Bad Kissingen
Konzert

Eva Smirnova: Die Meisterin der 88 Tasten in Bad Kissingen

Eva Smirnova begeisterte mit Brahms im Rossini-Saal. Mit oft geschlossenen Augen spielte sie mit voller Sensibilität und Grazie.
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Wenn Eva Smirnova am Flügel, auf der fast abgedunkelten Bühne sitzt sitzt, hat man als Zuhörer immer das Gefühl, sie spielt nur für sich und kehrt ihr Inneres nach außen. Foto: Peter Klopf
Wenn Eva Smirnova am Flügel, auf der fast abgedunkelten Bühne sitzt sitzt, hat man als Zuhörer immer das Gefühl, sie spielt nur für sich und kehrt ihr Inneres nach außen. Foto: Peter Klopf
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Noch immer geht eine besondere Faszination von der Eva Smirnova aus. Eva Smirnova kennt man bereits seit über zwei Jahrzehnten aus zahllosen Konzerten in der Kurstadt. Nach all den Jahren ist sie immer noch eine Virtuosin, die ihre Zuhörer begeistern kann. Dies merkte man sofort, wie die Pianistin die 88 Tasten ihres pechschwarzen Konzertflügels im Rossini-Saal des Regentenbaues zum Klingen brachte und von Anfang an bezaubernde Klangwelten schuf. Mit oft geschlossenen Augen interpretierte sie - mit voller Sensibilität und Grazie - ihre Konzertliteratur.

Der Zuhörer merkte sofort, dass sie nichts von ihrer anziehenden Spielweise verloren hat. Ihre Leidenschaft zur Musik setzte sie in punktgenauer Dynamik und präzisen Tempi um. Man hatte das Gefühl, sie setzt ihr Herz in Noten um. Schon César Franck's anspruchsvolles "Prélude, Aria et Final" war ein besonderer Hörgenuss. Johannes Brahms 12 Walzer aus Opus 39 lockerten und entspannten nach dem schwierigen Werk sie und das Publikum vor der Pause. Brahms schrieb 16 Klavierwalzer, auf denen man nicht tanzen konnte, die vielmehr der Unterhaltung dienten. Den Höhepunkt der zwölf Walzer, die Smirnova darreichte, bildete Brahms wohl berühmtester Walzer "Nr. 15 A-Dur". Der schmelzende Zwiegesang der sanft wiegenden Ländlerweise bezaubert noch immer.

Wahre Größe

Anspruchsvollstes der Werke Johannes Brahms im Programm von Eva Smirnova war die "Klaviersonate Nr. 3 in f-Moll opus 5." Wuchtig in der Einleitung, dem "Allegro maestoso", zauberhaft im "Andante espressivo", Spanungsgeladen im "Scherzo", traurig im "Intermezzo" und mit dramatischen Gewicht im "Finale" forderte dieses schwierige Stück die Pianistin heraus. Eva Smirnova zeigte hier ihre wahre Größe und schuf betörende musikalische Traumbilder vor dem geistigen Auge der Zuhörer. Riesiger langanhaltender Applaus, als Belohnung, schlug von einem begeisterten Publikum ihr entgegen.

Drei Zugaben

Eine besondere Gabe von ihr ist es, dass sie weiß, was sie kann und was sie tun muss, um ihre Zuhörer zu überzeugen. Drei Zugaben musste die Künstlerin geben, was sie auch gerne gab, bevor sie die Bühne verlassen konnte.

Eva Smirnova in Leningrad geboren, erhielt ab dem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht und studierte dann bei Professor Natan Perelman am Staatlichen Rimskij-Korsakow-Konservatorium Leningrad. 1965, noch während ihres Studiums, nahm sie am Chopin-Wettbewerb in Warschau teil und erhielt ein Ehrendiplom. Ihre Ausbildung am Konservatorium schloss sie in sämtlichen Disziplinen mit Auszeichnung ab. Der legendäre Pianist Arthur Rubinstein, dem sie vorgestellt wurde, zeigte sich tief beeindruckt von der technischen Brillanz, Klangschönheit und Ausdruckskraft ihres Spiels. Durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs wurden der Künstlerin endlich auch Auftritte im Westen ermöglicht. Zur Zeit lebt Eva Smirnova in Bad Kissingen, wo sie auch zahlreiche Konzerte beim "Kissinger Sommer" sowie sechs Klavierkonzerte von Mozart und Beethoven mit der Sinfonia Varsovia und den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt gegeben hat. Der Romantikerin aus tiefster Seele stehen Chopin, Schumann, Schubert und Liszt besonders nahe, gefolgt von Brahms, Rachmaninow, Ravel und Debussy. Für den WDR Köln und den Bayerischen Rundfunk spielte sie einige Werke von Schostakowitsch, Chopin, Liszt/Saint-Saens und Rachmaninow ein.

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