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Hausen bei Bad Kissingen
Verein

Ende für Chorgemeinschaft Hausen nach fast 100 Jahren

DIe Chorgemeinschaft Hausen ist zum Jahresende offiziell aufgelöst. Vom einstigen Kulturmotor des Stadtteils bleibt nur der Jugendchor und die Erinnerung.
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Der Jugendchor aus Hausen - Chorisma - bleibt bestehen. Die Chorgemeinschaft der Erwachsenen wird zum Ende des Jahres aufgelöst. Foto: Björn Hein/Archiv
Der Jugendchor aus Hausen - Chorisma - bleibt bestehen. Die Chorgemeinschaft der Erwachsenen wird zum Ende des Jahres aufgelöst. Foto: Björn Hein/Archiv

Noch wenige Wochen, dann gehört die Chorgemeinschaft Hausen der Vergangenheit an. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Februar wurde die Auflösung des Vereins einstimmig beschlossen. Der Grund: Es fanden keine Sänger und nur noch wenige Sängerinnen zum Chorgesang zusammen. Bei einem letzten Treffen der Mitglieder wurde jetzt der Verein begraben. Zum Ende des Jahres ist er offiziell aufgelöst.

Ein Blick in die Vereinsgeschichte zeigt, welch große Bedeutung der Chor einst für das kulturelle Leben Hausens hatte. Am 26. Februar 1921 wurde der Gesangverein gegründet. Vom Stand weg meldeten sich 32 aktive Sänger und zwei passive Mitglieder. Mit Begeisterung und Eifer war dieser Männerchor bei der Sache, rasch stieg die Mitgliederzahl. Geprobt wurde damals im Gasthaus Mantel. Die Sänger profilierten sich bald bei Wertungssingen mit vorderen Platzierungen. 1938 stellte der Verein seine Tätigkeit vorübergehend ein. Im Dezember 1949 meldeten die Verantwortlichen an den Fränkischen Sängerbund, dass das Vereinslebens wiederaufgenommen wurde. Es gab einen gemischten Chor, der innerhalb weniger Wochen auf die stattliche Anzahl von 67 Mitgliedern, 32 Sängern und 35 Sängerinnen, anwuchs.

Von da an war der Gesangverein der Kulturmotor in Hausen. Liederabende, Sängertreffen mit benachbarten Vereinen, Theaterabende sowie Tanzveranstaltungen standen auf dem Programm. Erstmalig fand 1951 eine Adventsfeier im historischen Bismarcksaal in der Oberen Saline statt, die in mehr als 20 Jahren zur Tradition wurde. Erinnert sei auch an das erste Sommernachtsfest am Gradierbau im Juli 1952. Auch dieses etablierte sich im jährlichen Kulturkalender bis zum Abriss des Salinencafés 1963. An Stelle des Sommernachtsfestes wurde dann der bislang intern abgehaltene Vereinsabend zu einem öffentlichen "Bunten Abend" erweitert. Über 20 Jahre lang feierte man diesen in der Faschingszeit mit grandiosem Erfolg.

In den ersten Jahrzehnten lag die Chorleitung in den Händen der örtlichen Lehrer - unter ihnen sei besonders Franz Nowak erwähnt. 1955 nahm mit dem neuen Chorleiter Alfred Wirsing der Chor dann weiter Fahrt auf. Wirsing betreute auch die Chöre in Winkels und Arnshausen und tat sich als Komponist zahlreicher Chorsätze von Heimat- und Rhönliedern hervor. Er führte die Hausener zu gesanglicher Blüte. Bei einem Wertungssingen 1964 wurde dem Chor eine "fast konzertreife" Bewertung verliehen.

Neben der chorischen Leistung war auch das Vereinsleben erstklassig. Das war vor allem Walter Beck zuzuschreiben, der von 1968 an als Vorsitzender die Vereinsgeschicke leitete. Beim 50. Vereinsjubiläum 1971 blickte Walter Beck stolz auf einen jugendlichen, 40-köpfigen Chor, bei dem der Anteil der vier Stimmlagen sehr ausgewogen war.1974 gründete Beck den Kinderchor Hausen, der über 20 Jahre Bestand hatte.

Viele haben sich um das erfolgreiche Fortbestehen des Hausener Chores verdient gemacht. Erinnert sei an Edmund Seller, Annemarie Meyreiß und Pfarrer Georg Hirschbrich - und dennoch: Das Interesse am gemeinschaftlichen Singen nahm stetig ab, viele sahen die wöchentlichen Chorproben als einengende Verpflichtung. Vor allem mangelte es an Nachwuchssängern. Mehr als 20 Jahre versuchte der Chor mit Werbeaktionen, Gesangsprojekten oder auch mit dem Klosterfest neue Sänger zu gewinnen. Diese Initiativen brachten jedoch keine Wende. Doch war es dem Vorsitzenden Wolfgang Werner gelungen, den Jugendchor Chorisma unter der Leitung von Antje Kopp zu gründen. Das Interesse am Erwachsenenchor schwand weiter, so dass ein chorisches Singen nicht mehr möglich war.

Helena Scharf hatte nun als aktuelle Vorsitzende die undankbare Aufgabe, den Verein aufzulösen. Der Jugendchor Chorisma singt weiter unter dem Dach der Kissinger Sängervereinigung. Dafür wurde von der Chorgemeinschaft eine Anschubfinanzierung gewährt. Das restliche Vereinsvermögen und auch das generalsanierte Klavier gehen in den Besitz der Pfarrei Heilig Kreuz Hausen über zur Erhaltung des Pfarrheims. Das Pfarrheim war über Jahrzehnte kostenlos als Vereinsheim zur Verfügung gestellt worden.

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