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Bad Kissingen
Lebenswege

"Es gibt ein Leben nach dem Beruf"

Christa Deuchert hört nach 35 Jahren als Hautärztin auf.
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Endlich mehr Zeit zum Lesen: Christa Deuchert (66) blättert in einer Biografie über Julius Kardinal Döpfner. Sigismund von Dobschütz
Endlich mehr Zeit zum Lesen: Christa Deuchert (66) blättert in einer Biografie über Julius Kardinal Döpfner. Sigismund von Dobschütz
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Schon vor zwei Jahren hat Christa Deuchert (66) ihre Facharztpraxis mit angeschlossenem Belladerm-Institut für Laserchirurgie in der Ludwigstraße an das Arztehepaar Heiko und Lidia Poppe verkauft, und nur noch 20 Stunden pro Woche angestellt gearbeitet. "Es gibt ein Leben nach dem Beruf", sagt sie. Sie hat keine Angst vor Leerlauf.

Bad Kissingen stand nicht auf der Liste, als sich 1982 die 31-jährige Fachärztin nach fünfjähriger Tätigkeit an der Würzburger Hautklinik mit eigener Praxis selbstständig machen wollte. Landau in der Pfalz, Trier oder Bamberg hatte ihr die Kassenärztliche Vereinigung angeboten. Doch gelang es ihr, mit Unterstützung ihres in der Kurstadt geborenen Mannes Klaus, die Kassenärztliche Vereinigung vom hautärztlichen Bedarf in Bad Kissingen zu überzeugen. "70 Patienten und einen Hund musste ich an meinem ersten Arbeitstag behandeln", erinnert sich Deuchert noch heute.

Im hessischen Offenbach am Main geboren, studierte sie ab 1969 in Frankfurt, wechselte aber 1973 nach Würzburg. Dort verliebte sie sich prompt in Klaus Deuchert, der als promovierter Chemiker noch ein Medizinstudium anschloss. Schon im nächsten Jahr wurde geheiratet. 1984 stieg Ehemann Klaus in die seitdem gemeinsam geführte Praxis seiner Frau ein.

Christa Deuchert war zu diesem Zeitpunkt bereits Mutter des zweijährigen Thomas (heute 35). Die Doppelbelastung als Ärztin und Mutter zu bewältigen, fiel ihr nicht leicht. Doch beruflich kürzer zu treten, war unmöglich: "Die Patienten standen Schlange." Da war die Nähe der Schwiegereltern "ein Glücksfall". Die Großeltern kümmerten sich liebevoll um den Enkel. "Eine Haushälterin wollten sie nicht dulden." Erst als 1989 Sohn Benedikt folgte, wurde eine Haushaltshilfe eingestellt.

Vor der Kommunalwahl 1996 warb sie Eberhard Gräf (CSU), heute Kreisvorsitzender der Senioren-Union, als Kandidatin für den Stadtrat an. "Ich habe mich ganz unten auf die Liste setzen lassen." Doch ab Mai saß sie für die CSU im Rathaus, weshalb sie auch Parteimitglied wurde. "Die christlich-sozialen Werte haben mich als praktizierende Katholikin überzeugt."

Doch nach zwölf Jahren verzichtete Deuchert auf eine weitere Kandidatur. Die zeitliche Belastung war ein Grund: 1997 hatte sie zusätzlich zur Praxis noch ihr Belladerm-Institut eröffnet. Allerdings hatte sie auch wiederholt feststellen müssen, "als einzelner Stadtrat nicht so viel umsetzen zu können, wie man sich erhofft".

Der schmerzlichste Einschnitt im Leben Deucherts war 2013 der Unfalltod ihres damals 67-jährigen Ehemannes, der bei der jährlichen Bergtour mit Sohn Benedikt vor dessen Augen in den Tod stürzte. "Es war mein privater und beruflicher Supergau." Nicht nur der unerwartete Verlust des Lebenspartners war zu verarbeiten, auch die berufliche Partnerschaft in der Gemeinschaftspraxis war nach drei Jahrzehnten abrupt abgebrochen. Die Zulassung für die zweite Arztstelle war gefährdet. Christa Deuchert blieb kaum Zeit zum Trauern. "Ich packe das an", nahm sie sich vor und arbeitete ein Jahr lang, bis endlich Heiko Poppe als zunächst angestellter Arzt sie unterstützte, täglich bis Mitternacht. "Die Arbeit war meine Therapie." Als Privatmensch fand sie Trost in ihrem Glauben und wurde "von Freunden aufgefangen".

Im Ruhestand will Deuchert diesen Freunden, vor allem aber ihren zwei Enkeln in Würzburg mehr Zeit widmen. Im Sommer mag sie außerdem Gartenarbeit, will aber auch mehr reisen - Kulturfahrten, Festspielbesuche, Wandern. "Strandurlaub ist nichts für mich, nach drei Tagen werde ich nervös." Jetzt im Winter ist Lesen angesagt, besonders theologische Literatur, Musik hören oder das Bekochen von Freunden. Lernen will sie noch das Gestalten von Fotobüchern am PC. "Ich habe bestimmt genug Programm." Sollte sie in ihrer früheren Praxis als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung gewünscht sein, will sie gern einspringen: "Mir macht mein Beruf immer noch Spaß."

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