"Das ist eine Goldrute", sagt Sebastian und deutet auf eine krautige Pflanze mit gelb-orangenen Blütenkörbchen. Einen Moment bleibt er davor stehen, betrachtet sie und läuft nach kurzem Zögern wieder weiter. Inzwischen kennt er sich hier schon gut aus. Routiniert geht er voraus. Vorbei an einem Meer an Blumen und zahlreichen Beeten. Kaum etwas, das hier wächst, kennt Sebastian nicht mit Namen. "Und das ist eine Staude. Die benutzen wir auch für Gestecke, zum Beispiel beim Rakoczyfest", erklärt er. Sebastian hat ein Gefühl für Pflanzen. Das merkt man sofort.
Seine Berufung hat der 17-Jährige jetzt zum Beruf gemacht. Seit 1. August macht er in der Kurgärtnerei eine Ausbildung zum Zierpflanzengärtner. Innenraumbegrünung, Topfpflanzen, Zimmerpflanzen und Schnittblumen sowie deren Vermehrung, Zucht und Aufbau - das ist künftig sein Metier.
Jetzt greift Sebastian aber erstmal zur Schaufel. "Die Erde ist vom Regen in die Rinne gerutscht. Die muss ich jetzt wieder wegmachen", sagt der angehende Gärtner. Freiland und Gewächshäuser der Kurgärtnerei bilden insgesamt eine Fläche von 6100 Quadratmeter. Da gibt es einiges zu tun. Neben dem klassischen Gießen und Unkraut jähen waren Sebastian und seine Kollegen in letzter Zeit vor allem mit dem Pikieren von Sämlingen beschäftigt. "Die kommen in eine große Wanne, dann keimen sie, und dann werden sie in einzelne Töpfe gesetzt." Den Winter verbringen die Pflanzen noch im Gewächshaus, im Frühjahr werden sie eingepflanzt.

Am liebsten an der frischen Luft


Wenn Sebastian erzählt, ist er voll in seinem Element. Sein Wissen ist beeindruckend. "Ich lese aber auch viel zum Thema Botanik", will er sich fast für seine Kenntnisse entschuldigen. Aber warum hat er sich eigentlich gerade für diesen Beruf entschieden? "Ich kann sehen, wie die Blumen wachsen. Und ich bin meistens draußen", bringt er seine Beweggründe auf den Punkt. Außerdem arbeitet er gern mit seinen Händen. Einen Job im Büro wäre partout nichts für ihn gewesen.
Sebastian hatte nach seinem Realschulabschluss mehrere Bewerbungen verschickt. Er hatte sogar mehrere Vorstellungsgespräche. Und ein Praktikum in der Gärtnerei. "Für mich war schnell klar, dass das hier mein Ding ist. Gärtner ist mein Traumjob. "

600 Mal Goldlack


Inzwischen läuft er einen langen Gang entlang, hier wird so einiges gelagert: Töpfe und Arbeitsgeräte. Vom Spaten über die Hacke bis zur Gießkanne ist alles dabei. Kurzfristig biegt Sebastian in ein Gewächshaus ab und präsentiert stolz seine getanene Arbeit: "Das ist Goldlack. 600 Stück. Die hab' ich gestern gesät." Nächstes Jahr werden sie gepflanzt. Gleich daneben stehen 2000 frisch gesäte Vergissmeinnicht.
In einem weiterem Raum zeigt er einige Palmen, die sonst eigentlich in der Stadt stehen. "Sie sind krank. Haben entweder zu viel oder zu wenig Wasser abbekommen." Ab November werden sie viel Gesellschaft bekommen und dicht an dicht nebeneinander stehen. Dann kommen nämlich alle Palmen zur Überwinterung.
Zuhause, in Sebastians Elternhaus, gibt es gleich zwei große Gärten. Den grünen Daumen hat Sebastian von seiner Mutter geerbt. Schon als kleines Kind hat er ihr viel geholfen. "Die Arbeit gefällt mir einfach sehr gut", schwärmt er.

Aufstehen frühs um fünf


Sebastian wohnt in Großbardorf (Landkreis Rhön-Grabfeld). Mit dem Bus ist er eine Stunde unterwegs, einmal hin und einmal zurück. Jeden Tag. Morgens muss er deshalb schon um fünf Uhr aufstehen. Das macht ihm aber nichts aus. "Ich gehe einfach schon um 21 Uhr ins Bett", sagt er. Und auch das findet der junge Mann alles andere als schlimm.
Sein Ausbilder Holger Pfaff hat an Sebastian jedenfalls überhaupt nichts auszusetzen: "Ich bin wirklich sehr zufrieden mit ihm." Und auch Sebastian scheint sehr zufrieden. Hier, in der Kurgärtnerei, ist er in seinem Element. Mit der Schaufel in der Hand, denn in der Rinne liegt immer noch ein bisschen Erde, blickt er über das Gelände. Und dann legt er wieder los, in seinem persönlichen Gartenparadies.

Agentur für Arbeit: Mehr freie Stellen als Bewerber:
Stellen Nach derzeitigem Stand sind viele Ausbildungsstellen noch unbesetzt. "Wer bisher noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, darf nicht verzagen", rät Peter Schönfelder, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Schweinfurt. "Der Sack ist noch nicht zu. Wer noch sucht, muss jetzt nur fachlich und räumlich flexibel sein", ergänzt er. Möglichkeiten gebe es noch viele, das Angebot an freien Stellen liege deutlich über der Zahl der Bewerber.

Branchen Unter den noch offenen Stellen sind vor allem Berufe, die in der Gunst der Bewerber nicht ganz vorne stehen, besonders im Hotel- und Gaststätten- und im Lebensmittelbereich. Neu dazugekommen bei den noch unbesetzten Stellen ist laut Schönfelder außerdem das Handwerk. "Junge Menschen - und Mädchen sowieso - wollen ins Büro. Da haben es die Firmen einfacher auszuwählen", erläutert Schönfelder.

Alternativen An Jugendliche ohne Ausbildungsstelle appelliert er, über Alternativen nachzudenken, wenn es mit dem Wunschberuf nicht geklappt hat. "Viele haben von Berufen im Handwerk falsche Vorstellungen. Da gibt es auch gute Karriereaussichten."
Auch Betriebe, die bisher noch keine Auszubildenden unter Vertrag haben, könnten jetzt nochmal Bewerber einladen, die sie bei der ersten Auswahl zunächst ausgesiebt hatten. "Vielleicht sind die ja noch zu haben. Und Schulnoten sind auch nicht alles", sagt Schönfelder.