Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Ensemblelieder: Bei Mozart darf man auch mal laut lachen

Ensemblelieder für Vokalquartett mit Klavierbegleitung sind relativ selten zu hören - nicht nur, weil es schwierig ist, eine solche Gruppe zusammenzubringen und fit zu machen, sondern vor allem, weil mehr oder weniger die gesamte Literatur von den Chören vereinnahmt ist.
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Zu den "Ensembleliedern" hatte Eric Schneider (am Flügel) sein Gesangsquartett mitgebracht: Julia Sophie Wagner, Marie-Luise Dreßen, Julian Freibott und Ludwig Mittelhammer. Gerhild Ahnert
Zu den "Ensembleliedern" hatte Eric Schneider (am Flügel) sein Gesangsquartett mitgebracht: Julia Sophie Wagner, Marie-Luise Dreßen, Julian Freibott und Ludwig Mittelhammer. Gerhild Ahnert

Da haben es vier Solisten schwer, sich im öffentlichen Bewusstsein durchzusetzen. Aber es ist durchaus möglich. Jetzt war der Berliner Liedprofessor Eric Schneider mit seiner jungen Truppe im Rossini-Saal - allerdings nicht zum ersten Mal: Vor zwei Jahren sangen Julia Sophie Wagner (Sopran), Marie-Luise Dreßen Mezzosopran), Julian Freibott (Tenor) und Ludwig Mittelhammer (Bariton) schon einmal im Hammelburger Schlosshof.

Das Programm war klug gewählt: Mit sechs Liedern aus op. 112 und den Zigeunerliedern op. 103 erreichten sie die Chorsänger und ihr Repertoire. Aber derart konzentriert und prägnant und dadurch auch interessant schaffen das halt nur die Solisten, die nicht auf Gruppenklang achten müssen, sondern gestalten können.

Natürlich mussten und konnten sich alle vier auch alleine behaupten mit vier Vertonungen von Hölderlin-Texten: "Die Heimat" von Benjamin Britten, "An eine Stadt" von Hanns Eisler oder das atmosphärisch wunderbare "Sommer" von György Ligeti. Ein bisschen undankbar war die Aufgabe für Ludwig Mittelhammer: Walter Braunfels' "An die Parzen" hat ein Pathos, das er nicht zu mögen scheint.

Franz Schubert stand für den ernsthaften Teil. Da zeigten de Vier in wunderbarer Übereinstimmung eine sehr bewusste, ernsthafte Affektgestaltung bei Liedern wie "Hymne an den unendlichen", "Gott im Ungewitter" oder "Begräbnislied".

Aber die meisten Punkte gab's für Mozart und seine Kanons und köstlichen Szenen wie "Nascoso e il mio sol" oder "Caro mio Druck und Schluck", das etwas fäkalische, oft staatlich zensierte "Bona nox" oder das übermütige "Bandl-Terzett. Da wurde nicht nur auf Teufel komm raus gesungen, sondern auch gespielt. Da traute sich auch das Publikum, mitten in den Gesang hinein immer wieder mal laut zu lachen.

Zwei Zugaben sang die Truppe: Schuberts Quartett "Lebenslust" D 609 und das Abschiedsquintett aus dem 1. Akt von Mozarts "Cosi fan tutte". Da durfte dann auch Eric Schneider als Alfonso mitsingen.

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