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Großeibstadt
Geschichte

Enttäuschung in Kleineibstadt: Kirchturmkugel ohne Inhalt

Mit großen Erwartungen wurde in Kleineibstadt die goldene Kirchturmkugel vom Dach herunter geholt, um nachzusehen, ob darin eine Schatulle mit Dokumenten versteckt wäre. Leider wurden die Bürger enttäuscht - Der Inhalt wurde scheinbar schon Jahre zuvor herausgenommen.
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Foto: Friedrich
Foto: Friedrich
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Die goldenen Kugeln auf den Kirchtürmen von Kleineibstadt sind seit Jahrhunderten Geheimnisträger. Wenn Kirchturmkugeln abgenommen werden, dann wollen die Bürger natürlich wissen, was die Vorfahren so alles notiert haben und vielleicht in den Kugeln versteckt haben. So schauten am Montag einige Kleineibstädter, darunter Architekt Volker Eppler, Bürgermeister Emil Sebald, Pfarrer Pjotr Bruski, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Franz Schultheis und stellvertretender Vorsitzender der Kirchenverwaltung, Siegfried Reder gespannt nach oben, als das Kreuz und eine Kugel abmontiert wurden. Dass dort keinerlei Dokumente hinterlegt sind, das konnte sich keiner der Umstehenden vorstellen.

Gespannt waren deshalb alle Zuschauer, als die Kugel am Boden war. Kirchenvorstandvorsiteznder Siegfried Reder, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Franz Schultheis und Bürgermeister Emil Sebald warfen einen Blick hinein, fühlten mit den Händen - aber nichts war zu finden. Da erinnerten sich einige Kleineibstädter an das Jahr 1981, als letztmals der Turm renoviert worden war. Damals war die Kirchturmkugel von vielen Schüssen durchlöchert. Ob eine Schatulle dabei herunter gekommen ist, das bezweifelten einige. Der damalige Pfarrer Helmut Scheckenbach hatte auch die Sorge, dass die Turmkugel erneut als Zielscheibe genutzt wird und dabei die Schatulle mit den Dokumenten beschädigt werden könnte.

Kugel wurde vorsichtshalber ohne Dokumente zurück gesetzt

So entschied er 1981, die Turmkugel ohne die Beigabe einer Schatulle mit Dokumente wieder aufsetzen zu lassen. Die wichtigen Unterlagen aus der Kugel sollen aber in die Kirchenwand eingemauert worden sein. Davon ist allerdings heute nur noch wenig bekannt. Franz Dörflein, der bis 1984 in der Kirchenverwaltung war, weiß nur, dass es damals im Dorf zu Streitgesprächen kam, ob in der Kugel etwas versteckt werden sollte oder nicht. Ihm ist allerdings nicht mehr in Erinnerung, dass die Kugel damals ohne Dokumente nach oben kam.

Sicher dürfte jedoch sein, dass die alte, durchlöcherte Kugel nicht mehr benutzt, sondern eine neue angefertigt wurde. An der jetzigen Turmkugel sind nämlich keinerlei Lötstellen zu sehen, die die Einschusslöcher verdichteten, meint Bürgermeister Emil Sebald. Franz Dörflein wiederum erinnert sich, dass Kreuz und Kugel um 1930 abgenommen wurden. Damals gab es ein kleines Fest dazu, als beides wieder nach oben kam. "Die Gemeinde spendierte sogar Brötchen, die vom Turm herab geworfen wurden." Damals sei dies für die Kinder etwas Besonderes gewesen, da es Brötchen damals noch nicht, wie heute, täglich zu kaufen gab.

Turmkreuz ist wohl "echte Handwerkskunst"

"Das ist noch echte Handwerkskunst," stellten dann Kleineibstädter fest, als sie das schmiedeiserne Turmkreuz sahen. "Das ist auf jeden Fall noch mit der Hand geschmiedet worden, denn es ist aus der Zeit um 1735, weiß der stellvertretende Vorstand der Kirchenverwaltung, Siegfried Reder. Eine kleine Besonderheit gab es übrigens bei der Abnahme von Kreuz und Kugel: An der Orgel der Kleineibstädter Kirche erklang Präludium und Fuge in C-Dur von Johann Sebastian Bach, außerdem Werke von Mendelssohn Bartholdy. An der Orgel war Leonard Hölldampf von der Berufsfachschule für Musik. Siegfried Reder hatte ihn extra organisiert.

Die leere Turmkugel war natürlich an diesem Tag Gesprächsstoff in Kleineibstadt und manch einer nahm sich ein Herz und stieg dem Kirchturm einmal hinauf. Dazu gehörten Bürgermeister Emil Sebald und Pfarrer Pjotr Bruski. Beide waren begeistert von der Aussicht und das Ortsoberhaupt drehte gleich einmal eine kleine Filmsequenz. In den nächsten Wochen werden Kreuz und Kugel nun grundlegend saniert, das Kreuz gestrichen und teils vergoldet, ebenso die Turmkugel. Ganz sicher ist übrigens, das diesmal wieder Dokumente in die Turmkugel kommen, sagt Architekt Volker Eppler. Dem stimmt spontan auch Kirchenverwaltungsvorstand Siegfried Reder zu. Er ist geschichtsbewandert und kennt die Dorfchronik.

Kugel bekommt neuen Inhalt

Was in die Kugel kommt? Ganz sicher eine Dokumentation über die Turmsanierung, geschichtliche Daten zur Kirche und zum Kirchturm, aber auch Bild- und eventuell Filmmaterial. Gerade was Fotos und Filme betrifft, will man sich aber erkundigen, wie man diese für die Nachwelt schützen kann. "Immerhin ist die Kugel ja Wind und Wetter und vor allem Blitzen ausgesetzt", sagt Siegfried Reder. Jedenfalls sollen die Nachkommen, die in einigen Jahrzehnten die Turmkugel wieder öffnen, nicht solch eine Enttäuschung erleben, wie die Kleineibstädter am Montag.

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