Bad Kissingen
Gericht

Falscher Staatsanwalt erpresste Geld

Glück hatte ein wegen Erpressung und weiterer Delikte angeklagter 28-Jähriger, dass er vor dem Schöffengericht noch mit einer Bewährungsstrafe davon kam.
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Das Urteil - ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung samt der Auflage von 100 Arbeitsstunden für einen gemeinnützigen Zweck, Rückzahlung des finanziellen Schadens von 6230 Euro und Überwachung durch einen Bewährungshelfer - nahm er sofort an.

"Allein Ihr spätes Geständnis hat Sie vor der Haft bewahrt", sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.
Denn zunächst hatte der Beklagte noch gelogen.

Nach einem freundlichen Kontakt zu einem Behinderten hatte der Angeklagte im Herbst 2011 in Erfahrung gebracht, dass jener sein erspartes Bargeld seit Jahren in einem Bankschließfach bunkert. Der 28-Jährige entwickelte eine gewisse Menge krimineller Energie, um an das Geld heranzukommen.

Zunächst lieh sich der zur Tatzeit arbeitslose Angeklagte kleinere Beträge aus, die er nach Vereinbarung ordnungsgemäß zurückzahlte. Gegen Quittung, versteht sich: Denn damit hatte der Angeklagte zugleich ein Muster für die Fälschung der Unterschrift in seiner Hand.

Fingierter Brief

Nach weiteren privaten Krediten mit Beträgen zwischen 200 und 800 Euro konnte es so nicht ewig weitergehen. Der 28-Jährige fingierte ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Schweinfurt, in dem der Geschädigte zur Zahlung einer Geldstrafe von 1600 Euro aufgefordert wurde. Den Briefkopf hatte der Angeklagte aus einem echten Schreiben der Staatsanwaltschaft kopiert, das ursprünglich an ihn selbst gerichtet war.

Bei einem zweiten Versuch mit einem so gefälschten Schreiben gelang es später nur noch, 650 Euro zu mobilisieren. Denn damit war das Geld im Schließfach aufgebraucht.

Mit dem Namen "Staatsanwalt Adler" hatte der Anklagte die fingierten Briefe unterzeichnet. Im Text drohte er: "Wenn kein Geld gezahlt wird, dann kommen Sie in Haft und verlieren Ihre Arbeit."

Richter und Staatsanwältin waren sich in der Verhandlung einig: "Diese Tat ist ziemlich schofelig und niederträchtig." Ein lebenserfahrener Erwachsener hätte vielleicht noch erkannt, dass es sich um eine Fälschung handelte, der Geschädigte aber hatte nach Auffassung des Gerichts überhaupt keine Chance.

Der 28-Jährige hatte Glück, dass er nicht wegen Amtsanmaßung erheblich schärfer verurteilt wurde. Es blieben die Tatvorwürfe Erpressung, Nötigung, Bedrohung, Betrug, Titelmissbrauch und Urkundenfälschung - im letzteren Fall hatte der Angeklagte mit einer gefälschten Quittung die angebliche Rückzahlung eines Kredits an den Geschädigten vortäuschen wollen.

Bevor das lückenlose Geständnis über die Lippen des Angeklagten kam, hatte dieser dem Schöffengericht weiszumachen versucht, er habe die "Scherzgeschichte" mit dem gefälschten Staatsanwalt Adler eigens zu dem Zweck erfunden, um dem Geschädigten "mit einem heilsamen Schock" auf die Beine zu helfen. "Der sollte daraus lernen", behauptete der Angeklagte. "Das Geld haben Sie aber behalten und die Unterschrift haben Sie gefälscht", entgegnete der Richter, der sich durch solche Märchen "nicht verarschen lassen" wollte.

Dem Hammelburger Polizisten, der damals ermittelte, bescheinigte die Staatsanwältin: "Sie haben hervorragende Arbeit geleistet." Denn der Beamte war darauf aufmerksam geworden, dass der Geschädigte in der fraglichen Zeit viel öfter als gewöhnlich an seinem Bankschließfach war.

/>Auch ein früherer Betrug deute auf die kriminelle Richtung des Angeklagten, erklärte die Staatsanwältin. Damals habe er nach Telefonaten mit seinen Opfern als falscher Zusteller versucht, Bargeld in die eigene Tasche abzukassieren.

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