Münnerstadt

Ferdinand Betzer: "Bürgermeister, das war mein Leben"

Ehrenbürger und Altbürgermeister Ferdinand "Ferdl" Betzer wird 80. Ein Blick auf das Leben eines engagierten Kommunalpolitikers, der stets ein "Querdenker" war.
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Ferdinand "Ferdl" Betzer feiert heute, am 3. August, seinen 80. Geburtstag. Foto: Archiv
Ferdinand "Ferdl" Betzer feiert heute, am 3. August, seinen 80. Geburtstag. Foto: Archiv
Ein bequemer Zeitgenosse ist er nicht. War er nie. Verträglich, ja; streitbar ja; ein guter Freund, ja; aber bequem? Nein, nie. Ferdinand Betzer hat wie kein Zweiter die Stadt Münnerstadt ab den 1970-er Jahren geprägt und am heutigen Samstag wird man sich deshalb an viele Dinge erinnern, die er auf den Weg gebracht hat. Warum man sich heute daran erinnert? Heute wird Ferdinand Betzer 80 Jahre.

Eigentlich ist er Kissinger, in einer schlimmen Zeit geboren.
Das "öffentliche Leben" hat ihn schon frühzeitig in Beschlag genommen er wurde bald aktiv in Jugendgruppen und im Alter von 21 Jahren Mitglied bei der Jungen Union und später bei der CSU. Apropos CSU: 50 Jahre später trat er aus der Partei aus. Er konnte mit dem Ortsverband (Münnerstadt) "nichts mehr anfangen", sagte er damals. Wie gesagt: Bequem war er nie.


Am Amtsgericht Münnerstadt

Doch zurück. Betzer entschied sich im Alter von 19 Jahren für die Bayerische Justizverwaltung, er wollte Rechtspfleger werden. Mit dieser Aufgabe kam er 1956 ans Amtsgericht Münnerstadt als örtlicher Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft und Vertreter der Anklage vor dem Jugendrichter. Später war er auch stellvertretender Geschäftsleiter des Amtsgerichtes.

Und dann ging es irgendwann mal in die Kommunalpolitik, bei Ferdl Betzer ist das wie ein logischer Schritt gewesen: Im Jahr 1966 wurde er in den Stadtrat gewählt, sechs Jahre später - mit der Gemeindegebietsreform - zum 1. Bürgermeister in Münnerstadt. 24 Jahre lang übte er diesen Beruf aus. Beruf? "Es war mein Leben", sagte er später einmal über diese Zeit. Sein Leben war es, dieser Aufgabe Leben zu geben, der erste Bürger seiner Heimatstadt zu sein. Er hat diese Aufgabe gelebt, jeden Tag, nicht nur acht Stunden, sondern 24 Stunden.


Immer in Erinnerung

Das wichtigste politische lokale Ereignis, das ihm Zeit seines Lebens immer im Gedächtnis geblieben ist, war im Jahr 1979: Die Entscheidung für die Trassenwahl der Umgehungsstraße von Münnerstadt war gefallen. "Ich erinnere mich noch sehr lebhaft, sagte Betzer zu diesem Thema in einem früheren Interview mit der Saale-Zeitung, "wie die Gymnasiasten Särge vor dem Rathaus abluden. Im Rathaus saß man später quasi mit Hautkontakt nebeneinander".

Ein anderer Vorfall ist vielen vielleicht nicht mehr so geläufig, er beschreibt aber auch exemparisch das Verhältnis, dass Ferdinand Betzer als Bürgermeister zum Stadtrat (und umgekehrt) hatte: Als es in den 1970er Jahren um den Ausbau der B 19 ging, die Bundesstraße führte damals noch mitten durch die Stadt, hatte der Stadtrat beschlossen, die Engstelle am Marktplatz zu verbreitern und dafür das heutige Hotel/Restaurant "Bayerischenn Hof" abzureißen. Der Beschluss war vom Stadtrat mehrheitlich so gefasst worden, allein Ferdl Betzer setzte ihn nicht um. Er hielt diese Entscheidung für falsch und saß den Vollzug aus. Betzer hatte im Stadtrat nie alle Stimmen seiner Fraktion hinter sich, er hat sich seine Mehrheiten immer suchen müssen. Wie gesagt, bequem war er nie, auch für seine eigenen Parteifreunde nicht.


Nicht mit Wehmut gegangen

Als er am 30. April 1996 seinen letzten Arbeitstag als Bürgermeister hatte, ging er nicht mit Wehmut. "Wehmut ist nicht das richtige Wort", sagte er an diesem Tag, es sei eher eine intensive gedankliche Auseinandersetzung mit dem Beruf und der Aufgabe, die ihn an diesem Tag beschäftigte. Betzer stieg ins Privatleben ein - "Das ist ein angenehmes Gefühl von Freiheit". Aber auch da kam es nicht zu seniler Ruhe, Betzer blieib immer ein streitbarer Zeitgeist seiner Heimatstadt. In diese Zeit fiel sein Austritt aus der CSU, die Gründung einer neuen politischen Gruppierung in der Stadt namens "Forum aktiv", natürlich mit Ferdl Betzer. Er blieb aktiv als Pensionär, er war Verwalter des Juliusspital Seniorenheimes und übernahm zeitweise die Aufgabe des Regisseurs beim Heimatspiel in Münnerstadt.

In zweiter Ehe ist er verheiratet (seit 1986), mit seiner Frau Elisabeth hat er zwei Söhne, David (geb. 1987) und Gregor (geb. 1991). In erste Ehe war er mit Ilse Prell (gest. 1985) verheiratet und hatte mit ihr ebenfalls zwei Kinder (Thomas, geb.1959, und Ursula, geb. 1963). Lesen und Schreiben sind seine absoluten Hobbys, seine Aufzeichnungen füllen Bände und jede Menge Aktenordner, Ferdl Betzer hat sich stets für die Geschichte seiner Heimat interessiert und selbst ausgiebig geforscht.

Ein Mensch wie er, der soviel in seiner langjährigen aktiven Zeit in der Kommunalpolitik und in der Öffentlichkeit geleistet hat, der wird natürlich dafür auch zu recht ausgezeichnet. Ferdl Betzer trägt den Titel Altbürgermeister, er ist Ehrenbürger von Münnerstadt und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Er hat noch zahlreiche andere Ehrungen bekommen. Wichtig sind sie ihm nicht, für ihn von Bedeutung ist die Familie, Ehefrau und Kinder.

Nach einem Schlaganfall im Frühjahr dieses Jahres ist Ferdl Betzer noch nicht ganz wieder hergestellt. Die Familie hat sich daher entschieden, seinen heutigen 80. Geburtstag nicht in Münnerstadt, sondern während eines Kurzurlaubes im engsten Familienkreis zu feiern.

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