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Thundorf
Geschichte

Erinnerungen an den Lauertalexpress

Vor 120 Jahren rollte das Bockerle zum ersten Mal von Rottershausen nach Stadtlauringen durchs Lauertal. 60 Jahre später kam bereits wieder das Aus für die kleine Lokalbahn.
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Auf einem Waschingszug
Auf einem Waschingszug
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In diesem Jahr sind es 120 Jahre her, dass der Lauertalexpress, zum ersten Mal die Bahnstrecke durchs Lauertal fuhr. Genau 60 Jahre fuhr das "Bockerle" dampfend und zischend, kräftig Ruß und Dampf ausstoßend durch das Lauertal von Rottershausen über Poppenlauer, Maßbach und Rothhausen bis nach Stadtlauringen. Das Bild der alten Lokomotive, mit dem Personenwagen und dem Wagen für den Gütertransport gehört seit 1960 aber der Vergangenheit an.

Heute sind nur noch die aufgelassenen und anderweitig genutzten Bahnhofsgebäude stumme Zeugen des einst Gewesenem. Seit 1869 hatte man für eine Bahnlinien durch das Lauertal gekämpft. Das Erreichte machte sich die Bevölkerung später wieder selbst zunichte, denn kaum einer fuhr in den 60er Jahren mehr mit dem Zug und auch der Güterverkehr auf der Schiene nahm rapide ab. 1960 rollte daher der letzte Güterzug auf dieser Strecke.

Schon bei der Planung im 19. Jahrhundert hatten sich Vertreter des Marktes Maßbach und der Gemeinde Thundorf für eine Trassenführung durch das Gebiet des Lauertales, vorbei an zahlreichen Mühlen, eingesetzt. Als schon keine Hoffnung mehr bestand, die Trasse zu erhalten, versuchten die Gemeinden Weichtungen, Brünn, Thundorf, Poppenaluer, Wenkheim, Wermerichshausen, Burghausen und Nüdlingen, wenigstens eine zusätzliche Haltestelle zwischen den Walddistrikten Gresserthof und Münnerstädter Wald auf dem langen Streckenabschnitt von Rottershausen bis Münnerstadt zu erreichen.

Leider wurde diese Eingabe nicht berücksichtigt. Kurzum: Zunächst schlugen alle Bemühungen der Lauertalgemeinden fehl, einen Anschluss an das Eisenbahnnetz zu erhalten. Eine der Initiativen war auch eine Versammlung von Gemeindebürgern, bei der der Bau einer Sekundärstrecke von Schweinfurt über Maßbach nach Stadtlauringen zur Diskussion stand. Doch alle Eingaben und Anträge der betroffenen Gemeinden blieben zwecklos. Erst im Juni 1895 beauftragte die bayrische Regierung die Generaldirektion der königlich-bayrischen Eisenbahnen mit Vorarbeiten zum Bau einer Bahnstrecke zwischen Rottershausen nach Stadtlauringen. Bedingung für den Trassenbau war, dass alle angrenzenden Gemeinden dafür den benötigten Grund und Boden zur Verfügung stellen mussten.

Diese Vorbedingungen wurden angenommen und man erteilte die Zustimmung. Da dieser Grunderwerbsaufwand schon vor Beginn der Arbeiten hinterlegt sein musste, war Eile geboten. Die Maßbacher und Stadtlauringer Bürger nahmen die Mehrkosten für diesen Grunderwerb in den Gemarkungen Poppenlauer und Rothhausen in Kauf und sicherten somit das Projekt des Eisenbahnbaus. Sie versprachen sich viele Vorteile von dem künftigen Bahnverkehr.

Die Gemeinden hatten insgesamt 70 750 Mark an Grunderwerbskosten zu tragen. Der Bau der Strecke von Rotterhausen über Poppenlauer, Maßbach, Rothhausen bis nach Stadtlauringen kostete nach vorhandenen Unterlagen 663 055 Mark und die Anschaffung eines Zugpaares noch einmal 58 375 Mark. Nach relativ kurzer Bauzeit wurde die Strecke 1900 fertig gestellt und die feierliche Eröffnung fand am 6. August 1900 statt. Bis 1960 durchschnaufte das Bockerle oder der Lauermärt, wie er auch genannt wurde, dann das Lauertal. Mit großem Aufwand wurde 1950 das fünfzigjährige Bestehen in Maßbach gefeiert. Verbunden war eine Gewerbe- und Leistungsschau, die vom VdK Ortsverband Maßbach und dessen Vorsitzenden Heinrich Karch organisiert wurde.

Aber schon kurze Zeit nach diesem großen Fest kamen Gerüchte auf, dass die Eisenbahnstrecke stillgelegt werden soll. Die Bewohner der Lauertalgemeinden, ebenso wie die Gemeindeverwaltungen, waren über diese Ankündigungen empört, obwohl der Personenverkehr stetig zurückging und die Bahn rote Zahlen einfuhr. Rechnet man die Kosten für die Unglüksfälle hinzu -nach der Überlieferung zwei in den 50 Jahren-, so war die Deckungslücke noch sehr viel größer. Das letzte Unglück geschah übrigens im Jahr 1959. Damals sprang der letzte Wagen am Stellwerk Rannungen aus den Schienen und trudelte auf den Weichen und dem Schotter entlang bis kurz vor den Tunnel. Schon ein Jahr später kam das endgültige Aus für die Lokalbahn.

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