Bad Kissingen
Berufsstart

Erster Schultag - mit 25 Jahren

Raus aus dem Studium, zurück in die Schule. Referendarin Viktoria Kröner wurde ans Bad Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasium versetzt. Sie will einen modernen Unterricht halten, mit DVDs und Youtube.
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Viktoria Kröner vor der Büste von Jack Steinberger, dem Namensgeber des Bad Kissinger Gymnasiums. Am Donnerstag hat die 25-Jährige hier ihren ersten Schultag - als Lehrerein.  Foto: Melissa Hager
Viktoria Kröner vor der Büste von Jack Steinberger, dem Namensgeber des Bad Kissinger Gymnasiums. Am Donnerstag hat die 25-Jährige hier ihren ersten Schultag - als Lehrerein. Foto: Melissa Hager
Um kurz vor sechs Uhr schrillt der Wecker. Viktoria Kröner ist aufgeregt, sie besucht am Donnerstag zum ersten Mal den Unterricht in ihrer neuen Schule. Sie fragt sich, wie sie von den Schülern und den Lehrern aufgenommen wird und ob sie sich dort gut einlebt. Ihre Bücher, Arbeitsblätter und Stifte - alles, was sie braucht - hat sie am Abend vorher zurecht gelegt. Kröner lässt sich Zeit für ihr Frühstück, "dann fühle ich mich fitter", sagt sie.
Gegen sieben Uhr verlässt sie ihre Wohnung in Estenfeld und fährt an das Jack-Steinberger-Gymnasium nach Bad Kissingen.

Die Schule ist das nächste halbe Jahr der neue Arbeitsplatz der 25-Jährigen. Kröner hat 2012 ihr Staatsexamen bestanden und im selben Jahr ihr Referendariat begonnen. Jetzt wird sie in Bad Kissingen eingesetzt, um Praxiserfahrung zu sammeln.

25 Lehr-Neulinge

Neben den fortgeschrittenen wie Kröner treten heute 25 Nachwuchslehrer und -lehrerinnen ihren Dienst im Landkreis an. "Jeder Referendar mit abgeschlossenem Staatsexamen bekommt in Bayern eine Stelle angeboten", sagt Henning Gießen, Pressesprecher beim bayerischen Bildungsministerium in München. Das Ministerium verteilt die Lehrer an die Realschulen und Gymnasien. 12 Referendare wurden der Realschule Bad Kissingen zugeteilt. Laut Rupert Kestler vom Schulamt Bad Kissingen beginnen 13 Lehramtsanwärter an verschiedenen Grund- und Mittelschulen. "Wir haben damit momentan die Planstellen besetzt", sagt Kestler.

Viktoria Kröner hat ein Gefühl für Sprachen und unterrichtet Englisch, Spanisch und Deutsch. Sie fiebert dem ersten Arbeitstag am Jack-Steinberger-Gymnasium entgegen. "Bei einem Referendar ist es mit der Aufregung auch ein bisschen so wie bei den Schülern", sagt die junge Lehrerin. Sie muss sich auf eine unbekannte Umgebung einstellen, kennt weder das Lehrerkollegium noch die Schüler. Immerhin weiß sie, welche Jahrgangsstufen sie unterrichten wird: Von der sechsten bis zur zehnten Klasse ist fast alles dabei. "Damit habe ich bisher super Erfahrungen gemacht", sagt Kröner.

Kein stocksteifes Unterrichten

Gleich zu Beginn steht eine Doppelstunde Englisch auf dem Plan. "Da kann ich schon mit etwas Stoff anfangen", überlegt das Sprachtalent. Natürlich gibt es zunächst die üblichen Vorstellungsrunden, in denen sich Lehrerin und Schüler etwas kennenlernen. Der Unterrichtsablauf wird geklärt und die Regeln für Hausaufgaben, Abfragen und Proben werden festgelegt. "Man versucht klare Regeln aufzustellen", sagt sie. Ein gesundes Mittelmaß zwischem lockeren und strengen Unterricht soll gefunden werden. Sie will nicht stocksteif vor der Klasse an der Tafel stehen, gleichzeitig muss sie respektiert werden. "Ich will ein gutes Verhältnis zu meinen Schülern, aber sie sollen wissen, wer da vorne das Sagen hat."

Sprachen lernen mit Youtube

Den Unterricht versucht die Referendarin möglichst modern zu gestalten. Er solle die Jugendlichen ansprechen. Die Schüler müssten merken, dass sie das Gelernte fürs Leben brauchen. Um einen anschaulichen Unterricht zu gestalten, greift sie auf verschiedene Medien zurück. "Ich versuche sie einzusetzen, wenn man sie hat", sagt Kröner. Gibt es zu einem Buch eine gute Verfilmung, besorgt sie sich die DVD und führt Teile vor. Sprachbeispiele können als Filmschnipsel auf Youtube angehört werden. Das bietet sich ihrer Meinung nach bei Fremdsprachen an. Kröner: "Ich zeige kurze Ausschnitte aus Filmen oder animierte Folien. Die Schüler sind anfangs etwas erschrocken und sagen ,Oh Gott, der spricht so schnell spanisch, ich verstehe kein Wort', aber dann gewöhnen sie sich daran." Wichtig sei, die Schüler nicht damit zu überschütten, sondern die richtige Mischung zu finden. "Dann kann man sie gut motivieren", sagt sie.
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