Eltingshausen

Eltingshausen: Widerstand gegen Windräder

Die Betreiber-Firma will ihr Windkraft-Projekt weiterführen und zwei Anlagen bei Eltingshausen errichten - wie mit der Gemeinde Oerlenbach vereinbart. Einige Bürger haben etwas dagegen und machen ihrem Ärger jetzt Luft.
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Vor sechs Jahren haben Gemeinde und Betreiber-Firma einen Vertrag ausgehandelt. Nachdem im Dezember 2016 die ersten drei Anlagen auf Oerlenbacher Grund ans Netz gingen, will die Energieallianz Bayern jetzt den zweiten und letzten Bauabschnitt vorantreiben und zwei weitere Windräder bauen. Ende 2020 sollen sie sich drehen. Das schmeckt nicht jedem in Eltingshausen. Fotos: Carmen Schmitt
Vor sechs Jahren haben Gemeinde und Betreiber-Firma einen Vertrag ausgehandelt. Nachdem im Dezember 2016 die ersten drei Anlagen auf Oerlenbacher Grund ans Netz gingen, will die Energieallianz Bayern jetzt den zweiten und letzten Bauabschnitt vorantreiben und zwei weitere Windräder bauen. Ende 2020 sollen sie sich drehen. Das schmeckt nicht jedem in Eltingshausen. Fotos: Carmen Schmitt
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Ihre Arme sind verschränkt. Fest verschränkt. Mit seiner Haltung hält heute Abend niemand hinterm Berg. "Waldbad statt Windrad" ist auf das Banner gesprüht. "Braucht unser Eltingshäuser Wald wirklich Windräder?", lautet die rhethorische Frage, die einen auf grünen Plakaten im Ort empfängt. Die Oerlenbacher Gemeinde hatte darauf bereits vor einigen Jahren die Antwort: Warum nicht? Die Bürger sagen jetzt: Nicht mit uns!

Aus der angesetzten Info-Veranstaltung sollte an diesem Abend in der Kulturscheune in Eltingshausen ein Abend der Aussprache werden. 150 Bürger waren gekommen, der Bürgermeister, Gemeinderäte, die Fachleute hinter der Planung und ein Moderator, der für einen geordneten Dialog sorgen sollte. Nachdem sich vor zweieinhalb Jahren die Rotoren der drei Windenergieanlagen auf Oerlenbacher Grund zum ersten Mal drehten, wollen die Betreiber jetzt wie geplant nachlegen. Nach Untersuchungen, Analysen und Bewertungen will das Unternehmen im nächsten Monat den Antrag für das zweite Projekt einreichen: zwei Windenergieanlagen bei Eltingshausen. Läuft alles nach Plan, sollen die Ende nächsten Jahres ans Netz gehen.

"Lasst unseren Wald in Ruhe!", lautet die erste Ansage, die einer aus der versammelten Jägerschaft ins Mikrophon in Richtung Experten-Gruppe macht und damit wohl die Meinung der meisten Anwesenden zusammenfasst. Nachdem Fachplaner und Biologen das Publikum innerhalb einer halben Stunde über technische Hintergründe, Untersuchungsergebnisse und das geplante Vorgehen aufgeklärt hatten, machen die Eltingshäuser ihrem Ärger Luft und formulieren ihre Sorgen ins Mikrophon, das durch die Stuhlreihen wandert. Die Frauen und Männer, die an diesem Abend in der Kulturscheune hocken, fühlen sich "übergangen", "vor vollendete Tatsachen gestellt". Sie fürchten um ihre Lebensqualität. "Sind die Menschen weniger wert als die Tiere?" Bei all den Umwelt-Analysen vermisst diese Bürgerin die Rücksichtnahme auf die Leute vor Ort. Thomas Held von der Firma, die die Projektentwicklung übernommen hat, versichert: "Wir würden die Grenzwerte mehr als einhalten." Warum sollen die Windräder überhaupt genau dorthin? wollen die Bürger wissen. Sie befürchten: Das "Herzstück" ihres Waldes könnte den Windenergieanlagen zum Opfer fallen: "Unser bisschen Wald ist zu schade!"

Projekt mit Potenzial

Gerade wegen des Artenschutzes sollen die beiden Anlagen eben nicht auf dem Acker, sondern im Waldgebiet stehen, meint der Biologe Dr. Heiko Sawitzky, der für das Gutachten die Umgebung unter die Lupe genommen hat. Ulrich Geis, Geschäftsführer der Energieallianz Bayern (Betreiber und Träger) ist überzeugt von dem Projekt in der Gemeinde Oerlenbach: "Wir sehen hier Potenzial, einen Beitrag zur Energiewende leisten zu können." Ob sich die ganze Sache lohnt, ist für ihn keine Frage: "Es rechnet sich nachhaltig." Genaue Zahlen zu Pacht und Gewerbesteuer wollte er nicht herausgeben. Sebastian Schirp vom Projekt-Büro meint: "Die Kosten für die Anlage sind in zwei bis drei Jahren wieder drin."

"Sie formen die Natur zu einem Gewerbegebiet um", lautet der Vorwurf eines Bürgers. Zum Ausgleich für den Eingriff werde gerade mit der Naturschutzbehörde abgestimmt, welche Maßnahmen sich eignen und wo. Die Idee von einer "Urwald-Insel" bügelt Naturschützer Dieter Fünfstück prompt ab: "Hier hat man gut durchforstet. Das könnte man fast als Vorgriff für die Windenergieanlagen bezeichnen."

Der Jagdpächter von Eltingshausen sieht einen Widerspruch: Einerseits sollen die Jäger den Forst mithilfe von Abschusslisten vorm Verbiss schützen, meint er, andererseits werden für die Windkraft "mal eben" sechs Hektar gerodet. "So viel Wald kann unser Wild gar nicht verbeißen. Für mich gilt nicht Wald vor Wild, sondern Wald mit Wild."

Überrascht vom Widerstand

Nachdem die Diskussion in der Kulturscheune seit gut einer Stunde in Gang ist, schaltet sich Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) ein und tritt vor die erhitzten Gemüter. Der Widerstand überrasche ihn. Es sei immer klar gewesen, dass es nicht bei den drei Anlagen bleiben würde, meint er. Ursprünglich waren insgesamt sechs angedacht, jetzt sollen es fünf werden. Auch in Bürgerversammlungen sei das immer wieder angesprochen worden, sagt der Bürgermeister. Auf die Frage wie die Gemeinde aus diesem Vertrag herauskommen könnte und welche Kosten entstehen würden, meint Franz Kuhn: "Das haben wir noch nicht thematisiert."

Ein Besucher aus einer der hinteren Reihen kommentiert beeindruckt die Diskussion in der Kulturscheune. "Es ist toll, dass so viele den Wald schützen wollen." Stefan Bretscher outet sich als Beobachter der heutigen Veranstaltung. Der Mann aus dem Nachbarlandkreis engagiert sich in seinem Heimatdorf Grafenrheinfeld für den Stadtwald und gibt sich in der Kulturscheune in Eltingshausen als "Gewissen aus dem Off". In seiner Brust schlagen zwei Herzen, sagt er. Freilich, der Wald habe eine hohe Bedeutung. Er erlebe allerdings gerade, wie schwierig sich der Rückbau eines Atommeilers gestaltet. Bei einer Windenergieanlage sei das anders.

Der Moderator erlaubt sich in seiner neutralen Position schließlich einen gut gemeinten Rat: "Egal wie es weitergeht: Gehen Sie als Gemeinde sorgsam mit sich um. Seien Sie vorsichtig miteinander."

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