Oberthulba
Elektromobilität

Erste Fahrt im Flüster-Bus

Die Elektromobilität ist in aller Munde. Die Entwicklung von E-Bussen fürs Land steht aber noch ganz am Anfang. Interessierte konnten einen solchen Bus jetzt testen.
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Das Fachpublikum staunte: Die Testfahrt mit dem Elektrobus von Oberthulba bis nach Oehrberg und über die Autobahn zurück war kaum anders als mit dem Dieselbus. Selbst bergauf ging's problemlos.Kerstin Väth
Das Fachpublikum staunte: Die Testfahrt mit dem Elektrobus von Oberthulba bis nach Oehrberg und über die Autobahn zurück war kaum anders als mit dem Dieselbus. Selbst bergauf ging's problemlos.Kerstin Väth
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Von außen sieht der 2.2 aus wie jeder andere Bus auch, aber unter der Motorhaube befindet sich eine 405 kW/h-Batterie. Damit kommt er auf leisen Sohlen laut Hersteller 350 bis 450 Kilometer weit und ist somit eine Rarität. Denn die meisten E-Busse sind bisher lediglich in Städten wie Hamburg und München im Einsatz, aber nicht über Land.

Der niederländische E-Bus-Hersteller Ebusco hat sich der Herausforderung gestellt und für die DB Regio Bus zwei Überlandbusse gebaut, die ab Ende des Jahres in die Praxistestphase gehen sollen. Am Mittwoch hatte ein regionales Fachpublikum aus Omnibusunternehmern, ÖPNV-Beauftragten und Kreisräten die Möglichkeit, sich einen Nachmittag über den Elektrobus zu informieren und mitzufahren. Denn er machte auf der Heimreise von einer Messe Station in Oberthulba. Am Steuer: Wolfgang Hackauf, Verkaufsleiter von Ebusco. Er kennt jedes Detail des Busses, aber auch jede Tücke und kann auch jederzeit selbst Hand anlegen.

Mehr Busse Überland

Seit dem ersten elektrobetriebenen Omnibus 1882, der über ein Oberleitungssystem gefahren ist, hat sich viel verändert. Inzwischen gibt es 17 Hersteller in Europa, die Elektrobusse bauen. Allerdings alle für die Stadt, weil die Reichweite Überland größer und trotzdem wirtschaftlich sein muss.

Hackauf erläuterte, dass in Deutschland 22 000 Stadtbusse, aber doppelt so viele Überlandbusse fahren. Das Geschäft Überland sei also weitaus größer. Doch die bisherigen vollelektrischen Busse, rund 98 Einheiten sind deutschlandweit bisher zugelassen, haben lediglich eine Reichweite von 150 bis 260 Kilometer - je nach Ladesystem.

Ziel war es einen Überlandbus zu entwickeln, der ohne Nachladung 450 Kilometer schafft. Im Herbst ist es soweit. Dann ist der zwölf Meter lange Bus mit 40 bis 45 Sitzplätzen fertig für den Praxiseinsatz.Heizung und Klimaanlage laufen über eine Wärmepumpe. Das hat den Vorteil, dass der Bus vorgewärmt (bzw. wahlweise auch vorgekühlt) werden kann, bevor die ersten Gäste einsteigen. Die Sitzheizung wird gerade kalkuliert und selbst über einen Getränkeautomat wird nachgedacht. "Auch die Sitzbelegung per App ist heute kein Problem mehr", so Hackauf.

Batterien gibt's nur in Asien

In dem Testbus sind 1088 Batteriezellen verbaut, von denen jede einzeln angesteuert werden kann. Sie kosten allein 180 000 Euro und haben eine Mindestlaufzeit von zehn Jahren. Einen Hersteller der Batterien in Europa gibt es leider nicht, die Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien, die im Zwischenboden verbaut sind, kommen aus China. Dort findet derzeit auch die Herstellung des E-Busses statt, der insgesamt 500 000 Euro kostet.

Allerdings hat Ebusco die chinesische Herstellerfirma inzwischen gewechselt. Denn bei einem der ersten Modelle, das als Nessi-Bus durch Bad Neustadt fährt, gab es einige Verzögerungen in der Herstellung und Ausfälle im Betrieb, wie Christian Rutter von den Stadtwerken Bad Neustadt berichtete. Als die Neustädter ihren E-Bus in Auftrag gaben, "gab es keine großen Anbieter und keine Erfahrungswerte, was einen hohen Nachbearbeitungsbedarf zur Folge hatte". Aber Hackauf weiß: "Die Entwicklung wird weiter gehen, schon jetzt bauen Chemiker Batterien aus zerstampften Eierschalen." Auch Daniel Busse von der DB Regio Bus berichtete von vielen Pilotprojekten in Sachen Elektromobilität. "Man merkt in der Branche geht es voran, aber wir stehen noch am Anfang, die Verfügbarkeit muss vorhanden sein; ich denke, in ein bis zwei Jahren wissen wir mehr."

Während ein Bus bereits über die vorhandene Leitung der KOB GmbH geladen werden könnte, erläuterten Christine Pfaff und Michael Straub von der Bayernwerk Netz GmbH die Möglichkeiten und Kosten für notwendige Ladesäulen bzw. eine Station für mehrere E-Busse.

Über den Anstoß, den der Info-Nachmittag des Landkreises geben sollte, freute sich Franz-Josef Grasmann, Vorsitzender beim Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmer, Bezirk Unterfranken. Es sei zwar nur ein erster Schritt auf einem langen Weg, aber der sei wichtig. "Wir müssen an die Politik ran, es muss Förderprogramme geben, sonst schaffen wir das nie", ermahnt er Landrat Thomas Bold.

Und da stimmt ihm Bold zu. Bad Kissingen sei der einzige Landkreis in Bayern, der an einem Busunternehmen beteiligt ist und durch die Kooperation mit dem OVF in einer Sondersituation. "Wir können froh sein, dass Ebusco hier investiert, denn es braucht eine gewisse Reife bis kleine oder mittlere Unternehmen einsteigen können. Man müsse beobachten und abwägen, was leistbar ist und klar: "Ohne Fördermittel geht es nicht!"

Bei Ebusco ist auch eine 18 Meter lange Busvariante für 2020 in Planung. Und wer den neuen 3.0 anschauen will, der sollte Ende Oktober nach Brüssel fahren. Dort wird die neueste Variante des Elektrobusses in Leichtbauweise auf der Messe gezeigt - aus Carbon.

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