Michael Rosin hatte bereits am frühen Donnerstagabend im Telefongespräch mit der Sportredaktion unmissverständlich klargemacht, dass das Ende des Spielbetriebs unmittelbar bevorsteht. Kurz nach 19 Uhr dann die etwas kryptisch formulierte Bestätigung auf Facebook: "Das soziale Projekt in Bad Kissingen ist beendet!."

Eine halbe Stunde nach dem Facebook-Post war auf der einschlägigen Internet-Plattform www.bayernhockey.com eine Stellungnahme des Bayerischen Eissport-Verbandes zu lesen: "Mit Schreiben von heute hat der Verein EC Bad Kissinger Wölfe e.V. seine 1. Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb zurückgezogen." Alle aus den Meisterschaftsspielen gegen die Wölfe erzielten Ergebnisse würden annulliert. Das bedeutet auch, dass die für diesen Freitag angesetzten Bayernliga-Spiele in Pfaffenhofen und am Sonntag gegen Peißenberg gestrichen sind.

Die Kissinger Wölfe müssen seit Wochen auf ihre heimische Spielstätte, die Eissporthalle in Bad Kissingen, verzichten. Grund ist ein Streit mit dem ukrainischen Hallenbesitzer um die Nutzungsbedingungen für das Gebäude. Vereinschef Michael Rosin wurde mit einem Hausverbot belegt. Zuletzt geführte Gespräche der Anwälte der Beteiligten führten offensichtlich zu keiner Einigung.

Auf Nachfrage spricht Rosin von "vielfältigen Gründen", die dazu führten, die 1. Mannschaft abzumelden. Der Hallenstreit an sich sei nur einer davon gewesen. Über Details will sich der Wölfe-Vorsitzende erst "nach rechtlicher Absicherung" äußern. In der nächsten Woche solle es eine Pressekonferenz, unter anderem mit Vorstandsvertretern, und eine Pressemitteilung in den sozialen Netzwerken geben. Fragen zu einer möglichen Insolvenz des Eishockey-Vereins und der Rolle des Bayerischen Eishockey-Verbandes in der Sache beantwortet Rosin derzeit nicht. Er bestätigt aber, dass der Trainings- und Spielbetrieb im Nachwuchs vorerst weitergeht.

Überraschend deutlich äußert sich Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) zu den Kissinger Wölfen. Die aktuelle Entwicklung findet er "sehr bedauerlich". Die sportlichen Leistungen der Eishockey-Mannschaft habe er mit außerordentlicher Sympathie verfolgt, so der 61-Jährige. Das Sommertheater um die Halle habe er schon nicht gern gesehen, kenne aber die Hintergründe, warum der ursprüngliche Nutzungsvertrag aufgekündigt wurde, nicht. "Ich habe mich vor wenigen Wochen darum bemüht, beide Seiten an einen Tisch zu bekommen, was auch gelungen ist", führt Blankenburg aus. Doch offensichtlich seien die Gespräche jetzt gescheitert.

Eishallenbesitzer Alexander Kondrashov hatte sich vor knapp zwei Jahren im Kaufvertrag verpflichtet, öffentliche Eisslaufzeiten zu gewährleisten. "Wir lassen gerade prüfen, wie sich dieser vertragliche Anspruch durchsetzen lässt", sagt der OB.

Unterdessen laufen die Kommentarspalten zum Thema Kissinger Wölfe in den sozialen Netzwerk über. Viele Nutzer waren nicht überrascht, hatten mit diesem Ausgang des monatelangen Streits um die Eissporthalle gerechnet. Einige bedauerten den Rückzug der Wölfe, auch wegen der immensen Auswirkungen auf deren Nachwuchs. Andere - offensichtlich dem Bayernliga-Konkurrenten Mighty Dogs Schweinfurt zugeneigte - Kommentatoren äußerten sich hämisch.

Apropos Mighty Dogs: "Es ist immer bedauerlich, wenn ein Eishockeyverein den Spielbetrieb einstellen muss", schreiben die Verantwortlichen auf Facebook. Als kleine Aufmunterung dürften alle, die zum Heimspiel gegen den ESC Dorfen im Wölfe-Trikot in den Schweinfurter Icedome kämen, diesen ohne Eintritt betreten.

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