Bad Kissingen
Kurorchester

Festkonzert zum 175. Geburtstag

Das Kurorchester von Bad Kissingen ist ein Orchester der Superlative: Es ist das größte deutsche Kurorchester mit fest angestellten Musikern. Und kein Orchester auf der Welt bestreitet so viele Auftritte im Jahr.
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Kylie Carter und Deborah Lynn Cole (von links), im Hintergrund das Kurorchester.  Foto: Christian Dijkstal
Kylie Carter und Deborah Lynn Cole (von links), im Hintergrund das Kurorchester. Foto: Christian Dijkstal
Dafür haben die Musiker von der Guinness-Buch-der-Rekorde-Redaktion erst vor einigen Monaten ein Zertifikat erhalten. Das war ein schönes Geschenk im 175. Jahr des Bestehens von Bad Kissingens Kurorchester, das große Fans unter den Gästen und den Einheimischen hat.
Aber jetzt wurde der Geburtstag auch noch mit einem festlichen Konzert im Großen Saal des Regentenbaus gefeiert. Eingeladene, hochkarätige Solisten setzten Glanzpunkte an diesem Abend, der insgesamt musikalisch ein sehr hohes Niveau hatte.
Begeisterter Applaus nach jedem Beitrag bestätigte, dass die stilistisch vielfältige Zusammenstellung aus populären Werken des so genannten klassischen Repertoires, aus Oper und Operette sowie weihnachtlichen Beiträgen, den Erwartungen des Publikums durchaus entsprach.
Als "Reisebegleiter, der zum Programm plaudert", stellte der "Schwarze Bass" Heinz Georg Fichtner sich vor, der neben der Moderation auch den Sologesang der Arie des Osmin "Wer ein Liebchen hat gefunden" aus Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail" übernommen hatte. Umfassend bereitete er sympathisch und launig auf jedes Werk und dessen Komponisten vor.

Früher engagierte Kapelle

Wissenswertes über das Kurorchester vermittelte Sigismund von Dobschütz, als früherer Kurdirektor mit dem Orchester in besonderer Weise vertraut, auf mitunter sehr humorvolle Art, wobei er den verschiedenen Stationen der Orchesterchronik stets auch Verbindungen zur allgemeinen Zeitgeschichte an die Seite stellte.
Und so erfuhr man, dass "die Kurmusik" in Bad Kissingen schon wesentlich älter ist als das heutige Orchester, das seit 1980 die "Ära des modernen Kurorchesters" prägt. In der Zeit um 1837 unterhielt eine fest engagierte böhmische Kapelle die Gäste, danach spielten Münchner, Wiener und Hofer Orchester in Bad Kissingen.
Wundervolle Farbwechsel, Pianostellen von äußerster Zartheit und dabei intonatorischer Präzision, ein weiches, zurück genommenes Klarinettensolo des stellvertretenden Orchesterleiters Albert Galimzanov, dezente Pizzicati und ganz sorgfältig leise gespieltes Blech machten zwei Arlesienne-Suite-Sätze von Georges Bizet zu einem überzeugenden Auftakt, der Appetit auf mehr machte.
In gleicher Weise farbenfroh und kontaktfreudig begleiteten die Musiker die Mezzosopranistin Kylie Carter bei der "Carmen"-Habanera. Die Solistin gestaltete ihren Part mit geheimnisvoll zurückgehaltenem Temperament; das machte die Darstellung ausgesprochen spannend. Die Atmosphäre eines Opernhauses brachte ihre kräftige, dunkel leuchtende Stimme in den Großen Saal.
Nicht nach stand ihr die Sopranistin Deborah Lynn Cole, die sich mit der anrührend gesungenen Arie "O mio babbino caro" vorstellte. Dass die Stimmen zueinander passten, zeigte sich im Duett mit Carter in der "Barcarole" aus "Hoffmanns Erzählungen". Auch in den zurückhaltenderen Weihnachtsweisen brachten beide bunte Farbtupfer ins Programm, wenn auch manche Koketterie ein wenig deplatziert wirkte.

Elektronisch verstärkt

Nicht ganz klar war, warum die Sänger durchweg elektronisch verstärkt wurden; das war unnötig. Schöner wäre der reine Klang gewesen, und wer sich gegen ein ausgewachsenes Opernorchester durchsetzen kann, der hätte es auch gegen 13 Mann Kurorchester gekonnt.
Stimmlich der Star des Abends, das darf man wohl so sagen, war der Tenor Keith Ikaia-Purdy: Ob in der Arie "Nessun dorma" aus Puccinis "Turandot" oder beim bekannten "Cantique de Noël" von Adolphe Adam war das Publikum von der klaren, kernigen Stimme, von der Lebendigkeit im Gesang und dem untergründig transportierten Ausdruck ganz überwältigt. Dieser Auftritt war ein enormer Gewinn für das Festkonzert.
Mit dem Organisten Michael Kunz war ein weiterer Solist eingeladen worden. Er hatte seine "Konzertorgel" mitgebracht, und mit ihr begeisterte er alle. Er ist ein glänzender Virtuose an den Tasten und mit Hilfe des Instruments ein Klangzauberer. Das "Last-night-of-the-Proms-Medley" rief etliche Bravos hervor. Am Ende musizierten alle ganz traditionell - noch einmal gemeinsam.


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