Am Tag danach: War ein Pilotenfehler die Ursache für das missglückte Absetzmanöver bei Wollbach im Landkreis Bad Kissingen waren es doch Turbulenzen? Die Aussagen darüber widersprechen sich.

Andreas Bott, der Bergwacht-Einsatzleiter, hatte schon vor Ort vermutet, dass der Pilot der Bundeswehr-"Transall" sich nicht im richtigen Korridor der Landezone zwischen "Männerholz" und "Steinernem Kreuz" genähert habe. Am Dienstag sagte Bott, der Anflug sei zu weit südlich erfolgt. Er wollte Turbulenzen als Unfallursache nicht gelten lassen. Am Montag habe Windstille geherrscht. Dagegen wiederum spricht, dass auch zwei Soldaten der ersten Welle um 14 Uhr auf Bäumen gelandet waren. Sie konnten sich aber problemlos selbst befreien.

Major Matthias Duchscherer, Presseoffizier des 1. Deutsch-Niederländischen Korps, sagte, er könne nicht einen Pilotenfehler als Ursache bestätigten. Darüber lägen ihm keinerlei Informationen vor, das sei im Verband kein Thema gewesen. Aufgrund von Thermik und Aufwinden - "das kann immer mal wieder passieren" - seien die Springer in den nahen Wald abgedriftet. Auch die Polizei und Harald Albert von der Bad Kissinger Feuerwehr waren am Montag von Turbulenzen ausgegangen.

Alle sind wieder zurück


Für ihn und die Einsatzleitung, sagte Major Duchscherer, sei am wichtigsten, dass keiner der betroffenen Soldaten ernsthaft verletzt worden ist. Ein Springer musste sich wegen eines Hänge-Syndroms und wegen Problemen mit der Halswirbelsäule ambulant in einem Krankenhaus behandeln lassen. Er sei bereits wieder, wie seine Kameraden, in die Einheit zurückgekehrt. Sie alle gelten als erfahrene Fallschirmjäger, so auch Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt.

Major Duchscherer sagte zu der Aktion, die Zusammenarbeit mit den zivilen Rettungskräften habe super funktioniert. Gleiches gelte auch für die Einsatzführung vor Ort. Nach zwei Stunden sei die Sache erledigt gewesen. Die holländischen Soldaten hätten am Dienstag mit Hubschraubern nach Wildflecken oder auf andere Truppenübungsplätze verlegt.

Das Unglück ereignete sich bei der letzten von mehreren Wellen. Erneut war die C 160 "Transall" in Erfurt gestartet und in rund 300 Metern angeflogen, um 16 Soldaten nahe Wollbach abzusetzen. Deren militärische Schirme lösen automatisch bei Verlassen des Flugzeuges aus und sind nur sehr bedingt steuerbar. Mit ihnen ist die Landung auch deutlich härter als mit modernen, zivilen Geräten.

Acht Soldaten sind nach Angaben von Major Duchscherer abgetrieben worden und im Wald gelandet. Zwei seien "direkt wieder herausgegangen", sechs hätten aus 26 Metern Höhe befreit werde müssen. Nach Angaben von Bott waren jedoch sogar zehn Soldaten betroffen. Vier hätten sich selbst helfen können, fünf habe die Bergwacht geborgen, einen weiteren die Feuerwehr Bad Kissingen.

Wie Bott weiter sagte, ist dabei auch der professionelle Baumkletterer, Frank Glückler aus Frankenheim, zum Einsatz gekommen. Der sei in den Baumwipfeln "wie ein Eichhörnchen herumgeturnt".
Im Laufe der Woche würden noch die Schirme - Preis pro System: 5000 Euro - geborgen. Das sei am Montag wegen einbrechender Dunkelheit nicht möglich gewesen, sagte Bott weiter. Man könne die Schirme nicht im Wald belassen. Sie könnten bei starkem Wind auf die nahe Straße geweht werden.

Vor Ort waren mehr als 80 Einsatzkräfte aus fünf Wehren, Rotem Kreuz, Bergwacht und Polizei, Notarzt Ralph Brath und der Rettungshubschrauber "Christoph 18". Einsatzleiter war Kreisbrandrat Benno Metz.