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Fahrradrennen auf dem Vulkan?/Mit dem Fahrrad durch den Behördendschungel

Am Feuerberg fanden vor 14 Jahren die bayerischen Downhill-Meisterschaften statt. Ein Rhöner möchte nun erneut eine Mountainbike-Veranstaltung in dem Areal organisieren. Das ist allerdings nicht ganz so einfach.
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Vom Feuerberg aus soll ein Mountainbike-Rennen über den Kreuzberg führen. Der Organisator hat allerdings mit einigen Hürden zu kämpfen. Foto: Johannes Schlereth
Vom Feuerberg aus soll ein Mountainbike-Rennen über den Kreuzberg führen. Der Organisator hat allerdings mit einigen Hürden zu kämpfen. Foto: Johannes Schlereth

Stefan Knüttel aus Gersfeld hat eine Vision. Der Pächter des Feuerberglifts will ein 18 Kilometer langes Mountainbike-Rennen auf die Beine stellen. Die favorisierte Route läuft vom Feuerberg über den Guckaspass hinauf zum Kreuzberg. Von dort aus sollen sich fünf- bis achthundert Biker ins Tal in Richtung Langenleiten stürzen, von wo aus es wieder auf den Feuerberg zum Ziel geht. Mitbeteiligt ist der Rennveranstalter EnduroOne aus Weissenburg in Bayern. Auf der gleichen Route will Knüttel an einem anderen Termin außerdem ein Marathonlauf organisieren. Unklar ist allerdings noch, ob beide Veranstaltungen stattfinden.

"Eigentlich sollte das Rennen im kommenden Jahr stattfinden", sagt Stefan Knüttel. Der Gersfelder ist im Outdoorbereich kein Unbekannter. Mit seiner Firma Rhön-Adventure-Academy organisiert er immer wieder Veranstaltungen im Grünen. Gemeinsam mit seinem Partner Christian Hens von EnduroOne reichte er für das Mountainbike-Rennen bereits im Juni diesen Jahres Streckenvorschläge ein. Weil die Wunschroute durch Rhön-Grabfelder und Bad Kissinger Gebiet führt, sprach er mit Vertretern der beiden Landratsämter. Jürgen Metz aus der Geschäftsleitung des Bad Kissinger Landratsamtes sagt: "Wir haben dem Veranstalter gegenüber signalisiert, dass wir das Vorhaben interessant finden." Für die notwendigen Genehmigungen sei allerdings der Nachbarlandkreis zuständig, weil ein größerer Teil der Strecke durch dessen Gebiet führt.

Eine Antwort hat Knüttel von dort nach eigener Aussage seitdem nicht erhalten. Im November richtete er einen Brief an den zuständigen Landrat Thomas Habermann (CSU) - eine Reaktion gab es danach ebenfalls nicht. Vom Landratsamt in Rhön Grabfeld heißt es jetzt auf Nachfrage dieser Redaktion, dass die Behörde noch mit dem Veranstalter in Kontakt sei und den Dialog zeitnah weiterführe. Kurz vor Redaktionsschluss meldete sich das Amt am Freitag bei Knüttel. Denn die dortige untere Naturschutzbehörde hat Probleme mit Knüttels Wunschrouten.

Diese laufen überwiegend auf Forst- und Wanderwegen. "Es geht unter anderem darum, ob Schutzgebiete oder Artenschutzbelange tangiert werden", sagt Sophia Mohr von Stabsstelle Kreisentwicklung im Landratsamt Bad Neustadt. "Die Strecke verläuft durch diverse Schutzgebiete", teilt Dieter Weisenburger von der unteren Naturschutzbehörde auf Nachfrage mit. Betroffen seien unter anderem der Wasserschutz und der Naturschutz. Für Kritik sorgt auch die Wegenutzung. Wanderer und Biker müssten sich manchen Streckenabschnitt teilen. Als Kompromiss schlägt das Landratsamt Rhön Grabfeld vor, die Strecke leicht anzupassen. "Damit auch auch andere Nutzergruppen wie Wanderer die Wege zeitgleich nutzen können, ohne dass es zu Konfliktsituationen kommt", teilt Mohr mit. Ein neuer Streckenvorschlag bedarf dann einer erneuten Überprüfung seitens der Behörde.

Der Mountainbike Fachmann Andreas Schubert hält das Konfliktpotential allerdings für sehr gering. Der Gerodaer hat bei dem Mountainbike-Wegekonzept des Landkreises bei der Streckenplanung mitgearbeitet. Außerdem griff er Knüttel bei dessen Rennplänen unter die Arme. "Der Zeitraum, in dem Läufe auf der Strecke stattfinden ist klein. Es ist nicht so, als ob für mehrere Stunden ein Mountainbiker-Pulk den Wanderer vom Laufen abhält", sagt er.

Das liegt an der Organisation des Rennens, das sich in zwei Phasen gliedert. "Es gibt die sogenannten Stages. Das sind Abfahrten, an denen Zeiten gemessen werden", sagt Mitveranstalter Hens von EnduroOne. Auf der Strecke sind das fünf bis sieben kurze Abschnitte. "Den Großteil der Strecke machen die Transfer-Stücke aus. Da sind die Fahrer im Individualtempo unterwegs." Allerdings: "Wir schicken alle sechs bis sieben Minuten einen Fahrertrupp los - das sind circa 20 Leute. Dadurch gibt es keine verstopften Wege oder Straßen", führt Hens aus.

Potenzial in dem Rennen sieht auch Kathrin Kupka-Hahn von der Rhön GmbH: "Das ist gut für das Image der Rhön, die schon lange nicht mehr nur eine beliebte Wanderregion ist, sondern auch ein Paradies für Mountainbiker." Ein Rennen in diesem Format berge zwar Herausforderungen für alle Beteiligten, aber auch die Chance für die Rhön sich und ihre Angebote zu präsentieren.

Info:

Heiko Mittelstädt zuständig für die Fachberatung bei der Deutschen Initiative Mountainbike e.V. (DIMB) hält die Rhön für ein geeignetes Terrain zum Biken. "Sie liegt in der Mitte von Deutschland und ist deshalb gut zu erreichen", sagt er. Vor einiger Zeit war er selbst privat vor Ort und durfte die Rhön im wahrsten Sinn des Wortes erfahren. Unterwegs war er dort unter anderem auf dem Flowtrail am Kreuzberghang. Dieser ließe sich beispielsweise in die Rennstrecke einbinden. Das ist auch Teil von einem Streckenkonzept Knüttels. "Wanderer sind dort nicht unterwegs", sagt Mittelstädt. Konflikte oder Unfälle zwischen Bikern und Wanderern gäbe es auf dieser Abfahrt daher nicht. Problematisch sei auch der Begriff des "Enduro-Fahrens". "Viele denken da zunächst mal an Motorräder. Dahinter verbirgt sich aber ein Mountainbike mit großem Federweg."

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