Bischofsheim

Filigrane Krippen aus Papier auf dem Kreuzberg

Im Bruder-Franz-Haus sind seltene Papierkrippen aus einer Privatsammlung zu sehen. Von der Klappkrippe bis zur Panoramakrippen mit über 100 Figuren sind sie auf dem Kreuzberg kunstvoll inszeniert.
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Aufwendig gestaltete Papierkrippe von 1750 bis 2000 sind in der aktuellen Ausstellung im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg zu bewundern. Foto: Marion Eckert
Aufwendig gestaltete Papierkrippe von 1750 bis 2000 sind in der aktuellen Ausstellung im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg zu bewundern. Foto: Marion Eckert
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"Ich steh an deiner Krippe hier..." Rechtzeitig zur Adventszeit wurde die neue Ausstellung im Bruder-Franz-Haus auf dem Kreuzberg eröffnet: Gezeigt wird eine Vielzahl von Papierkrippen aus der Privatsammlung von Gudrun Wirths aus Marktbreit.

Zur Ausstellungseröffnung gab Astrid Hedrich-Scherf von der Kulturagentur einen Einblick in die Welt der Papierkrippen. Zu verdanken sei diese außergewöhnliche Ausstellung der Sammelleidensschaft von Gudrun Wirths, die seit Jahrzehnten alles zum Thema Papierkrippe zusammentrage. So sei eine umfassende Sammlung entstanden, die anschaulich die ganze Bandbreite der Papierkrippe und ihrer Entwicklungsgeschichte in den vergangenen 250 Jahren darstelle. Von der Prachtkrippe bis zur einfachen Ausschneidekrippe, von 1750 bis 2000.


Krippen zum Falten und Klappen

Seltene Papierkrippen in filigraner Schönheit prägen die Ausstellung: Der größte Teil stamme aus dem 19. Jahrhundert aus Bayern, Schwaben und Böhmen, Tirol und Südtirol. Einige Raritäten stammen aus der Zeit vor 1800, die teilweise im Nachdruck überliefert sind. Neben der einfachen Papierkrippe zum Selbstausmalen, Ausschneiden und Aufkleben sind aufwendig gestaltete Schaukastenkrippen, Falt- und Klappkrippen vertreten. Sie lassen einen vielschichtigen Raum aus einem Stall mit Tieren und Figuren entstehen. Darunter die sogenannte Rosenkrippe, prächtig gestaltet ganz im Sinne des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit sechs verschiedenen Ebenen.

Bewundert werden können auch einige seltene große Panorama- und Passionskrippen mit über 100 Figuren wie auch Krippenberge. Ergänzt werde die Ausstellung durch erhalte Ausschneidebögen.

Astrid Hedrich-Scherf erinnerte an die geschichtliche Entwicklung der kunsthistorischen Darstellungen der Geburt Christi durch Epochen. Als eigentlicher "Erfinder" der Weihnachtskrippe gelte Franz von Assisi. Im Jahr 1223 stellte er erstmals die Weihnachtsgeschichte mit einer Futterkrippe und lebendigen Tieren dar. "Um 1600 sind erstmals Krippen in Franken nachweisbar", sagt Astrid Hedrich-Scherf. Während des Barocks habe die Aufstellung von Weihnachtskrippen in Kirchen eine Blütezeit erlebt. Es entstanden auch die ersten kleinformatigen Papierkrippen für den Hausgebrauch.


Keine "Armeleutekrippe"

Um 1800 wurde das öffentliche Aufstellen von Krippen als "übertriebene Frömmelei" untersagt, der Brauch verlagerte sich aus dem öffentlichen Raum der Kirchen in den privaten Bereich. Dies förderte die Entwicklung von kleinformatigen Krippen aus Papier. Diese Krippen konnten nicht nur einfacher aufgestellt werden, sondern waren auch wesentlich preiswerter als geschnitzte. Daher hafte bis heute der Papierkrippe das Image der "Armeleutekrippe" an. Die Ausstellung jedoch zeige deutlich, dass gerade die prächtigen Papierkrippen des 19. Jahrhunderts dem entgegenstehen.

Der Papierschnitt sei bereits im 17. und 18. Jahrhundert in Mode gekommen und fand insbesondere in den gemalten oder gedruckten Dioramen (Schau- und Guckkästen) seine Verwendung. Die Papierkrippen entwickelten sich aus dem im Rokoko gängigen Miniaturtheatern aus Papier, die als Ausschneidevorlagen zu kaufen waren. Die ersten Papierkrippen sein daher farbkolorierte Radierungen und damit aufwendig und teuer gewesen. Sie wiesen einen theater- und kulissenartigen Aufbau auf.

Das Basteln der Krippen beschäftigte oft die ganze Familie während der Adventszeit, meint Astrid Hedrich-Scherf. Die Beliebtheit der Papierkrippe lag neben dem preiswerten Erwerb gegenüber einer geschnitzten Krippe, ebenso an der einfachen Aufstellung und dem wenigen Platz, den solche eine Krippe benötige.


Schmuck und Krippen sammeln

Von einigen Künstlern und Grafikern kenne man die Namen, doch die meisten Krippen bleiben namenlos, bei den Durckverlagen sehe es ähnlich aus. Vieles sei heute nicht mehr bekannt. Seit gut 40 Jahren sammelt Gudrun Wirths alles rund um Weihnachten. Vor allem aber Papierkrippen und Christbaumschmuck. "Einfach weil ich weihnachtsbegeistert bin", sagt sie.

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