Bad Kissingen
Jugendhilfe

Erfolgsmodell JaS macht Schule

Die Sozialarbeit an Grund-, Mittel- und Förderschulen soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Deshalb planen der Landkreis und der Verein "Pro Jugend" eine Koordinationsstelle.
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Sozialarbeiterin Melanie Faulhaber (2. von links) trat im Herbst 2013 die erste Stelle als Jugendsozialarbeiterin in der Berufsschule und dem sonderpädagogischen Förderzentrum Saaletal-Schule an. Ihre Arbeit, etwa solche Gespräche außerhalb des Unterrichts mit (von links) Francesca, Sebastian, Lukas und Kay, kam so gut an, dass nun immer mehr Kommunen JaS-Stellen schaffen wollen. Foto: Ralf Ruppert
Sozialarbeiterin Melanie Faulhaber (2. von links) trat im Herbst 2013 die erste Stelle als Jugendsozialarbeiterin in der Berufsschule und dem sonderpädagogischen Förderzentrum Saaletal-Schule an. Ihre Arbeit, etwa solche Gespräche außerhalb des Unterrichts mit (von links) Francesca, Sebastian, Lukas und Kay, kam so gut an, dass nun immer mehr Kommunen JaS-Stellen schaffen wollen. Foto: Ralf Ruppert
Aktueller geht es nicht: "Heute Morgen war der Bewilligungsbescheid in der Post", berichtete der Jugendamtsleiter Siegbert Goll in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses. Beantragt hatten mehrere Kommunen in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt neue Stellen für die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS). "Das heißt, dass der Projektstart zum kommenden Schuljahr gesichert ist", erklärte Goll. Damit gibt es ab Herbst insgesamt vier JaS-Vollzeitstellen, weitere sollen folgen. Goll möchte deshalb eine Koordinationsstelle schaffen: "Aus unserer Sicht wäre es hilfreich, die einzelnen Stellen besser zu vernetzen", sagte Goll dazu.

Vier Stellen an sieben Schulen

Ab Herbst soll es vier Vollzeitstellen verteilt auf sieben Standorte geben, ab dem Schuljahr 2016/17 könnten es nach jetziger Planung sechs Vollzeitstellen an zehn Standorten sein. Es liege aus fachlichen Erwägungen nahe, JaS und die gemeindliche Jugendarbeit "zu verschränken, ohne dass die professionelle Eigenständigkeit und Zuständigkeit sowie Finanzierung verloren geht". Deshalb will der Landkreis die neue Stelle auch beim Verein "Pro Jugend" ansiedeln, über den bereits etliche gemeindliche Jugendarbeiter finanziert werden. Aktuell haben sich neun der 26 Kommunen in dem Verein zusammengeschlossen: Bad Brückenau, Burkardroth, Euerdorf, Elfershausen, Maßbach, Münnerstadt, Nüdlingen, Oerlenbach und Wildflecken. Sie teilen sich aktuell vier hauptamtliche Jugendpfleger.
"Wir sprechen von den gleichen Kindern und Jugendlichen, welche in der Schule Probleme haben und Unterstützung in der Freizeit benötigen", heißt es in der Begründung für die Koordinationsstelle. Konkrete Maßnahmen kann sich Jugendamtsleiter Siegbert Goll viele vorstellen: Etwa Projekte, die an einer Schule gut laufen, an andere Standorte übernehmen. Auch die Qualifikation der Sozialarbeiter, die Navigation bei Unterstützungsbedarf sowie die Vernetzung zu freien Trägern der Jugendhilfe und zur außerschulischen Integration seien mögliche Betätigungsfelder.

Landkreis beauftragt Verein

Veranschlagt wird die Koordinationsstelle vorerst mit einer 30-Prozent-Stelle, also zwölf Stunden pro Woche: Zehn Stunden für die Koordination mit der offenen Jugendarbeit, zwei Stunden für die Koordination integrationsbezogene Jugendsozialarbeit. Der Jugendhilfeausschuss legte fest, dass der Stellenanteil um fünf Prozent erhöht wird für jede Kommune, die gleichzeitig JaS anbietet und Mitglied im Verein Pro Jugend ist. Für das laufende Jahr bedeutet das einen Zusatzaufwand von 17 143 Euro für das Jugendamt. Formal beauftragt der Landkreis den Verein im Rahmen seiner Mitgliedschaft mit der neuen Aufgabe.

Förderprogramm Der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS ) mit bis zu 16 360 Euro pro Stelle. Zuwendungsempfänger sind die Landkreise und kreisfreien Städte.

Ziele JaS soll die individuelle und soziale Entwicklung in Schule und Lebenswelt fördern. Darunter fallen Persönlichkeit, Sozialkompetenz, Eigenverantwortung, konstruktive Konfliktlösung, berufliche Integration sowie Ausbildungs- und Berufsreife. Weiter sollen soziale und kulturelle Integration sowie die Teilhabe an Gesellschaft, Politik und Kultur ermöglicht werden.
Bestand Die erste Stelle im Landkreis teilen sich seit dem Schuljahr 2013/14 die Staatliche Berufsschule und das Sozialpädagogische Förderzentrum Saaletal-Schule je zur Hälfte. Träger war der Landkreis.

Bewilligt Bewilligt sind fünf weitere Stellen: Eine ganze Stelle für die Mittelschule Bad Brückenau sowie jeweils halbe Stellen für die Mittelschulen Münnerstadt, Hammelburg und Nüdlingen sowie die Grundschule Hammelburg.

Planung Weitere Kommunen haben sich um JaS-Stellen beworben: Die Stadt Bad Kissingen denkt für das Schuljahr 2016/2017 über eine JaS-Stelle an der Kliegl-Mittelschule und je eine halbe an der Sinnberg- und der Henneberg-Grundschule nach. Auch für die Schule Oerlenbach dgibt es Überlegungen für eine halbe Stelle.

Voraussetzungen Um Zuwendungen zu erhalten, muss der Bedarf für die JaS festgestellt werden. Schule und Jugendhilfeausschuss müssen dafür so genannte sozialräumliche Indikatoren aufzeigen. Zudem muss der Regierung ein Konzept vorgelegt werden, das aus einer Bedarfsanalyse und einer Stellen- und Leistungsbeschreibung besteht.

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