Bad Kissingen
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Fachkräftemangel: Staatsbad Bad Kissingen mit Hochglanz zur Fachkraft

Alles neu: Jobportal, Infoflyer, Stellenanzeigen. Die Staatsbad GmbH wirbt im Kampf um Personal für sich als attraktiver Arbeitgeber. Mit Kommentar.
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Kurdirektorin Sylvie Thormann arbeitet in ihrem Büro im Luitpoldbad vor schöner Kulisse. Auch sonst will sich die Staatsbad GmbH als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Benedikt Borst
Kurdirektorin Sylvie Thormann arbeitet in ihrem Büro im Luitpoldbad vor schöner Kulisse. Auch sonst will sich die Staatsbad GmbH als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Benedikt Borst

Fünf offene Stellen bietet die Bayerische Staatsbad GmbH derzeit auf ihrem Karriereportal im Internet an, darunter zwei Techniker für Veranstaltungen. Eine Fachkraft und ein Meister werden gesucht, seit Anfang des Jahres sind die Stellen schon ausgeschrieben. Dass bestehende Team braucht Verstärkung. Derzeit muss die Staatsbad sogar auf externe Dienstleister zurückgreifen, um die anfallende Arbeit zu bewältigen. "Die Herren in dem Bereich sind sehr gefragt. Für uns ist es am schwierigsten, Fachkräfte für Veranstaltungstechnik zu finden", berichtet Kurdirektorin und Staatsbad Geschäftsführerin Sylvie Thormann.

Dabei habe das Unternehmen als Arbeitgeber durchaus gute Argumente - insbesondere um Techniker anzusprechen, die mit Künstlern auf Tour sind: Einen festen Arbeitsplatz mit geregelten Arbeitszeiten, ein historisches Ambiente und moderne Technik sowie eine große Vielfalt an Produktionen, die aufgeführt werden.

Diese Stärken sollen jetzt besser nach außen kommuniziert werden. Im Kampf um die besten Fachkräfte will sich die Staatsbad GmbH als attraktiver Arbeitgeber positionieren. "Employer Branding" heißt das auf neudeutsch. Gemeint ist damit, dass der Arbeitgeber sich als Marke bewirbt, um bessere Chancen bei Bewerbern zu haben. "Es hat in den letzten Jahren ein großer Wandel im Arbeitsmarkt stattgefunden", erklärt die Kurdirektorin. Der allgemeine Personal- und Fachkräftemangel mache auch vor der einstigen staatlichen Kurverwaltung nicht halt. Thormann: "Wir haben entschieden, an unserer Außendarstellung zu arbeiten." Man müsse sich gut präsentieren, um von qualifizierten Arbeitnehmern wahrgenommen zu werden und um sich von anderen Arbeitgebern abzuheben.

Positive Resonanz auf Jobmesse

Interessierte, die sich auf dem Karriereportal umsehen (www.staatsbad-badkissingen.de), stoßen auf große, helle Bilder, freundliche Zitate von Mitarbeitern und werden direkt angesprochen: "Schön, dass du da bist" und "Wir suchen Macher". Eine Website wie eine Hochglanz-Werbebroschüre. Wer will, kann sich durch die einzelnen Abteilungen klicken. Dabei bekommt er Informationen über die verschiedenen Berufe und Aufgaben, angefangen bei der Brunnenfrau über das Kurtaxwesen, das Kurorchester und die Kurgärtnerei bis zum Heilquellentechniker.

Die neue Homepage ist ein Teil der Strategie. Passend dazu gibt es einen Infoflyer, der auf Job- und Karrieremessen verteilt wird, außerdem wurden die Stellenbeschreibungen und Stellenanzeigen überarbeitet. "Wir achten darauf, keine 08/15 Anzeigen zu machen und achten auf eine moderne Ansprache", sagt Thormann. Außerdem wirbt das Unternehmen mit kleinen Schmankerln für Mitarbeiter wie den vergünstigen Eintritt zum Fitnessbereich der Kisssalis-Therme. "Wir möchten, dass du dich wohlfühlst", heißt es auf der Homepage dazu.

Die Kurdirektorin sieht das Unternehmen damit gut für die Zukunft gerüstet. Sie berichtet von ersten, positiven Erfahrungen: Die Resonanz auf der Mainfranken-Jobmesse sei sehr zufriedenstellend gewesen. Auch das Bewerberinteresse an einer aktuell zu besetzenden Musikerstelle bei der Staatsbad Philharmonie Kissingen (vormals Kurorchester) habe sich verbessert.

Nachbessern bei Entlohnung

Für Sinan Öztürk, Bezirksgeschäftsführer bei der Gewerkschaft Verdi, gelten andere Maßstäbe, wenn es darum geht, wie attraktiv ein Arbeitgeber ist. Wie sind die Arbeitsbedingungen, erfolgt die Bezahlung nach Tarif, gibt es eine betriebliche Altersvorsorge, wie familienfreundlich ist der Arbeitgeber? Hieran müssen sich Unternehmen messen lassen. "Wer attraktive Arbeitsbedingungen bietet, hat größere Chancen beim Bewerber", sagt er. Das fange schon bei Auszubildenden an.

Die Staatsbad GmbH hat in den vergangenen Jahren für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, unter anderem wegen eines Lohngefälles zwischen Alt- und Jungbeschäftigten, aber auch wegen interner Auseinandersetzungen um die Wahl eines Betriebsrates und eines Schwerbehindertenbetriebsrates. Die Querelen fallen in die Amtszeit von Frank Oette, dem Vorgänger Thormanns. Thormann erklärt, dass die neue Marketing-Offensive nicht als Reaktion auf die Streitereien zu verstehen ist. Bei aktuellen Vorstellungsgesprächen "fällt das nicht stark ins Gewicht". Es gebe zwar nach wie vor keine Arbeitnehmervertretung, aber "es wäre mit Sicherheit zu unterstützen, wenn es Neuwahlen geben würde. Ich bin da sehr offen", sagt Thormann. Das Thema Lohngerechtigkeit sei nicht von heute auf morgen für alle Mitarbeiter zu erreichen, aber es seien nach und nach Gehaltsanpassungen vorgesehen.

Für Rathaus nicht geeignet

Nicht nur die Staatsbad GmbH auch die Stadt Bad Kissingen hat bei technischen Berufen Schwierigkeiten, Fachpersonal zu bekommen. "Bei Bautechnikern zum Beispiel ist der Markt abgegrast", sagt Rathaussprecher Thomas Hack. In der Regel gelinge es aber noch ganz gut, freie Stellen zu besetzen. Kommunen seien nach wie vor attraktive Arbeitgeber. Deshalb gibt es in der Verwaltung auch keine Überlegungen die Kampagne der Staatsbad zu übernehmen und sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen. Hack sieht "Employer Branding" eher als Strategie für Privatunternehmen. Das lasse sich schlecht auf die öffentliche Hand übertragen und passe auch nicht zu hoheitlichen Aufgaben, die eine Gebietskörperschaft wahrzunehmen hat.

Die Staatsbad als Tochtergesellschaft von Stadt und Freistaat agiere frei am Markt. "Ich halte es für grundsätzlich für eine gute Idee, weil sie ein attraktiver Arbeitgeber ist, dass sie das auch darstellt", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Die internen Auseinandersetzungen in dem Tochterunternehmen kommentiert er nicht.

Kleine Gutsel gegen die Tarifflucht

Kommentar

Die Werbestrategie der Staatsbad GmbH im Kampf um Fachkräfte muss nicht jedem gefallen. Das gilt eigentlich für alle "Employer Branding Kampagnen". Wer will, kann so gut wie immer hinterfragen, ob mit den schönen Bildern, den netten Texten und den Gutseln für die Mitarbeiter nicht irgendwelche unliebsamen Zustände kaschiert werden sollen. Auf der anderen Seite ist es für jedes Unternehmen legitim, auf die eigenen Vorzüge hinzuweisen.

Auch wenn es sich bei der Staatsbad GmbH um ein privatrechtliches Unternehmen handelt. Sie ist eine Tochtergesellschaft der Stadt und des Freistaats und ist auf öffentliche Gelder angewiesen. Rund eine Millionen Euro bekommt die Kurverwaltung jedes Jahr von der Stadt überwiesen. Da ist bei ihr auch der Blick auf die Arbeitsbedingungen wichtig. Kommunen und staatliche Einrichtungen nehmen hoheitliche Aufgaben wahr, sie haben Vorbildcharakter und tragen Verantwortung auch gegenüber ihren Tochtergesellschaften und gegenüber den Mitarbeitern dort.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern hat im Sommer eine Untersuchung zur Tarifsituation im Freistaat veröffentlicht. Dabei bemängeln die Gewerkschafter eine starke Tarifflucht. Die Tarifbindung gehe seit Ende der 1990er Jahre drastisch zurück, was sinkende Löhne für die Beschäftigten ohne Tarif mit sich bringe. Der DGB fordert, dass der Freistaat ein Tarifvergabe-Gesetz einführt, also dass öffentliche Aufträge nur an Firmen vergeben werden, die ihre Beschäftigten nach Tarif entlohnen.

Schauen wir uns die Zahlen an: In Bayern halten sich laut DGB-Studie 53 Prozent der Unternehmen an Tarifverträge. Der Freistaat ist damit das Schlusslicht der westdeutschen Bundesländer. Deutschlandweit ist die Tarifbindung in Sachsen am geringsten. Nur 43 Prozent der Unternehmen zahlen dort nach Tarif. Der Bezirk Unterfranken steht da aber leider nicht viel besser da: Gerade einmal 44 Prozent beträgt die Tarifbindung bei uns in der Region.

Tarifverträge fallen natürlich nicht vom Himmel. Wenn die Lohnungerechtigkeit für die Mitarbeiter der Staatsbad GmbH wirklich ein großes Problem ist, das sich nicht bessert, dann hat die Belegschaft grundsätzlich die Möglichkeit, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Über einen Arbeitskampf können sie dann ihre Forderungen durchsetzen. Bei der Bayerischen Seenschifffahrt, ebenfalls ein ehemals staatlicher Betrieb, haben die Beschäftigten so einen Tarifvertrag erfochten.

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